Beiträge vom Februar, 2009

Barack Hussein Obama

Donnerstag, 26. Februar 2009 13:45

Gestern hat Barack Hussein Obama zum ersten Mal vor dem Kongress gesprochen und stehende Ovationen bekommen. Der hat wirklich Charisma, so scheint mir. Das erste Mal brandete Jubel auf, als er erwähnte, seine Frau Michelle säße oben auf der Galerie. Wer hätte das gedacht: Weiße alte Männer applaudieren, wenn eine schwarze Frau begrüßt wird. Das nenne ich change.

Zur Inauguration von Obama hatte ich einen Text geschrieben, den kein Medium drucken wollte. Na ja, kann ich verstehen, ist ein schräges Ding, viele Anglizismen und auch sonst nur bedingt Mainstream-kompatibel. Aber irgendwie gefällt er mir, stelle ihn deswegen hier rein. Es geht los:

Barack Hussein is Coming

Heute ist Inauguration Day. Barrack Hussein is coming, und mit ihm Michelle the Gazelle. Darf man so was schreiben? Egal, jetzt steht es hier. Ich habe mir angewöhnt, respektlos zu sein, aber mit Gefühl. Zum Schluss des Artikels wird es allerdings wüst, das muss ich zugeben. Wer depressiven Zynismus nicht vertragen kann, sollte hier aussteigen. Allen, die bis zur letzten Station mitfahren, sei jedoch gesagt: Relax. Ist nicht so gemeint. I love America. Change is coming.

Womit ich bei der zweiten Vorankündigung wäre: Dieser Text wimmelt vor Amerikanismen, ich bin kulturell vom Großen Bruder beeinflusst, wie wir alle, denke ich. Wenn den ganzen Tag Rap im Radio läuft („Nigga, Nigga, gonna fuck you ´till tomorrow“ usw.), färbt das ab. Also habt euch nicht so, es ist immer noch halbwegs richtiges Deutsch.

Also gut. Barrack Hussein is coming. Gleichzeitig geht jemand aus dem Weißen Haus, dessen einziger lichter Blick in acht Jahren Folterspaß ausgerechnet in Bagdad zu bobachten war, jener Augenblick eben, als er in einem Anfall von Menschlichkeit die Schip-Schip-Attacke* eines übermütigen irakischen Kollegen mit bübischem Grinsen ertrug.

Weil ich mich generell bemühe, nur den einen Moment zu sehen, mich auf das zu konzentrieren, was gerade ist, ohne an das Vorher zu denken, kann ich auch Leuten etwas Sympathisches abgewinnen, die viel Bullshit auf sich geladen haben. Ich habe Freunde, die das nicht können. Für sie ist W. ein Wichser, Punkt aus. Manche von ihnen fanden sogar 9/11 geil.

Für mich aber war Bagdad ein Moment, wo all das, was vorher geschehen war, für wenige Sekunden keine Rolle spielte. Ich fand es menschlich, wie irritiert W. guckte, als die Moonboots (siehe *, letzter Satz) angeflogen kamen, noch menschlicher aber, wie er seine Gorillaz davon abhielt, den Mann in Schaschlikstücke zu portionieren. „Lasst mal, Jungs, er hat schon recht“, wollte er glaube ich sagen. Da kamen schon die Nachfolger von Saddams Leibgarde, die mittlerweile zwar demokratisch legitimiert sind, aber auch zuschlagen können.

Ich möchte Euch übrigens, begleitend zu diesem Stück, ein Lied ans Herz legen, das ich mir in den vergangenen Tagen 63 mal angehört habe. Es geht mir durch den Kopf, wie einem Säufer weiße Mäuse über den Weg laufen, wenn er keinen Stoff kriegt. Vollkommen Gaga, ich weiß. Der Text und die Musik spiegeln meinen Gemütszustand wider, in einer Weise, wie ich es vorher noch nicht erlebt habe. Aber es werden auch nicht alle Tage Panzergranaten auf Grundschulen abgefeuert und die Opfer zu Terroristen gemacht und von Militärsprechern entmenschlicht.

Das Lied wird von der britschen Band Coldplay und dem amerikanischen Rapper Jay-Z gesungen, es heißt „Lost“. Ladet Euch den Song runter, schaltet die Lautsprecher ein und dann: Crank it up and read this article!

Das Lied geht um verlieren und gewinnen, um Schmerz und Tod. Es fängt mit Chris Martin an, dem Sänger von Coldplay: „Just because I am losing, doesn´t mean I am lost, doesn´t mean I´ll stop.“ Übersetzt und aus aktuellen Gründen leicht erweitert: „Nur weil ich am verlieren bin, heißt das noch lange nicht, dass ich verloren bin, dass ich aufhören würde zu leben.“ Einfacher ausgedrückt, und zwar mit den Worten des serbisch-hessischen Ballartisten Dragoslav Stepanovic (Frankfruter Eintracht, Bayer 04): „Lebbe geht weiter!“ Irgendwann kommt die Zeile:„You might be a big fish, In a little pond, Doesn’t mean you’ve won, ‘Cause a long may come A bigger one. And you’ll be lost.” Also ungefähr: „Mach dich nicht so groß, so groß bis du nicht, vielleicht kommt irgendwann ein größerer als du, und du bist verloren.“ Eine Zeile, die, bei aller Liebe, sich unsere Freunde im östlichen Mittelmeer bei Gelegenheit klar machen sollten.

Ihr mögt Euch fragen, warum ich immer Barack Hussein schreibe. Ganz einfach: Sein zweiter Name ist für mich ein Symbol von Hoffnung auf bessere Zeiten. Als Barack Obama seinem Rivalen John McCain in den Umfragen enteilt war, begannen seine Berater eine Hetzkampagne, die einem Land, das Religionsfreiheit nicht nur propagiert, sondern auch praktiziert, nicht würdig war. Wie in einem bösen Wahn suchten sie nach Beweisen, mit denen sie hätten belegen können, Barack Obama sei ein Motherfucking Muslim. Das heißt: Beweise brauchten sie gar nicht, sie haben es einfach behauptet, in der Hoffnung, White America würde das kalte Grausen kriegen. Hat nicht ganz geklappt, wie mir scheint.

Reporter, die John McCain über längere Zeit im Wahlkampf begleiteten, sagten im Nachhinein, er hätte sich dabei selbst nicht wohl in seiner Haut gefühlt und sei froh gewesen, als alles vorbei war. Ich schätze ihn dafür als jemand, der unter Zwang seine Prinzipien aufgab und sich rehabilitierte, als er am 8. November um 23:59 Uhr seinem Kontrahenten zum Wahlsieg gratulierte und die besten Wünsche für die Zukunft mit auf den Weg gab. We are brothers. Ich glaube, das war ehrlich gemeint.

Während die Kampagne gegen Barrack Obama lief, starteten ein paar Amerikaner auf der Internetseite Facebook eine skurrile Aktion, die in Windeseile Nachahmer fand: Sie übernahmen einfach Barrack Obamas mittleren Namen, und alle hießen auf einmal „Hussein“. Sie wollten damit sagen: „Barack Obama ein Muslim? Scheiß was drauf, wir hatten einen notgeilen Baptisten als Präsidenten, irgendwann kommt ein verklemmter Mormone, soll doch zwischendurch ein verkappter Muslim sein Glück versuchen.“ Mein Facebookfriend Daniel hat auch mitgemacht, ein Jude, wenn die Anmerkung erlaubt ist.

Und dann Collin Powell, der den Irak-Krieg im Februar 2003 in schamloser Weise vor der UN-Versammlung mit Lügen rechtfertigte, wohl wissend, er präsentierte ausgedachte Fakten. Er sagte sinngemäß: „Ich bin auf Obamas Seite, er ist der richtige Mann. Keiner hat das Recht, ihm zu unterstellen er sei Muslim. Und selbst wenn er es wäre, wäre das egal. Wo leben wir eigentlich.“ Auch er hat mich mit seiner Umkehr tief beeindruckt.

„Lost“. Nach Chris Martin kommt Jay-Z und singt über Martin Luther King, über Malcolm X, über Judas, Julius Cäsar und Jesus Christus. Der Erfolg führe in den Tod, singt er: „Suicide, it´s a suicide.“ Zum Glück hat er Barack Hussein nicht erwähnt, das wäre ein schlechtes Omen gewesen. God bless him.

