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Eine Antwort auf Matthias Küntzel

Donnerstag, 21. Januar 2010 11:49

Auf eine von mir verfasste Rezension zu seinem Buch Die Deutschen und der Iran. Geschichte und Gegenwart einer verhängnisvollen Freundschaft, die am 10.1.2010 im Deutschlandradio Kultur gesendet wurde, reagierte Matthias Küntzel erbost. Er veröffentlichte sowohl auf der “Achse des Guten” als auch auf seiner Homepage eine Gegendarstellung. Zudem schrieb er den zuständigen Redakteur im Deutschlandradio Kultur an, der mich wiederum bat, Matthias Küntzel zu antworten. Diese Antwort möchte ich im folgenden öffentlich machen.

Sehr geehrter Herr Küntzel,

Der Redakteur der Sendung Lesart, die meine Besprechung Ihres Buches gesendet hat, bat mich, Ihnen zu schreiben, nachdem Sie ihn angeschrieben hatten. Dieser Aufforderung komme ich gerne nach. Sie schreiben in Ihrer Mail an den Redakteur:

Mein über 150 Bücher umfassendes Literaturverzeichnis, das jene “hervorragend recherchierte” Literatur natürlich einschließt, wird ebenso wenig erwähnt, wie meine Sammlung neuer Fundstücke aus Archiven in Washington D.C. und Berlin, auf die sich meine Arbeit ebenfalls und erklärtermaßen stützt.

Ihre Fundstücke in allen Ehren, aber ich meine die Sekundärliteratur, die Sie verwenden, wenn Sie iranische Geschichte referieren. Hier fehlen die einschlägigen Werke. Ich werde im Folgenden einige davon nennen, kann Ihnen aber gerne auch noch weitere nachliefern, wenn Sie dies wünschen. Ich wollte diesen Brief nur nicht noch weiter ausufern lassen.
Doch lassen Sie mich ein Beispiel geben, wo Sie sich auf unseriöse Literatur stützen: Amir Taheri, auf den Sie im wesentlichen Ihre Darstellung der Ideen und des Verhaltens von Khomeini stützen, ist in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht zitierfähig. Vanessa Martin (Martin, Vanessa: Creating an Islamic State. Khomeini and the Making of a New Iran, London 2003) und Baqer Moin (Moin, Baqer: Khomeini. Life of the Ayatollah, London 1999), die die beiden Khomeini-Biographien verfasst haben, die als wissenschaftliche Standardwerke gelten, kommen bei Ihnen hingegen nicht vor. Sie aber gründen auf von Taheri erfundene Tatbestände große Teile Ihrer argumentativen Herleitung: Der Austausch zwischen Navvab Safavi und Khomeini gilt Ihnen als sehr wichtig: Sie schreiben:

Zu den Gesprächsthemen, über die Navvab und Khomeini ganze Nächte hindurch diskutierten, gehörte die ägyptische Muslimbruderschaft [...]. (Küntzel 101)

Dieser Satz geht - wie unschwer festzustellen ist auf Amir Taheris Khomeini-Biographie zurück. Dort heißt es:

Der Mann, der Khomeini mit dieser Bruderschaft in Kontakt brachte, war ein junger Mullah namens Mohammad Nawab-Safawi [...]. Die beiden Männer verbrachten viele Stunden, ins Gespräch vertieft, miteinander. (Taheri, Amir: Chomeini und die Islamische Revolution, Hamburg 1985, 116.)

Laut Taheri haben diese Gespräche in Najaf stattgefunden, was so nicht sein kann, da Khomeini sich zu dem Zeitpunkt, den Taheri nennt, in Qom befand. Sie verlegen den Ort des Zusammentreffens der beiden Männer nach Qom, aber über die Möglichkeit eines dortigen Zusammentreffens der beiden Männer schreibt der Mann, der den einschlägigen Aufsatz über Safavi geschrieben hat, Sohrab Behdad:

It is not known if there was a direct connection between Khomeini and Navvab Safavi. One account suggests that there could have been such a connection because at the time of the publication of Kash al-Asrar Khomeini was an instructor at Ghom seminary and Navvab Safavi was a student there. Others have expressed doubt about the existence of such a connection. The assassination attempt on Kasravi took place only a few months after Navvab Safavi left Najaf. There is no evidence that Navvab Safavi was ever a student at the Qom seminary. (Behdad, Sohrab: „Islamic Utopia in Pre-Revolutionary Iran: Navvab Safavi and the Fada’ian-e Eslam”, in: Middle Eastern Studies 33 (1997), 40-65 (44).)