Es gibt Leute, die fragen sich, warum die Neger in Amerika immer noch ermordeten Charismatikern aus den sechziger Jahren hinterher jammern. „Denen geht´s doch gut“, sagen sie. „Wenn ihre Vorfahren seinerzeit im Kongo geblieben wären, würden ihnen heute Kindersoldaten auf Speed Nase, Zunge und Hodensack abschneiden. Außerdem haben sie jetzt Obama. Was soll das Gejammer.“

Diese Leute halten die Neger Amerikas für unnötig aufmüpfig. „Die sollen mal aufhören, ihre Zeit mit Projektilbasteln zu verschwenden“, sagen sie. „Wenn sie früher angefangen hätten zu arbeiten, statt von der CIA mitgebrachtes Crack auf den Straßen von LA zu verticken, würden sie heute alle in halbwegs orkanresistenten Holzhäusern leben. Mir lungern immer noch zu viele Neger auf den Straßen von New York City rum. Und die Stadt soll gesäubert sein? Ich hol mal meinen Besen mit doppelter Stahlbürste. Na ja, Manhattan ist ganz gut, und aus Brooklyn sind sie auch bald weg.“

„Lost“. Bei Minute drei ein Gitarrensolo, das mich komplett von den Socken holt. I keel over.

Wenn ich Typen wie Jay- Z sehe, muss ich immer an den Sommer 1999 denken. Ich besuchte damals an einem sonnigen Septembertag das Folsom State Prison, ein Sicherheitsmonstrum in der Nähe von Sacramento, California, also bei Arnie um die Ecke. Johnny Cash hat da 1968 für die Inmates ein Konzert gegeben, das verewigt wurde: „Johnny Cash at Folsom Prison.“

Ich möchte Euch die Geschichte meines Besuches erzählen, wo der Artikel jetzt zur Neige geht. Ich kam dummerweise in Blue Jeans. Der wachhabende Offizier am Eingang sagte, ich müsste aufpassen, denn die Inmates trügen die gleichen Hosen. Wenn da mal keine Verwechslungen aufkämen.

Stimmt schon, die Wächter sind streng, wenn du drin bist, biste drin und kommst so schnell nicht wieder raus, wenn sie dich für ein Mitglied dieser Gangstertruppe halten, das wegen wiederholten Diebstahls doppelter Pizza Anchovis 60 Jahre absitzen muss, oder so ähnlich. Auf meine Frage, ob es denn gelegentlich Raufereien unter den Inmates gebe, sagte ein Wärter: Yes, I´ve seen violence, a looot of violence.“ Das klang eher nach üblen Bench Brawls, also im Nachbarland Kanada beliebten Massenkeilereien beim Eishockey, nur trugen die Jungs hier keine Helme und wurden auch nicht teuer bezahlt. Eishockey-Profis hingegen sind keine Eineurojobber.

Als Weißer hatte ich aber gute Karten, gar nicht verwechselt zu werden, ich würde sagen, um die 70 Prozent waren hier schwarz, Typen wie Jay-Z eben. Würde mich interessieren, ob sie den auch wegen Pizzadiebstahls einbunkern würden. Richter in den USA sind flexibel. Keep on rollin´, my main mean man motherfucker Jay-Z. Na ja, der hat 26 Millionen Scheiben verkauft, der klaut nicht so schnell wieder Mehlspeisen mit salzigen Fischchen oben drauf.

Die restlichen Inmates waren übrigens Latinos. Kein Wunder, Mexiko ist ja gar nicht so weit weg, vielleicht 13 Autostunden. Das ist in den USA vergleichbar mit einer Reise von Fürth nach Nürnberg. Nachbarn eben.

Junge, Junge, bin ich abgeschweift. Wo waren wir? Ach ja: Einen Weißen fand ich dann doch noch, in einem Maschendrahtverhau. Der Verhau stand auf einer Wiese im Zentrum dieses düsteren Tempels, der nach den Prinzipien des Alten Testaments funktionierte: nichts vergeben, nichts vergessen. Maximum Pain. Der Inmate lief wie ein Puma in dem Verhau hin und her und wurde mit Wasser besprüht, er sollte sich nicht aufheizen, an diesem schönen Sommertag. Der Wärter bat mich, Abstand zu halten. „My name is Jason Styles, I am 36 year old, Caucasian“, sagte der Inmate hinterm Maschendraht. Komischer Vogel, dachte ich. Kaukasier, wer behauptet denn so was von sich. Keine Ahnung, ob oben noch alles stimmte bei dem, ich glaube, er gehörte zu denen, die in „Prison Madness“ beschrieben werden, eines der wenigen Sachbücher, die ich gelesen habe, wo mir von Seite eins und dann bis zum Schluss Tränen aus dem Gesicht schossen.

Kauft es Euch und probiert es aus: It´s a book about the utterly disgusting, disgraceful, and depressing system of locking up helpless mentally mad people in the prison gulag of the United States of Motherfucking America, the greatest and most freedom-loving country of all time.

Gut, das hätten wir geklärt. Noch Fragen? Ich geh dann mal. Obama wird´s schon richten. Keep on rollin´, my main mean man motherfucker Hussein.

Albrecht Metzger

*Schip-Schip heißen in Ägypten die Gummilatschen, mit denen u.a. Beduinen aus dem Sinaigebirge in Steilhängen festsitzenden westlichen Touristinnen mittleren Alters mit ärmellosen T-Shits und Strohhut hinterher kraxeln. Wie die im Irak heißen, weiß ich nicht, da gibt´s keinen Sinai. Außerdem hat dieser Ahmad Mahmud Muhammad, oder wie er hieß, mit braunen Halbschuhen geworfen. Das ist dichterische Freiheit.

Thema: Herr Metzger räumt auf | Comments Off | Autor: Albrecht Metzger

Brief aus Gaza

Donnerstag, 19. Februar 2009 16:04

Raeds Geschichte

Am Ende habe ich es doch bis nach Gaza geschafft. Als ich Mitte Januar nach Israel reiste, um im ARD-Hörfunk-Studio in Tel Aviv auszuhelfen, war nicht klar, ob die israelische Regierung den Gazastreifen für Journalisten wieder öffnen würde. Seit Beginn der Militäroffensive hatten die ausländischen Reporter in Israel darauf gewartet, die Grenze passieren zu dürfen, um mit eigenen Augen das zu sehen, worüber sie drei Wochen lang täglich berichten mussten. Doch schließlich beugte sich die israelische Regierung dem Druck der internationalen Presse und der Entscheidung des Obersten Gerichts des Landes und ließ ausländische Journalisten – eine knappe Woche nach Beendigung der Kämpfe - wieder ohne Einschränkung nach Gaza. Und so konnte ich zum ersten Mal seit einem Jahr wieder in den kleinen elenden Landstrich einreisen, an den ich mein Herz gehängt habe.
Raed holte mich am Grenzübergang Erez ab. Raed, der Taxifahrer, Bodyguard und lokaler Mitarbeiter für ausländische Journalisten, ist über die vielen Jahre, in denen ich mit ihm gearbeitet habe, auch zu einem Freund geworden.
Er versuchte ein kleines Lächeln, das ihm jedoch nicht so richtig gelingen wollte. Wir stiegen in den klapprigen Mitsubishi, den er sich geliehen hatte, denn sein stolzes gelbes Taxi gibt es nicht mehr. Es lag plattgewalzt neben den Trümmern seines Hauses.