Die Verbindung zwischen Navvab Safavi und Khomeini ist absolut zentral in Ihrem Buch, da Sie Grundlage Ihrer Argumentation ist, dass eine enge Verbindung zwischen Khomeini und den Muslimbrüdern und den Attentätern vom 11. September besteht. Sie schreiben:

Auch hinsichtlich der Parole «Ihr lebt das Leben, wie lieben den Tod!», die erst nach dem 11. September die Weltöffentlichkeit aufschrecken sollte, herrschte Einigkeit. Solange die Muslime ihre Liebe zum Leben nicht durch die im Koran geforderte Liebe zum Tod ersetzten, sei ihre Zukunft hoffnungslos, klagte Hassan al-Banna in einem berühmt gewordenen Aufsatz von 1938. Dieses Postulat fiel bei Navvab und Khomeini auf fruchtbaren Boden. (Küntzel 103)

Angesichts Ihrer Argumentation, die doch lautet, dass Iran so gefährlich sei, weil dem Regime ähnlich wie den Selbstmordattentätern vom 9/11 ihr eigenes Leben nichts gilt, da diese sich aus derselben Quelle speisen, nämlich den Muslimbrüdern, halte ich es nicht für unwichtig, zweifelsfrei belegen zu können, ob diese Inspiration so überhaupt stattgefunden hat. Und hier rächt sich eben, dass Sie nicht die einschlägige Literatur zum Thema beachten, sondern sich weitgehend auf Amir Taheri stützen, den ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift Keyhan, die alles andere als ein unabhängiges Blatt war, sondern absolut schahtreu. Taheris Objektivität hat beispielsweise auch Shaul Bakhash, Professor in den USA und einer der wichtigsten Kenner der Materie, angezweifelt. Er ist Autor eines weiteren Standardwerkes mit dem Titel The Reign of the Ayatollahs und hat für die Zeitschrift The New Republic die Anmerkungen in Taheris Buch: Nest of Spies untersucht. Dabei stellte er nicht existierende Quellen sowie bei verwendeten Quellen eine verzerrte Anwendung derselben fest. Dasselbe lässt sich für Taheris Khomeini-Biographie nachweisen.
Lassen Sie uns noch einmal zu dem Abschnitt kommen, den ich aus Ihrem Buch zitiere:

Als Mossadegh 1953 mit dem Gedanken spielte, das Frauenwahlrecht einzuführen, schlug sich Khomeini auf die Seite des Schahs, um Mossadegh, den Frevler, zu stürzen. Als später der Schah das Frauenwahlrecht einführte, wandte sich Khomeini abrupt auch von ihm ab und propagierte seinen Sturz (Küntzel 110).

In ihrer Erwiderung auf meine Kritik, dass Khomeini Mossadegh nicht gestürzt habe, schreiben Sie:

Es stimmt, dass die Diskussion um den Anteil der religiösen Führer und Sekten am Sturz von Mosaddegh im deutschen Sprachraum noch nicht angekommen ist und mein Buch hier Neuland betritt.

Erstens habe ich nicht behauptet, dass die religiösen Führer keinen Anteil am Sturz Mossadeghs hatten. Natürlich hatten sie, Behbahani und Kashani nämlich, zu dem übrigens auch die einschlägige Literatur in ihrem Buch fehlt (Richard, Yann: „Base idéologique du conflit entre Mosaddeq et l’âyatollâh Kâshâni”, in: Digard, Jean-Pierre (ed.): Le Cuisinier et le philosophe: Hommage à Maxime Rodinson, Paris 1982, 263-274; ders.: „Ayatollah Kashani: Precursor of the Islamic Republic?”, in: Keddie (1983), 101-124.) Und wieso ist das noch nicht angekommen im deutschen Sprachraum? Es steht doch in jedem Artikel über Mossadegh, dass Kashani ihn gestürzt hat. Und die Behbahani-Dollars sind schon fast zu einem geflügelten Wort geworden. Ich bestreite im übrigen auch nicht, dass Khomeini nicht auf der Seite Mossadeghs stand, sondern gegen ihn war. Mossadegh war Säkularist und deshalb sah Khomeini in ihm aus seiner Perspektive eine Gefahr. Aber Khomeini hat nicht mit dem Schah kooperiert, um Mossadegh zu stürzen. Als jemand, der Iran regelmäßig besucht, weiß ich darüber hinaus durchaus, wie die Islamische Republik mit Mossadegh umgeht. Und auch hier irren sie, wenn sie in Ihrer Erwiderung auf meine Kritik schreiben - und mich implizit als einen Bewunderer Khomeinis hinstellen:

Es ist verständlich, dass Khomeinis Bewunderer gerade hier besonders empfindlich reagieren, besagt doch der antiimperialistische Mythos, dass die beiden Helden Mossadegh und Khomeini in ihrem Widerstand gegen den Schah fast schon in Eins zu setzen sind.