Während der Dauer der israelischen Offensive hatte ich keinen Kontakt zu Raed. Über gemeinsame Freunde erfuhr ich, dass er lebt, und dass er sich mit seiner Familie in Sicherheit bringen konnte.
Erst am Tag nach dem Beginn des Waffenstillstands konnten wir wieder telefonisch miteinander sprechen. Als ich ihn erreichte, stand er gerade auf den Trümmern seines Hauses in Jebalya. Er war fassungslos. „Mein Haus ist weg“, sagte er. „Es ist weg, einfach weg. Es ist nichts mehr da.“ Und verzweifelt fügte er hinzu: „Kannst Du uns helfen? Bitte, kannst Du uns ein Zelt schicken?“
Raeds Haus war zerstört, das Haus seiner Eltern und seines Bruders auch. Sein Taxi war von einem israelischen Panzer zermalmt worden. Das alles wusste ich schon aus unseren Telefongesprächen und von den Beschreibungen meiner Kollegen, die vor mir in Jebalya waren und Raed und seine Familie besucht hatten. Trotzdem war ich auf den Anblick, der sich mir bot, als wir in das Viertel Abed Rabbo in Jebalya fuhren, nicht vorbereitet. Es sah wie nach einem Erdbeben aus. Links und rechts der Staubpiste, die einmal eine Straße gewesen war, gab es nur noch Ruinen. Überall liefen Menschen herum, ziellos, wie in Trance. Manche suchten in den Trümmern ihrer Häuser nach noch verwertbaren Gegenständen, andere schichteten die wenigen unbeschädigten Steine auf, die man wieder verwenden können würde. In den Ruinen hatten die Obdachlosen sich notdürftig Hütten gebaut, in denen sie Schutz suchten vor der nächtlichen Kälte. Gott sei Dank ist dieser Winter trocken.
Auch Raed hat zusammen mit seinen Brüdern eine kleine Hütte gebaut.
Dort, auf den Ruinen seines Hauses, erzählte er mir seine Geschichte. „Am Tag, an dem der Krieg ausbrach, arbeitete ich für das australische Fernsehen. Ich war früh aufgebrochen und hatte einen Kameramann abgeholt, um zu drehen. Am Abend kehrte ich nach Hause zurück. Überall um mich herum schlugen die Raketen ein, es war kein Mensch mehr auf den Straßen. Drei Tage verbrachten wir in unserem Haus, meine Frau, unsere sieben Kinder und ich. Wir hatten weder Strom, noch fliessend Wasser. Nach drei Tagen war auch das Wasser in den Flaschen aufgebraucht. Wir wussten nicht mehr, was wir tun sollten. Da kam meine Mutter und rief uns zu sich. Wir liefen schnell hinüber in das Haus meiner Eltern.“
Raed zeigte auf das Trümmerfeld nebenan. Dort stand früher das zweistöckige Haus seines Vaters.
Im Februar 2007, wenige Monate nach einem fatalen israelischen Raketenangriff, bei dem 18 von Raeds Angehörigen getötet worden waren, war die Familie vom benachbarten Beit Hanoun hierher gezogen. Raeds Vater Majdi baute ein neues Haus und auch Raed und seine Brüder investierten ihre Ersparnisse, um eine Heimat zu finden und ein neues Leben zu beginnen. „Es war so schön hier, in unserem Viertel“, erzählte Raed. „Wir hatten Bäume und Blumen und eine schöne Straße. Wirklich, es war schön bei uns.“
Trostlos stapfte er nun durch die Trümmer seines Hauses. Hier war nichts mehr zu retten. Zerbröselnder Beton unter unseren Füßen, dazwischen verbogene Eisenstangen, Kleiderfetzen und Reste von Munition. Raed zog ein zerfetztes rosa Kleidchen zwischen den Betonbrocken hervor. „Schau mal“, sagte er. „Das hatte ich für meine kleine Tochter gekauft. Sie trug es so gern.“ Ein bisschen weiter weg ragte ein zerbeultes weißes Blech aus den Trümmern hervor. „Das war unsere Waschmaschine. Es war ein gutes Gerät, mit Trockner. Wo soll ich nun eine neue Waschmaschine herbekommen?“ Und schließlich fand er sogar das schwarze Plastikmäppchen, in dem seine Autopapiere waren. Es war leer und zerrissen, aber er drückte es an sich wie einen Schatz.
„Elf Tage hielten wir hier die Offensive aus, erst in meinem Haus, dann im Haus meiner Eltern“, fuhr Raed fort. „Wir trauten uns kaum, aufzustehen, denn uns gegenüber hatte sich eine israelische Einheit verschanzt. Sie hatte einen Scharfschützen auf dem Dach platziert, der uns unter Beschuss nahm. Elf Tage lagen wir auf dem Boden, es war die längste Zeit meines Lebens, es war wie elftausend Tage. Nein, es waren elftausend Jahre. Elftausend Jahre Angst.“
Doch irgendwann ging es nicht mehr. Als die Truppen begannen, das Haus mit Granatfeuer zu belegen, beschloss die Familie zu fliehen.
„Wir liefen mit einer weissen Fahne und mit erhobenen Händen hinaus. Wir hatten nicht einmal Zeit, Schuhe anzuziehen oder irgendetwas einzupacken.“ Nur die Männer hatten ihre Ausweise dabei, die sie nun in die Höhe hielten.
Die Familie floh in eine UN-Schule. Dort verbrachte sie die Zeit bis zum Ende des Krieges. Es waren weitere traumatische Tage unter Bomben und Raketenbeschuss, ohne Privatsphäre und ohne echten Schutz. Denn auch die Schulen der UNRWA blieben nicht von israelischen Angriffen verschont.

Als die Kämpfe vorüber waren, kehrte Raed in sein Viertel Abed Rabbo in Jebalya zurück. Doch er erkannte es nicht mehr wieder. Wo sich vorher die Häuser aneinander gereiht hatten, erstreckte sich jetzt ein endloses Trümmerfeld.
Und nun? Nun wohnen die Frauen und Kinder der Großfamilie verstreut bei den Verwandten, die es nicht so schlimm getroffen hat. Die Männer halten Wache auf dem Grundstück und warten. Worauf? Dass sie ihre Häuser wieder aufbauen können. Doch dafür brauchen sie Baumaterial, Zement, Stahl und Sand. Und das kommt nicht. Israel und Ägypten halten die Grenzen geschlossen. Nur humanitäre Nothilfe wird – in beschränktem Umfang - in das Gefängnis Gazastreifen eingelassen.
Ich aber musste dieses Gefängnis wieder verlassen. Als ich den Grenzübergang Erez zurück nach Israel passierte, fragte ich mich, wann ich wohl das nächste Mal nach Gaza kommen würde. Vielleicht sollte dies ja das letzte Mal gewesen sein. Denn anders als in jedem Hochsicherheitsgefängnis dieser Welt gibt es für Gaza keine geregelten Besuchszeiten.

Bettina Marx

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Gaza mit eigenen Augen

Mittwoch, 11. Februar 2009 12:37

Jemand muss doch unsere Geschichte erzählen

Aufzeichnungen aus dem Gazastreifen
Von Esther Saoub

Quelle: SWR.de

Operation “Gegossenes Blei”. Knapp vier Wochen hält die israelische Militäroffensive gegen den Gazastreifen an. In dieser Zeit ist das Kriegsgebiet für Journalisten gesperrt. Sie können die Kampfhandlungen nur von Ferne beobachten. Als Ägypten am 18. Januar den Grenzübergang Rafah für Ärzte und Journalisten öffnet, gehört ARD Korrespondentin Esther Saoub zu den ersten, die in den Gazastreifen einreisen. In ihren Aufzeichnungen erzählt sie von der Begegnung mit Menschen, die vom Krieg erschöpft sind, von ihren Arbeitsbedingungen vor Ort und davon, dass es Momente gibt, in denen auch eine eloquente Journalistin nur noch stumm zuhören kann.

(Sendung vom 10.2.2009)

Direktlinks:
Manuskript auf SWR.de
Audiodatei mp3 (Real Audio)

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Esther Saoub

Was Neues mit den Türken?

Dienstag, 10. Februar 2009 15:29

Der «Ehrenmord-Tatort» war durchaus wert, gesehen zu werden. Eigentlich war er wie alle «Tatorte»: Angenehm anspruchsvoll und spannend und bis zum Schluss blieb unklar, wer eigentlich der Mörder war, und als es endlich rauskam, war es überraschend und logisch zugleich.

Etwas war jedoch ganz anders als in den meisten Krimis: Es ging um Türken und ihre Familienehre. Der «Tatort» hat sich schon mehrmals mit der Thematisierung von Migranten und ihren Problemen in die Nesseln gesetzt. Auch diesmal wird es bald Proteste hageln.

Dabei haben sich die beiden Autorinnen um Differenziertheit bemüht. Es geht nicht um einen «normalen Ehrenmord» in einer «typischen türkischen Familie». Im Gegenteil: Die vorkommende türkische Familie ist wohlhabend und geschäftstüchtig. Das lässt darauf schliessen, dass man inzwischen in Deutschland gemerkt hat, dass es «die Türken» gar nicht gibt, sondern es sich um unterschiedliche Personen handelt, die in voneinander getrennten Schichten leben. Eines der Opfer ist eine türkische Anwältin, noch dazu eine Lesbe. Wie bitte, das sei übertrieben und provozierend? Naja, wie man’s nimmt. Kürzlich hat «Arte» einen Dokumentarfilm über muslimische Homosexuelle gesendet, und ein Pärchen waren türkische Lesbierinnen. Das gibt es also - wie auf der ganzen Welt halt.

Auch das andere Opfer war besonders, und gleichzeitig in Deutschland vermutlich längst Alltag: eine hübsche junge unverschleierte türkische Ärztin. Sie und ihre Landsleute sprachen übrigens hervorragend Deutsch.

Die beiden Kommissare, eine Frau und ein Mann, bemühten sich, abseits aller Vorurteile zu untersuchen. Doch trotz der Spannung, des objektiven Einsatzes der Polizisten und der Vielfalt der Protagonisten gab es auch Klischees. Und zwar auf türkischer Seite. Das verwunderte mich. Ich kenne die Türken in Deutschland allerdings kaum und kann deshalb nicht beurteilen, ob sie tatsächlich so konservativ-traditionell wie in «Familiendarstellung» argumentieren: «Wir haben halt Werte», «Bei uns zählt die Familie noch» etc. Und wenn das so ist, hat sich dann Seyran Ates (eine der Autorinnen) bemüht, möglichst ehrlich und letzlich ehrlicher als die deutsche Schreiberin zu sein?

Mir fiel auf, dass auf türkischer Seite Dinge vorkamen, die den Vorstellungen, die Deutsche von Türken haben, entsprechen. So mokierte man sich in der türkischen Familie mehrmals über die Türkischkenntnisse des Kommissars. Und ärgerte sich darüber, dass die Polizisten ganz konventionell einen Bruder der einen Toten als Mörder verdächtigten. Weiter wurde der nicht mehr jungfräulichen Braut das Hymen geflickt…

Vielleicht sind das gar keine Vorurteile und die Darstellung entspricht der Realität. In Ägypten ist die Reparatur des Jungfernhäutchens jedenfalls gang und gäbe. Der «Brauch» ist dermassen üblich, dass sich der Grossmufti bemüssigt fühlte, die Operation abzusegnen. Ein beratender Scheich, den ich zu der (Un-)sitte befragte, meinte: «Unsere Gesellschaft ist nicht reif, die Wahrheit, nämlich dass die meisten Mädchen heute nicht mehr Jungfrau sind, zu ertragen.» Und zum Schutz der jungen Frauen sei es deshalb besser, den Eingriff beim Arzt zu erlauben…

Es könnte sein, dass die ägyptische Gesellschaft und die türkische (egal ob in Deutschland oder in der Türkei) an der gleichen Krankheit leiden. Nämlich, dass sie Veränderungen und Modernisierungen nicht ertragen können und sich krampfhaft an die Traditionen klammern, die ihnen Sicherheit und die Verwirklichung eines einfachen Traums vom Glück zu versprechen scheinen.

Die beiden Mordopfer in dem «Tatort», nämlich die fortschrittliche Ärztin und die Anwältin, machten überdeutlich, dass die Moderne unter den Türken längst eingezogen ist. Und dass sich Hinterwäldler endlich damit auseinandersetzen müssen! In diesem «Tatort» war die Mörderin eine Frau, die sich ebenso wie manche Männer an die alte, scheinbar heile Welt klammerte. Das gibt es auch, und längst nicht immer sind Männer an der Starrheit verschiedener Gesellschaften schuld. So haben in Afrika Frauen die Genitalverstümmelung junger Mädchen fest in der Hand.

Es ist immer ein Trugschluss, wenn eine oder einer glaubt, sie oder er könnten die Vergangenheit mit Gewalt festhalten. Und so war es nur folgerichtig, als die Kommissarin die Mörderin fragte: «Mädchen, in was hast du dich da verrannt?»

Kristina Bergmann

Thema: Kristinas Kolumne | Comments Off | Autor: Kristina Bergmann

أحاسيس متغيرة

Montag, 9. Februar 2009 18:35

موقف الرأي العام الألماني من الحرب على غزة

لأسباب تاريخية، تعلن ألمانيا، منذ الخمسينات، عن تضامنها مع إسرائيل. وينطبق الأمر ذاته على الرأي العام الألماني؛ فهو أيضاً دأب على أن يتخذ موقفاً مؤازراً لإسرائيل مؤازرة أكيدة. بيد أن ثمة مؤشرات تشير إلى أن الميل لمناصرة إسرائيل والتضامن معها قد طرأ عليهما تحول منذ بضعة سنوات. تسعى هذه المقالة إلى تحليل الظروف التي أحاطت بنشأة المواقف التي اتخذتها وسائل الإعلام عند عرضها للصراع الفلسطيني-الإسرائيلي والتحولات التي طرأت على هذه المواقف. وسنستشهد، في كل هذا، بالحرب الأخيرة على غزة.

وغني عن البيان أن التصريح الذي أعربت عنه المستشارة الألمانية أنجيلا ميركل قد كان شديد اللهجة من حيث انحيازه لإسرائيل: فبحسب وجهة نظرها، فإن مسئولية اندلاع الحرب تقع على عاتق حماس فقط. وبتقييمها هذا لأسباب اندلاع الحرب، غضت المستشارة الألمانية طرفها عن الحصار الذي فرضته إسرائيل على غزة على مدى سنوات عديدة، وتجاهلت، تجاهلاً تاماً، تاريخ الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني.

وكان هذا التقييم قد أخذ المراقبين السياسيين على حين غرة وذلك لسببين: أولاً لأنه تصريح تنقصه الروح الدبلوماسية؛ وثانياً، لأنه تضمن موقفاً لا يعكس الآراء المختلفة التي يتبناها الرأي العام الألماني حيال هذا الصراع.

ومهما كانت الحال، لا يفوتني هنا أن أنبه، بادئ ذي بدء، إلى أن حديثي التالي عن اتجاهات الرأي العام الألماني لا يمكن توثيقه من خلال البيانات الإحصائية ولا من خلال الدراسة العلمية المعمقة لوسائل الإعلام أو لاستطلاعات الرأي العام. فالزمن لا يزال مبكراً لتوثيق هذه الاتجاهات بالبيانات الإحصائية أو بالدراسة العلمية الموثقة أو باستطلاعات دقيقة للرأي العام؛ أضف إلى هذا وذاك، أني لست باحثاً متخصصاً بمسائل وسائل الإعلام. من ناحية أخرى، لا مراء في أن حتى أدق البيانات الإحصائيات لن تقدم شيئاً ذا بال لهدفنا، الرامي إلى تقييم حديث وسائل الإعلام عن هذه الحرب. وللإحاطة بهذه الحقيقة نود أن نسوق المثال التالي:

فمع أن الكثير من الحقائق تشير بوضوح إلى أن أغلبية الرأي العام الغربي، والرأي العام الألماني على وجه الخصوص، تتخذ، موقفاً مؤازراً لإسرائيل، تزعم إسرائيل ومعها أصدقاؤها أن غالبية وسائل الإعلام تنتهج مواقف مناهضة لإسرائيل وأنها لا أمل لها في أن تخرج منتصرة من حلبة المنافسة على خطب ود جمهور المواطنين في الغرب.[1] والعكس بالعكس بالنسبة للطرف الآخر: فحتى وإن كان بمقدرنا أن نتخذ – في وسائل الإعلام الغربية - موقفاً يميل إلى نصرة الفلسطينيين، فإن من المتوقع جداً أن يظل الفلسطينيون والعرب غير راضين عن أسلوبنا في عرض الصراع الفلسطيني-الإسرائيلي.

استياء يخيم على طرفي النزاع

إن كل طرف من طرفي النزاع يتهم وسائل الإعلام، في الدول غير المعنية بالصراع بنحو مباشر، بأنها تشوه صورة الحقيقة. وتفسير السبب الذي تستند عليه هذه التهمة يسير: فسببها يكمن في أن لا أحد، من طرفي النزاع، يعثر في وسائل الإعلام الغربية، على عرض يتطابق كلية مع تصوراته لحيثيات الصراع، يكمن في أنه ليس ثمة طرف واحد يشعر بأن قضيته تُعرض بنحو مناسب. وفي الواقع، فإن هذا أمر لا غرو منه، فنحن، في أوربا وفي ألمانيا على وجه الخصوص، لدينا، طبعاً، وجهة نظر خاصة بنا بخصوص حيثيات هذا الصراع. وهكذا، ما انفك كل واحد من طرفي النزاع يسيطر عليه إحساس بأن وسائل الإعلام في الدول الغربية لا تنظر للصراع نظرة تتسم بالعدالة والإنصاف.

في السطور التالية، سأحاول التوصل إلى تقييم يترك جانباً تهمة التحيز لطرف واحد ويتجاهلها. فنحن لا نشط كثيراً إذا قلنا بأننا هاهنا حيال تهمة واهية، باطلة؛ ففي هذا الصراع يتهم كلا طرفي النزاع وسائل الإعلام بالتحيز لطرف دون الآخر. وإذا كنا نعترف، بلا تردد، بأن المستشارة الألمانية قد تحيزت، فعلاً، لطرف دون الآخر، إلا أن الأمر البين أيضاً هو أن اتهام وسائل الإعلام بالتحيز لطرف دون الآخر إنما هو اتهام يجافي الحقيقة حقاً وحقيقة.

وإذا كنا نريد الإحاطة علماً بموقف الرأي العام في ألمانيا، فإنه يستحسن بنا، والحالة هذه، أن نركز نظرنا على موقف وسائل الإعلام القريبة من السلطة الحكومية، من ناحية، والمسيطرة على الميدان الإعلامي من ناحية أخرى؛ فموقفها من الصراع، الذي نحن في صدى الحديث عنه، هو المعيار ذو الأهمية هاهنا. وأدرج في عداد هذا النوع من وسائل الإعلام كلاً من الإذاعات المرئية والمسموعة الممولة من قبل الدولة ومن قبل المشاهدين والمستمعين، وكذلك الصحف اليومية وشركات الإعلام الكبيرة (المستقلة وغير الخاضعة لسلطان الحكومة)، وما تقدم هذه الصحف والشركات من برامج إعلامية تبثها على شبكة الإنترنت، أعني على سبيل المثال، وليس الحصر، مجلة “دير شبيغل” (Der Spiegel) الأسبوعية و”شبيغل أون لاين” (Spiegel-Online). حقاً يزيد عدد مشاهدي الإذاعات المرئية التابعة إلى القطاع الخاص على عدد مشاهدي الإذاعات المرئية الممولة من الدولة ومن المشاهدين، إلا أن من حقائق الأمور أيضاً أن هذه الإذاعات لا تحظى بأهمية ذات بال من حيث ما تقدم من تقارير سياسية وأنها، بالتالي، تتبع الاتجاه العام الذي يراه المشاهدون في الإذاعة المرئية التابعة إلى الدولة (وبحسب وجهة نظري، ينطبق الأمر ذاته على الجرائد التي تعتمد الإثارة).