Erstens bin ich kein Bewunderer Khomeinis. Zweitens setzt noch nicht einmal der „antiimperialistische Mythos” der Islamischen Republik Iran Mossadegh und Khomeini in Eins. Die Propaganda des iranischen Regimes besagt vielmehr, dass es Kashani war, der maßgeblich für die Verstaatlichung des Erdöls verantwortlich war und dem somit das anti-imperialistische Verdienst zukommt: Die Islamische Republik tut sich bis heute extrem schwer mit dem Andenken an Mosaddeq (Siehe dazu: Kermani, Navid: „Wo geht es nach Ahmadabad? Die Islamische Republik tilgt die Erinnerung an Mohammad Mossadegh, den ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten des Landes“. In der Süddeutsche Zeitung vom 26./27.9.2009 erschienen unter dem Titel „Der Löwe mit dem türkisfarbenen Pontiac”).
Ervand Abrahamian beschreibt diesen Umgang mit Mosaddeq: Schulbücher würden ihm nicht mehr als zwei Seiten widmen, ebensoviel wie Safavi und verglichen mit vier Seiten, die der Anti-Konstitutionalist Fazlollah Nuri (1842-1909) bekommt. In den Schulbüchern wird Kashani als der wahre Führer der Nationalisierungskampagne dargestellt und Mosaddeq als sein „hanger-on”, sein Trittbrettfahrer, wie Abrahamian formuliert (Abrahamian, Ervand: Khomeinism. Essays on the Islamic Republic, Berkeley 1993, 105).
Nun einige Erläuterungen zu der Frage, warum Khomeini sich nicht eingemischt hat - und zwar weder für noch gegen Mossadegh. In den fünfziger Jahren war Qom ein Ort, der jeder praktischen Einmischung in die Politik denkbar fern stand. Seit dem Winter 1944/45 lehrt dort Borujerdi (1875-1961), und seit 1946 ist er marja-e taqlid, Quelle der Nachahmung, also die oberste religiöse Autorität und er herrschte in Qom wie der Papst im Vatikan, wie Hamid Dabashi es formuliert hat. Er verbietet es den Geistlichen Qoms, sich in die Politik einzumischen. Wer sich nicht daran hielt, musste die Hochschule verlassen. Für diese Nichteinmischung wurde Borujerdi von Mohammad Reza Pahlavi mit einer weniger anti-klerikalen Politik belohnt, als sein Vater sie betrieben hatte. Großer Widerstand gegen das Gebot der Nicht-Einmischung, das Borujerdi erlassen hatte, regte sich unter den Geistlichen und den Theologie-Studenten in der Tat im Zuge der Ereignisse um die Verstaatlichung des iranischen Erdöls im Jahre 1951, als es zu Spannungen zwischen Mosaddeq und dem Schah kam. Einige Geistliche mit niederem geistlichen Rang erließen Rechtsgutachten, die die Verstaatlichung guthießen. Auch Abo l-Qasem Kashani unterstützte Mosaddeq, und so mancher Student wollte sich ihm anschließen. Khomeini kannte Kashani gut und sympathisierte mit ihm. Doch wer als Geistlicher trotz des Verbotes von Borujerdi politisch aktiv wurde, hatte mit der Ächtung durch das Qomer Establishment zu rechnen. Borujerdi soll zwar in privaten Gesprächen positiv über Mosaddeq gesprochen haben, doch er setzte sich nicht direkt für ihn ein. Borujerdi sah nämlich u.a. in den feda’iyan-e eslam unter Navvab Safavi, die Kashani und somit eine Zeitlang indirekt Mossadegh unterstützten, eine Gefahr: Borujerdi kritisierte Kashani wegen dieser Zusammenarbeit aufs Schärfste und lehnte das Wirken, speziell die Gewalt, und die Ideen der feda’iyan-e eslam ab. Borujerdi war vor allem gegenüber Safavis Idee eines islamischen Staates negativ eingestellt: Auf die Frage, warum er einer Herrschaft der Geistlichkeit gegenüber negativ eingestellt sei, sagte er, der Schah wendet sich mit Waffen wie Kanonen und Gewehren gegen das Volk, und gegen diese Waffen kann das Volk sich wehren. Aber wenn die Geistlichen an seiner Stelle sitzen, sind ihre Waffen gegen das Volk der Glaube und die Glaubensüberzeugungen des Volkes. Und dann hat das Volk keine Chance (Tabataba’i, Sadeq: Khaterat-e siyasi-ye ejtema’i (Politisch-gesellschaftliche Memoiren), Teheran 2009, 27). Letztlich dürfte sich Khomeini der Autorität Borujerdis vor allem deswegen gebeugt haben, weil er einer Bewegung, die ohne die Unterstützung des obersten religiösen Autorität, also Borujerdi, würde auskommen müssen, keine großen Chancen beimaß. Außerdem wird er es nicht gewagt haben, sich Borujerdi zu widersetzen, da dieser über zwei Jahrzehnte hinweg sein Mentor war. Khomeini war Borujerdi sehr verbunden, seine Tochter hatte in die Familie eingeheiratet, und er zollte Borujerdi hohen Respekt.