ولو أمعنى النظر في الأسلوب الذي جرى فيه عرض الحرب على غزة في وسائل الإعلام ذات الصلة بالدولة وذات الأهمية من حيث سيطرتها على الساحة الإعلامية، نعم لو أمعنى النظر فيما عرضته وسائل الإعلام هذه خلال الفترة الواقعة بين نهاية أيلول/سبتمبر من عام 2008 ونهاية كانون ثاني/يناير من عام 2009، فإن من حقنا، فعلاً، أن نقول: لقد تناقلت وسائل الإعلام أخبار هذه الحرب وتداعياتها بنحو مكثف حقاً وحقيقة! فهذا الموضوع شغل، على مدى شهر كامل تقريباً، حيزاً كبيراً في الأخبار والتقارير التي بثتها كافة وسائل الإعلام؛ وتأسيساً على هذه الحقيقة، ما كان بوسع أي شخص أن يصم أذنيه ويغمض عينيه عن أخبار هذه الحرب؛ نعم لم يبق أحد يجهل عدد قتلى الطرفين، ولم يبق أحد لا علم له بأن الحقائق والوقائع تُفسر بنحو مختلف وأن الآراء بشأن هذه الحقائق والوقائع تتباين تبايناً عظيماً. وهكذا، فلو تخيلنا وجود مراقب ما كان لديه علم مسبق بهذا الصراع وافترضنا أن هذا المراقب قد تابع الآن ما تنقله نشرات الأخبار والتقارير المقدمة من كافة الصحف والإذاعات المرئية والمسموعة بشأن هذا الصراع، فليس ثمة شك في أن هذا المراقب سيكون حائراً، مبلبل الأفكار، في نهاية المطاف، وأن الأمور ستختلط عليه إلى حد بعيد، فيظل حائراً مشتتاً، حائراً، بشأن الموقف الذي يتعين عليه اتخاذه حيال هذا الصراع.

أحكام مُتخذة سلفاً

إلا أن واقع الحال يشهد على أن غالبية الناس لديهم أحكام مسبقة. وتأسيساً على هذه الحقيقة، فإن من الأهمية بمكان الإشارة هنا إلى صفتين يتميز بهما الألمان في اليوم الحاضر، أعني الصفتين اللتين تلعبان دوراً عظيم الأهمية في تقييمهم للصراع الفلسطيني-الإسرائيلي. فمن ناحية، هناك الشعور العميق بالذنب التاريخي مما اقترفه الألمان بحق اليهود؛ وغني عن البيان أن الشعور بهذا الذنب ينعكس لصالح إسرائيل عندما يحدد الألمان موقفهم من الصراع الذي نحن في صدى الحديث عنه. إلا أن علينا أن نأخذ بالاعتبار أن هذا الشعور بالذنب قد أخذ، مع مرور السنين، يضعف ويتلاشى. ويلحظ المرء، بنحو بين وجلي، تلاشي الشعور بالذنب عند جيل الشباب على وجه الخصوص. بيد أن هذا الجيل لم يتحمل بعدُ مسئولية توجيه وسائل الإعلام واتخاذ القرارات السياسية.

وترتبط الصفة الثانية، التي أود الإشارة إليها هاهنا، بالحرب العالمية الثانية أيضاً: إنها الصفة التي تنعكس في جنوح الألمان إلى مناهضة كافة أنواع الحروب وإيمانهم بمذهب المسالمة (Pazifismus). فبالنسبة لأغلبية الألمان، فإن الحرب واستخدام القوة وسائل مستهجنة لا طائل فيها في حل النزاعات. وعلى خلفية مذهب المسالمة هذا، رفض الألمان المشاركة في الحرب على العراق. وانطلاقاً من الحرب على غزة، لا مجال للشك في أن مذهب المسالمة ليس في صالح إسرائيل: فاستخدام الأسلحة العسكرية، بلا رحمة ومن غير مراعاة للنتائج التي تتمخض عنها، يزري بسمعة إسرائيل في ألمانيا.

وثمة نقطتان لا مندوحة لنا من أن نأخذهما بالاعتبار عندما نريد تقييم موقف الرأي العام الألماني من الحرب التي دارت رحاها في غزة. فالملاحظ هو أن الكثير من مواطني الدول الغربية يعتقدون بأن العوامل التي تربطهم بإسرائيل أمتن بكثير من العوامل التي تربطهم بالعرب. ويقوم هذا الاعتقاد على أسباب عديدة يسيرة الفهم: فإسرائيل تبدو، بالنسبة للمراقب الذي ينظر إليها من الخارج، دولة غربية، أو أوربية. فالكثير من الإسرائيليين من أصول أوربية؛ أضف إلى هذا أن إسرائيل تشكل جزءاً من التراث التاريخي والديني المحفور في وجدان العالم الغربي (أي أنها جزء من ذلك التراث الذي لا يعثر عليه المرء بيسر عند الحديث عن عوامل التشابك مع المشرق العربي). على صعيد آخر، فإن كل طفل في الغرب يعرف اسم إسرائيل من خلال مطالعته للكتاب المقدس.

ومنذ الحادي عش من أيلول/سبتمبر من عام 2001 على وجه الخصوص، يتزامن هذا المزاج المناصر لإسرائيل في ألمانيا والعالم الغربي في المنظور العام، مع وجل من العرب والمسلمين عامة. إن التضامن “المستشعر” (”gefühlte” Nähe) مع إسرائيل يقابله تحفظ “مستشعر” (”gefühlte” Distanz) حيال العرب والمسلمين. وبقدر تعلق الأمر بالحرب على غزة، يتجلى هذا الوجل من خلال التصورات التي ينطلق منها المرء عند تقييمه لحماس على وجه الخصوص. ففي كافة تعليقات وتقارير وسائل الإعلام المسيطرة على الرأي العام سادت نبرة أساسية يستشف المرء منها أن حماس تنظيم شرير لا خير يرتجى منه. وتتجلى هذه النبرة، على وجه الخصوص، من خلال النعوت التي يصف بها المرء حماس بنحو مستمر، نعوت صارت تبدو كما لو كانت حقاً لا ريب فيه. فاسم حماس يكاد ألا يُذكر إلا ومعه نعوت من قبيل “حماس، المنظمة الإسلامية المتطرفة” أو “حماس، المنظمة التي تريد تحقيق أهدافها بقوة السلاح” أو “إرهابيو حماس”. وهكذا، تقارن أكثرية التعليقات حماس بالطالبان وبتنظيم القاعدة.[2]

إن نجاح الدبلوماسية الإسرائيلية بإقناع الإتحاد الأوربي بضرورة إدراج حماس في قائمة المنظمات الإرهابية، كان فوزاً كبيراً يُسجل لصالح أساليب الدعاية الإسرائيلية. فبفضل هذا النجاح، ما عاد اسم حماس يُذكر إلا ومعه النعوت التي أشرنا إليها آنفاً.[3] بيد أن استجابة الاتحاد الأوربي لمطالب الدبلوماسية الإسرائيلية أدى، في نهاية المطاف، إلى إضفاء الشلل على الدبلوماسية الأوربية، فهذه الدبلوماسية لم يعد مسموحاً لها التفاوض مع حماس، فأنَّى لها ذلك إذا كانت حماس مدرجة في قائمة المنظمات الإرهابية؟

وثمة خاصية أخرى تهيمن على سائل الإعلام الغربية وتعمل عملها، أيضاً، وبلا قصد منها، في تحسين صورة إسرائيل: فوسائل الإعلام لدينا تحجم عن عرض جثث القتلى وصور الضحايا والمصابين؛ تحجم عن هذا لأسباب لها علاقة بحرمة القتلى والضحايا. من هنا، فحينما يزيد عدد القتلى الفلسطينيين على 1400 شخص ولا يتجاوز عدد القتلى الإسرائيليين 13 فرداً، فلا ريب في أن الطرف الأقوى هو الذي ينتفع من التقيد بصيانة حرمة الضحايا: حقاً يسدل المرء الستار على ضحايا الطرفين المتصارعين، بيد أن هذا الصنيع يؤدي، طبعاً، إلى تجاهل حقيقة أن القتيل الواحد عند هذا الطرف قابله مائة قتيل عند الطرف الآخر.