Zum Thema Frauenwahlrecht:
Ab dem Jahre 1961 (nachdem sein Mentor gestorben war, dem er zu Gehorsam verpflichtet war) kritisierte Khomeini dann offen Mohammad Reza Pahlavi. Bis heute ist sich die Sekundärliteratur nicht einig darüber, was genau die Punkte waren, die Khomeini am Schah kritisierte. Uneinigkeit besteht vor allem in der Frage, ob Khomeini gegen die Landreform des Schahs war und gegen das Frauenwahlrecht, das dieser einführen wollte. Laut Hamid Algar sei die Kritik an der Landreform und am Frauenwahlrecht nicht in dem Ausmaß entscheidend gewesen, wie es in der iranischen Presse jener Zeit dargestellt wurde, um ihn als reaktionären Geistlichen zu diskreditieren. Er will nachweisen, dass es Khomeini weit mehr um die ungerechte Herrschaft ging als um die Reformen, die der Schah eingeleitet hatte bzw. einleiten wollte, und mit dem Argument, der Kampf gegen die Ungerechtigkeit sei „one of the fundamental and most pervasive characteristics of Ithna‛ashari Shi‛i Islam” belegen, dass die Verletzung der Verfassung, der Ausverkauf an den Westen und die autokratische Herrschaft des Schahs der wirkliche Anlass für den Protest Khomeinis gewesen seien (Algar, Hamid: „The Oppositional Role of the ‛Ulama in Twentieth-Century Iran”, in: Keddie, Nikki (ed.): Scholars, Saints, and Sufis - Muslim Religious Institutions in the Middle East since 1500, Berkeley 1972, 231-255 (231)).
Dass Khomeini ein großer Gegner der Landreform war, behauptet auch ein Teil der Sekundärliteratur (Gheissari, Ali & Vali Nasr: Democracy in Iran. History and the Quest for Liberty, Oxford 2006, xiii.). Aber das dürfte daran liegen, dass ihm dies von der Schah-Regierung bei seiner Verhaftung vorgeworfen wurde (Fischer, Michael: Iran. From Religious Dispute to Revolution, Cambridge 1980, 123.). Laut Azar Tabari hingegen, die der Ansicht ist, jedwede Opposition des Klerus sei in der Geschichte immer aus seinem reaktionären Charakter geboren worden, ging es Khomeini in erster Linie um das Wahlgesetz für Frauen vom 7.10.1962 (Tabari, Azar: „The Role of the Clergy in Modern Iranian Politics,” in: Keddie, Nikki R. (ed.): Religion and Politics in Iran, New Haven & London 1983, 47-72 (72)).
Vanessa Martin beschreibt darüber hinaus aber vier Punkte, die in Khomeinis Reden aus dieser Zeit immer wieder zur Sprache kamen und über die weitgehende Einigkeit innerhalb der Sekundärliteratur herrscht: die zunehmende staatliche Kontrolle vor allem in der Rechtsprechung; die Zunahme der Säkularisierung und damit einhergehende Schwächung des Islams; die Zunahme der staatlichen Repression und der Einfluss der USA auf die Politik der Regierung. Zudem war Khomeini nicht einverstanden damit, dass der Schah junge Studienabgänger moderner Universitäten auf die Dörfer schickte, um die Alphabetisierung voranzutreiben. Denn dies förderte in seinen Augen eine säkulare Bildung. Grundsätzlich ging es ihm also vor allem um die Zunahme der Kontrolle durch den säkularen, verwestlichten Staat und um den ausländischen Einfluss (Martin (2003), 22.)
Sie jedoch reduzieren den Konflikt zwischen dem Schah und Khomeini auf die Frauenemanzipation - und das ist nicht seriös. (Dasselbe machen sie auch mit dem Konflikt zwischen Kashani und Mossadegh und auch das stimmt nicht). Deshalb heißt es bei Ihnen:

Für Khomeini war aber die gerade beginnende Frauenemanzipation ein Dorn im Fleisch (Küntzel 111).