شرط رديء، تطور إيجابي

ويمكننا القول، باختصار، إن الشروط الضرورية لاتخاذ موقف مناصر للفلسطينيين، أو لاتخاذ موقف، متوازن على أدنى تقدير، في الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني، غير مواتية، أصلاً، في ألمانيا. وتأسيساً على هذه المعطيات، يبدو ليَّ أن عرض وسائل الإعلام الألمانية لوقائع وتداعيات الحرب على غزة قد انطوى على تطور إيجابي بالنسبة للقضية الفلسطينية. فمنذ اهتمامي الشخصي بهذا الصراع، أي منذ حوالي عشرين عاماً، لم اسمع، إلا ما ندر، تنديداً بإسرائيل يضاهي، من حيث شدته وكثرة الأصوات المعربة عنه، التنديد الذي سمعته في الأسابيع الثلاثة التي دارت فيها الحرب على غزة.

وأود أن أسوق هاهنا مثالين، الأول منهما مستقى من الأيام التي بدأت فيها الحرب، والثاني منهما يعود إلى الأيام التالية على توقف الحرب. وكلا المثالين مأخوذان من البرنامج الأول من الإذاعة المرئية الألمانية، أي مأخوذان من قناة هي أقدم القنوات الألمانية قاطبة وأحد أهم القنوات التلفزيونية شبه الحكومية في ألمانيا. ففي يوم من أول أيام الحرب، وبعدما أعلنت أنجيلا ميركل عن تصريحها المذكور آنفاً، أي تصريحها الذي أعرب فيه عن موقفها المتحيز لإسرائيل، استدعت هذه القناة التلفزيونية الخبير في الشؤون الإسلامية أودو شتاينباخ (Udo Steinbach) وكلفته بأن يقدم تعليقاً على هذا التصريح. وغني عن البيان أن أودو شتاينباخ يتخذ موقفاً ثابتاً من حيث مناصرته للقضية الفلسطينية. وهكذا، راح شتاينباخ ينتقد الحكومة الألمانية ويدافع عن حماس ويدين الهجوم الإسرائيلي. لقد استمع الألمان المنصتون إلى النشرة الإخبارية الرئيسية، أي النشرة الإخبارية التي تُقَدَم في أفضل ساعات البث التلفزيوني، إلى أول صوت يتخذ موقفاً مناصراً للفلسطينيين بلا لف ودوران في الصراع الدائر بين الفلسطينيين وإسرائيل.[4]

إلا أن القناة الألمانية الأولى كانت ستخرج عن عادتها، فيما لو كانت قد تركت وجهة النظر، التي أعرب عنها خبير الشؤون الإسلامية في سياق تعليقه المناصر للقضية الفلسطينية، بلا صوت يرد عليها. فبعد استطلاع رأي شتاينباخ مباشرة ظهر على الشاشة محرر من محرري القناة ليقدم تعليقاً يساند إسرائيل مساندة تامة. وهكذا كان بمستطاع المشاهدين أن يقرروا لأنفسهم ما إذا كان من حقهم أن يصدقوا ما يقوله لهم شتايناباخ أو أن يأخذوا بوجهة النظر “الرسمية” التي تقدمها لهم القناة التلفزيونية الممولة من قبل الدولة، أي وجهة النظر التي أعرب عنها المحرر المكلف بتقديم التعليق. ولا ريب في أن المشاهد، الذي لم تكن لديه فكرة واضحة حول الصراع، قد ظل في حيرة وارتباك حيال وجهات النظر المتناقضة.

وبعد فترة قصيرة من انتهاء العمليات الحربية، كان بوسع المرء أن يلحظ الظاهرة عينها في برنامج تلفزيوني معروف بمحاوراته السياسية العنيفة (Polit-Talkshow)، أعني برنامج “Hart aber Fair” (”صارم ولكن منصف”). فانطلاقاً من عنوان مفاده: “حطام دموي في غزة – إلى أي مدى علينا أن نساند إسرائيل ونتضامن معها” راح المدعون يناقشون الحرب على غزة.[5] وكان الأمر الملفت للنظر هو أن ثلاثة من الخمسة أشخاص المدعوين للمناقشة قد اتخذوا موقفاً مناصراً لوجهة النظر الفلسطينية. إلا أن هذه الحقيقة لا تجيز لنا القول بأن النقاش قد انتهى بإدانة الهجوم الإسرائيلي. إن واقع الحال يشهد على أن الحيرة قد نشرت ظلالها هنا أيضاً، أي أنها ظلت على ما كانت عليه في بداية الحرب على غزة: فكل واحد كان يقاطع الآخر وكل طرف كان يصرخ في وجه الطرف الآخر. في ختام الندوة التلفزيونية المعنية ما كان للمشاهدين غير الشعور بأن وجهة نظرهم المتخذة مسبقاً هي الصواب بعينه؛ فمن خلال النقاش المنفعل ما كان بمستطاع المشاهد أن يضيف شيئاً جديداً إلى معلوماته.

حيرة في كل مكان

إن الحيرة التي لمسناها في هذه البرامج التلفزيونية تعكس، عموماً، الحيرة الناشرة ظلالها على الماسكين بزمام وسائل الإعلام. فعلى ما يبدو، فإن المسئولين عن إدارة دفة وسائل الإعلام ما عادوا، هم أنفسهم، على بينة من الصورة التي يريدون إيصالها إلى الجمهور العام، باعتبار أنها هي الصورة الصحيحة. وتوحي هذه الحيرة بأن مشاعر التعاطف السائدة في وسائل الإعلام وبين الجمهور لم تعد، في ألمانيا ككل، مع إسرائيل بنحو سافر وأكيد.

وتؤدي هذه الحيرة إلى تخلي الجمهور عن إعطاء حكم واضح. بيد أن عدم وجود حكم قاطع، عدم وجود تغير ملحوظ في الرأي العام، يصب، في نهاية المطاف، في مساندة الوضع القائم فقط، يصب في مساندة السياسية السائدة والوضع القائم فقط. وغني عن البيان أن إسرائيل هي المستفيدة من هذه المساندة، وذلك لأنها هي الطرف الأقوى بحسب كافة المقاييس.[6] وهكذا، فإن بقاء كافة الأمور على حالها برغم كافة النقاشات والمجادلات، يعني أن إسرائيل قد ظلت تحافظ على تفوقها وأن السياسة الألمانية والأوربية (ومعها المستشارة الألمانية) ليست بحاجة إلى تغيير موقفها.

ولكي نفلح في تقييم النتيجة المترتبة على هذه الحيرة، لا مندوحة لنا من أن نأخذ بالاعتبار موضوعاً آخر: إن الكثير من المواطنين الألمان يعتقدون فعلاً أن الحرب على غزة قد كانت حرباً وحشية، أنها كانت حرباً قد أفرطت في استخدام القوة بنحو بين، وأنها، بالتالي، كانت خطأ فادحاً. إلا أن توجيه الانتقاد إلى إسرائيل لا يعني بالضرورة أن المرء صار يكن تعاطفاً أكيداً للفلسطينيين. ويكمن تفسير هذه الحقيقة فيما كنا قد أشرنا إليه آنفاً: الصورة السلبية التي يرسمها المرء للإسلام والعرب بنحو عام. وعلى الصعيد نفسه، فبما أن أكثرية المواطنين والسياسيين الأوربيين يعتبرون حماس منظمة إرهابية، لذا زاد تولي حماس الحكم في غزة من صعوبة التعاطف مع الفلسطينيين.

من هنا، فإني أعتقد بأن النقد الموجه إلى إسرائيل والشفقة على الفلسطينيين أمران لا تقف خلفهما دوافع سياسية، بل دوافع إنسانية. ومع أن الجمهور الألماني كثيراً ما يعلن عن شكواه من المصائب النازلة بالسكان المدنيين في غزة، إلا أن رثاء حال الفلسطينيين نادراً ما يرافقه تحليل سياسي للوضع القائم. ومعنى هذا هو أن الكثير من الألمان يتعاطفون مع الفلسطينيين كبشر، لكن القليل منهم يناصر القضية الفلسطينية. وغني عن البيان أن الفصل بين البشر وقضيتهم أمر ينطوي على تناقض، ينطوي على تجريد يبدو منطقياً، لنا فقط، نحن القاطنين في أواسط أوربا المستظلة بالأمن والسلام. فواقع الحال يشهد على أنه لا يمكن الفصل بين الفلسطينيين وقضيتهم.

ولكنا دعونا نتصور الآن أن الفلسطينيين، أو أن العرب جميعاً، قد أخذوا يطبقون سياسة إعلامية أكثر مهارة وأتقن براعة (في الحقل الصحفي على سبيل المثال). ودعونا نمضي قدماً في تصوراتنا ونفترض أنهم صاروا يتوافرون على سلك دبلوماسي أفضل وأنهم أمسوا، داخلياً، أقلل تطاحناً وانقساماً؛ ولنتوسع في تصوراتنا ونفترض أن الفلسطينيين، أو لنقل أن العرب ككل، قد انتهجوا إستراتيجية موحدة، واقعية، لتسوية الصراع؛ لو حدث هذا كله فعلاً، لا ريب في أن إسرائيل ستخرج مندحرة من حلبة المنافسة على كسب ود الرأي العام الألماني والأوربي طالما ظلت مصرة على تطبيق سياستها الراهنة؛ وعندئذ لن يدوم الأمر زمناً طويلاً حتى تخسر السياسية الإسرائيلية الدعم غير المشروط الذي تمن به عليها الحكومات الأوربية.

وبرغم كل ما تتمتع به إسرائيل من شروط أفضل، أعني الشروط التي أشرنا إليها أعلاه، يلاحظ المراقب، لما بثته وسائل الإعلام الألمانية بشأن الحرب على غزة، أن ثمة حراك في وسائل الإعلام. ومع أن الحيرة المذكورة آنفاً فد كانت في صالح إسرائيل في الوهلة الأولى، إلا أن هذه الحيرة يجب أن تُفسر كتقدم، كخطوة نحو الأمام: فقبل بضعة سنوات خلت، ما كانت هناك حيرة، فالمسئولون في وسائل الإعلام التابعة للدولة كانوا يعتقدون بأنهم على بينة من الموقف الذي ينبغي بهم اتخاذه في هذا الصراع: مساندة إسرائيل والوقوف إلى جانبها في كل الأحوال. إن هذا الزمن قد مضى وانتهى. من هنا، فإني واثق من أن الفلسطينيين والعرب سيحققون نفعاً أكيداً فيما لو بذلوا جهداً أكبر ونشاطاً أقوى من الجهد والنشاط اللذين يبذلونهما حالياً في المراهنة على كسب ود الرأي العام في أوربا: فإذا كانت القضية الفلسطينية قضية عادلة، فلا مراء في أن هناك الأمل القوي في أن يجري، إن عاجلاً أو آجلاً، النظر إلى الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني بالنحو الذي تقتضيه الحقائق وتدعمه الوقائع.

شتيفان فايدنر (Stefan Weidner)

ترجمة: عدنان عباس

يتولى شتيفان فايدنر رئاسة تحرير مجلة فكر وفن (Art & Thought). والنص أعلاه يرتكز على محاضرة ألقاها شتيفان فايدنر في الرابع عشر من شباط/فبراير من عام 2009 في رحاب معهد غوته في رام ألله.


[1] على ما يبدو، تستخلص إسرائيل من هذا التقييم أنه لا يجوز لها أن تكترث بالمواقف التي يتخذها الرأي العام، فبذلها الجهد للفوز بكسب ود الرأي العام يعني خوض معركة خاسرة، وبالتالي فإن على إسرائيل أن تفعل ما يطيب لها فعله. راجع بها الشأن صحيفة NZZ، عدد 19.1.08، الصفحة رقم 3.

[2] إن وصف حماس بنعوت من قبيل “المنظمة الإسلامية المتطرفة” صار يعني - عقب الحادي عشر من أيلول/سبتمبر، وعلى خلفية تصورات حكومة بوش – الحرمان من كل الحقوق المدنية: فالشخص الذي يُوصف بالمتطرف أو الإرهابي أمسى، بحسب مفهوم إدارة بوش والحكومة الإسرائيلية، شخصاً مهدور الدم، شخصاً يمكن تصفيته جسدياً واختطافه واعتقاله وتعذيبه. ووجهة النظر هذه ليست حبراً على ورق، بل هي إجراء جرى تطبيقه فعلاً. من هنا، وعلى خلفية وجهة النظر هذه، فإن المرء الذي يستخدم نعوتاً من قبيل “المنظمة الإسلامية المتطرفة” عند تسميته لحماس، إنما يتبنى، عن وعي أو بلا وعي، وجهة نظر إسرائيل وسياساتها. وتبقى هذه الحقيقة قائمة حتى وإن افترضنا جدلاً أن حماس تنظيم إسلامي متطرف؛ فالأمر الذي لا ريب فيه هو أن حقوق الإنسان تسري على المتطرف الإسلامي أيضاً؛ فحتى ذلك المرء الذي لا يحترم حقوق الإنسان، يتمتع بهذه الحقوق ولا يجوز اعتباره مهدور الدم بأي حال من الأحوال.

[3] وغني عن البيان أن بوسع كل كاتب أن يستغني عن هذه النعوت. فأنا شخصياً لم استخدم هذه النعوت أبداً في تعليقاتي على الصراع الفلسطيني-الإسرائيلي.

[6] ففي حرب يتكبد فيها أحد طرفي الصراع 13 قتيلاً والطرف الآخر 1400 قتيل، فإن معنى انقسام الرأي العام إلى قسمين متكافئين حيال هذا الصراع يعني لا محالة أن هذه الحرب قد كانت بالنسبة للطرف الفلسطيني كارثة تفوق بمائة مرة الكارثة التي حلت بالطرف الآخر. وبالتالي، فحينما يسيء الرأي العام التقدير لإسرائيل، فإن هذا يعني أنه أساء تقدير 13 قتيلاً. أما إذا أساء تقدير الطرف الفلسطيني، فإن هذا يعني أنه أساء تقدير 1400 قتيل.

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Stefan Weidner

Grenzerfahrungen

Freitag, 6. Februar 2009 16:27

Brief aus Kairo

Eben rief ein alter Bekannter an: Ahmed Mansur. Er klang müde und zerknirscht. Er habe aufgegeben, sagte er. Eine Woche Rafah, das sei genug. „Jeden Tag sahen wir Journalisten-Kollegen die Grenze nach Gaza passieren, nur mein Kollege Ghassan Ben Giddo und ich, wir durften nicht durch. Und dass, obwohl wir die gleichen Papiere hatten wie alle anderen“. Es frustrierte ihn besonders, dass er die Behörden nicht einmal dazu brachte, ihm eine offizielle Begründung für das Ausreiseverbot zu geben. Dabei ist Mansur doch für seine geschickten Fragen bekannt. In seiner Sendung „Ohne Grenzen“ grillt der Al-Dschasira-Moderator Woche für Woche die Mächtigen der Region, und so manchen entlockte er Dinge, die diese wohl lieber nicht gesagt hätten. Das Schweigen des Grenzoffiziers war insofern eine zusätzliche Niederlage.
Auch wenn Mansur die Antwort nicht gesagt bekam, so lag sie auf der Hand:
Das offizielle Ägypten ist sauer auf Al-Dschasira. Schließlich wies der Sender in den Tagen des Krieges von Gaza immer und immer wieder darauf hin, dass sich die ägyptische Regierung zu wenig für die Palästinenser einsetze, und dass sie mit der Schließung der Grenze zum Gazastreifen das Leiden der Menschen dort verstärke. Dass die Rolle Ägyptens von den Demonstranten in der ganzen Region so sehr kritisiert wurde, war sicherlich Al-Dschasiras Verdienst. Was andere Journalisten als albern belächelten, nämlich dass der Al-Dschasira-Korrespondent Ahmed Mansur auf dem Dach der EBU in Ägyptisch-Rafah in voller Kriegsmontur, inklusive Stahlhelm und Schutzweste, stand, fanden staatsnahe Kollegen gar nicht witzig. Er suggeriere den Zuschauern, dass auch Ägypten Kriegsgebiet sei, und das sei Meinungsmache, lautete die Kritik einer Journalistin der ägyptischen Tageszeitung Al-Ahram.
Die israelische Regierung reagierte noch allergischer auf Al-Dschasira. Sie hat jetzt einen neuen Boykott gegen den Sender und seine Reporter verhängt. Den Journalisten, die keinen israelischen Pass haben, soll das Visum nicht mehr verlängert werden, Al-Dschasira wird nicht mehr zu offiziellen Pressekonferenzen zugelassen, und nur noch einige ausgewählte Regierungssprecher stehen für Interviews zur Verfügung. Dem Sender wird schon länger vorgeworfen, einseitig für die Hamas Partei zu ergreifen. Ausserdem ist der Boykott eine Reaktion darauf, dass das israelische Handelsbüro in Qatar von dessen Regierung - die ja auch Al-Dschasira finanziert - geschlossen wurde.
Sicherlich war es den ägyptischen Beamten darüber hinaus eine besondere Freude, gerade Ahmed Mansur den Ausreisestempel zu verweigern. Er steht wie kaum ein anderer für die - sagen wir es höflich - engagierte Linie von Al-Dschasira. Er ist dafür bekannt, dass er mutig ist, und dass er eine Meinung hat. „Ich halte objektiven Journalismus für eine Illusion. Ich habe als Journalist die Pflicht, mich auf die Seite der Schwächeren zu stellen. Ich muss die Verbrechen benennen, sonst mache ich mich zum Mittäter“, sagte er vor einiger Zeit, als wir uns in Berlin trafen. Ahmed Mansur ist einer der „Gründe“, wieso Al-Dschasira seit Jahren kein Büro mehr in Bagdad hat.
Er berichtete als einziger ausländischer Journalist von den Kämpfen in Falludscha im Frühjahr 2004, und die Art zu berichteten ging auch vielen seiner größten Fans zu weit. „Auch Freunde sagten mir hinterher, dass sie verstehen könnten, dass ich sehr emotional auf das Schreckliche, was ich dort gesehen habe, reagierte, aber ich sei doch etwas weit gegangen“, räumt er selbst ein. Seine Live-Kommentare wurden von vielen Zuschauern als Aufrufe zum Dschihad verstanden. Kurz danach wurde das Al-Dschasira-Büro in Bagdad geschlossen. In der Folge wurden in Washington Pläne geschmiedet, den Sender in Qatar zu bombardieren. Ahmed Mansur ist zudem eine der „Ursachen“, dass dem Sender Nähe zur Muslimbruderschaft nachgesagt wird. Er steht mit seiner Parteinahme und seiner panarabisch-, populär-, islamisch-, regierungskritischen Linie für das, was derzeit wohl Mainstream des politischen Teils der sogenannten Arabischen Strasse ist. Mansur spiegelt die Stimmung wieder, die er selbst mitprägt.
Ein anderer Journalist hat sich Ahmed Mansurs Rafah-Erfahrung der vergangenen Woche erspart: Magdy Hussein, Chefredakteur der verbotenen ägyptischen Zeitung „Al-Shaab“ und Autor der nicht ganz seriösen Wochenzeitung „Sawt al-Umma“, hatte sich auf eigene Faust nach Gaza aufgemacht. „Er wusste, dass er keine Aus- und Einreisegenehmigung bekommen würde, deswegen hatte er sie gar nicht beantragt“, sagt Sawt al-Umma-Chef Abdel Halim Qandil. Ob Magdy Hussein tatsächlich durch einen der Schmugglertunnel gekrabbelt ist, wie ihm vorgeworfen wird, oder ob er eine Lücke im Grenzzaun fand, wie er selbst sagt, ist unklar. Sicher ist, dass er am Ende seiner Reise vergangene Woche am Grenzübergang Rafah eintraf und bei der Einreise nach Ägypten verhaftet wurde. Seit gestern steht er vor dem Militärgericht.
Es verwundert nicht, dass die ägyptische Regierung mit Ahmed Mansur und Magdy Hussein ein Hühnchen rupfen will. Auch Magdy Hussein steht für scharfe Kritik an der Regierung und populistische Berichte. Was allerdings erstaunt, ist, dass Kairo so ungeschickt ist, es wirklich zu tun. Eigene Erfahrungen und die der Amtskollegen in den Nachbarstaaten haben doch gezeigt, dass diese Art Drangsalierung von Journalisten nur dazu führt, dass sie mehr Gehör finden und an Glaubwürdigkeit gewinnen. Ahmed Mansur zumindest wird seine Sendung nächste Woche aus Kairo statt aus Gaza moderieren, und ein gutes Thema hat er auch schon. „Eigentlich wollte ich über die Situation in Gaza sprechen, aber jetzt werde ich mich wohl auf die Rolle Ägyptens konzentrieren“, sagt er und klingt gar nicht mehr so frustriert.

Julia Gerlach

PS. Ich persönlich bin den ägyptischen Beamten regelrecht dankbar. Nun kann ich mit Ahmed Mansur Tee trinken. Über die Objektivität im Journalismus lässt sich schließlich nach jedem Krieg immer wieder neu diskutieren. Nach dem im Gazastreifen ganz besonders.

Thema: Briefe | Comments Off | Autor: Julia Gerlach

Kairos traurige Ämter

Sonntag, 1. Februar 2009 13:34

Vor ein paar Tagen war ich auf einem Amt. In Kairo ist das eine Tortur, und ich musste mich lange selbst zu dem Gang überreden.

Zum Glück stehe ich jeden Morgen früh auf, da der Schulbus meines Sohnes Marwan schon um sieben Uhr kommt. Nachdem Marwan ihn wohlbehalten bestiegen hatte, machte ich mich ausgehfertig, und fuhr mit dem Taxi zum «murur». So heisst das Verkehrsamt hier, oder vielmehr wird es der Einfachheit halber so, nämlich «Verkehr», genannt.

Dort wollte ich ein paar Zettel mit den Eigenschaften meines Autos ausfüllen und abstempeln lassen. Die Sache ist nämlich die: Ich habe ein Auto, aber das steht seit August 2008 (das sind jetzt fünf Monate) in der Garage. Es ist nicht auf mich, sondern meinen Ex-Mann zugelassen. Ja, ich weiss, es war ein Fehler, das so regeln, aber nach unserer Trennung war ich naiv. Damals, vor dreieinhalb Jahren (2005), hatte mein Ex gesagt: «Wir wollen nicht so bescheuert wie andere Paare, die sich trennen, sein. Wir bleiben Freunde. Deshalb werde ich dein Auto auf meinen Namen zulassen. Für mich als Ägypter ist das viel einfacher.»

Das stimmte - für mich als Ausländerin hätte damals die Anmeldung eines Wagens auf meinen Namen einen «Wahnsinnsaufwand» bedeutet. Aber es kam, wie es kommen musste, und nach drei Jahren, also im August 2008, war die Zulassung abgelaufen. Ich versuchte, meinen Ex-Mann dazu zu bringen, das notwendige Papier zu erneuern. Aus Zeitgründen (angeblich) tat er das aber nicht. Jetzt, knapp ein halbes Jahr später, hat mein Ex-Mann mir ausrichten lassen, dass er mir das Auto «verkaufen» wolle. Dann solle ich damit machen, was ich wolle.

Hört sich eigentlich gut an, doch in Ägypten herrscht die absolute Bürokratie, und was einfach scheint, wird kompliziert gemacht. Als ich verstand, welche Papiere besorgt werden müssten, um den «Verkauf» abzuwickeln, schwirrte mir der Kopf. Ich schaffte Klarheit in meinen Gedanken und ging zum «murur». Eben dort wollte ich im Vorfeld des Verkaufs die Zettel, die später dafür nötig wären, abstempeln lassen.

Doch auf dem Verkehrsamt schauten mich die Beamten mitleidig an, als ich die leeren Formulare verlangte. Schliesslich knallte sie einer auf den Tisch. «Da hamse Sie», sagte er, «Aber abstempeln? Also das schaffen Sie nie!» Das dürfe nämlich nur der Besitzer des Wagens, sagte er. Ich schnaubte und ging zum «Pascha», zum Chefpolizisten.

«Halt!» schrie seine Sekretärin, als ich gerade die Klinke zu dessen Bürotür herunterdrücken wollte, ob ich eigentlich übergeschnappt sei? Nur sie dürfe dort hinein, rief sie und knackte elegant ein paar Sonnenblumenkerne. Die Schalen spuckte sie gekonnt in einen Aschenbecher.

Dann nahm sie die leeren Formulare und die abgelaufene Zulassung und ging mit verachtungsvoller Miene ins Büro des Paschas. Nach genau einer Minute stand sie wieder vor mir.

«Das geht nicht, Madame, das darf nur ihr Ex-Mann. Und sagen Sie ihm, wenn er komme, solle er seine Identitätskarte mitbringen! Ihnen können wir leider nicht vertrauen - vielleicht sind Sie ja eine Diebin und wollen dem armen Kerl das Auto stehlen!»

Ich nahm die Zettel und ging mit hoch gereckter Nase hinaus. Meine Wut schluckte ich tapfer hinunter. Diebin, dachte ich, so eine bodenlose Frechheit! Das Auto hatte vor dreieinhalb Jahren ich ganz allein bezahlt. Und jetzt war ich nur zum Verkehrsamt gegangen, um meinem Ex-Mann die Umschreibung leichter zu machen! Sie ist - wie oben erwähnt - aufwendig und erfordert Gänge auf mehrere Ämter, das Einholen zahlreicher Stempel und entsprechend viel Energie.

Als ich wieder daheim war, steckte ich die Formulare und die abgelaufene Zulassung in ein Couvert und schickte alles dem Vater meines Sohnes. Per SMS bat ich ihn, die Zulassung zu besorgen, auch wenn es Mühe mache. Das Auto würden wir, also unser Sohn und ich, vor allem dazu brauchen, um zum Fussballclub zu fahren. Der liegt ausserhalb des Molochs Kairo und dorthin fahren keine Busse.

Trotz meiner Erklärung sehe ich schwarz. Ja, ich vermute, das Auto wird ungebraucht in der Garage (wo es jetzt steht) verrotten. Das ist schade - vor allem für meinen Sohn, der so gerne in jenen Fussballclub gehen würde. Aber die Zeit vergeht, die Trennung wird länger und länger, und Marwan wird grösser und selbständiger. Kurz, ganz langsam nähere ich mich dem Ende des Tunnels, in dem ich mich jetzt befinde. Ob es dahinter hell und schön ist, weiss ich nicht. Ich bin mir aber sicher, dass ich der klaustrophobischen Enge irgendwann entkommen werde.

Kristina Bergmann

Thema: Kristinas Kolumne | Comments Off | Autor: Kristina Bergmann