Oder:

Am 1. Februar 1979 kam Khomeini, frenetisch gefeiert, nach Iran zurück. Noch im selben Monat ließ er seiner Wut über die Befreiung der Frau, die ihn 1953 zum Antipoden Mossadeghs und 1963 zum Antipoden Reza Schahs [Sie meinen vermutlich Mohammad Reza Schah, Reza Schah war sein 1963 bereits verstorbener Vater. Hilfreich wäre es übrigens auch, nicht Khamenei mit Khatami zu verwechseln wie auf Seite 144.] werden ließ, freien Lauf (Küntzel 122).

Natürlich war Khomeini kein Freund der Frauenemanzipation, das behauptet niemand, aber sie stellen die Sachlage unzutreffend dar. Das meinte ich mit dem Satz: „Küntzel aber lässt alles weg, was nicht zu seinem Geschichtsbild und seiner Agenda passt,” der sich an meine Ausführungen daran anschließt, dass Sie die iranische Geschichte unrichtig darlegen. Denn Überspitzungen bzw. Fehler dieser Art - wie auch die Behauptung, Ahmadinejad sei bei der Besetzung der US-Botschaft dabei gewesen sind, was auch schon seit Jahren widerlegt ist (auch im Zusammenhang mit Ahmadinejad habe ich das einschlägige Buch vermisst: Naji, Kasra: Ahmadinejad. The Secret History of Iran’s Radical Leader, London 2008.), machen Sie leider unglaubwürdig. Damit erweisen Sie der Diskussion, die absolut überfällig ist, einen Bärendienst. Das war mein wesentlicher Kritikpunkt, denn Sie mögen sich erinnern, ich habe Ihnen mehrfach darin zugestimmt, dass die Frage, die Sie aufwerfen richtig und interessant ist. Ich finde das Verhältnis zwischen Deutschland und Iran auch problematisch. Ich schreibe in der Rezension:

Dabei ist die grundsätzliche Frage, die er stellt, ja richtig. [...] Aber sicher ist es eine interessante Frage, warum Deutschland diese außergewöhnlich guten Beziehungen nie genutzt hat, um Druck auf die iranische Führung auszuüben: in Menschenrechtsfragen, bei der Mykonos-Affäre, bei der Rushdie-Affäre, nach den Wahlen im Sommer und in der Atomfrage. Das ist sicher ein großer Fehler der Bundespolitik.

Und meine Argumentation geht dann folgendermaßen weiter:

Küntzel liegt in einigen Fällen so nachweislich falsch, dass es dem Leser schwer fällt, ihm da Glauben zu schenken, wo er Recht haben könnte. Das ist schade, denn das Thema, das Küntzel hier zum ersten Mal bearbeitet, ist wirklich interessant und viele Fragen sind offen. Aber wenn er behauptet, dass Ahmadinejad im Jahre 1979 an der Besetzung der Teheraner US-Botschaft beteiligt gewesen sein soll, obschon selbst der amerikanische Geheimdienst bereits vor Jahren erklärt hat, dass dem nicht so war, dann macht er sich einfach unglaubwürdig.

Noch einige Anmerkungen und Fragen zu den weiteren Punkten, die Sie aufgelistet haben, zu denen ich gerne Stellung nehme bzw. gerne Stellung nehmen würde, denn wo soll ich Sie falsch zitiert haben? Da komme ich leider nicht weiter.
Sie schreiben, ich würde insinuieren, dass Sie behaupteten, „die Iraner seien ein Volk von Antisemiten und Hitlerverehrern”. Finden Sie nicht, Sie legen das nahe, wenn Sie gleich den ersten Satz in Ihrem ersten Teil mit den Worten beginnen:

Wer als Deutscher nach Iran kommt, fühlt sich zuweilen wie im falschen Film. Es kommt vor, dass man mit dem erhobenen Arm begeistert begrüßt wird und an die deutsch-iranische Zusammenarbeit während der Nazi-Zeit erinnert wird (Küntzel 17).

Was Sie dort beschreiben, sind Ausnahmen und es geht dabei nicht um Judenfeindschaft oder die Shoah, davon wissen die meisten nun wirklich kaum etwas. Weder die Shoah noch deren Leugnung kommt in iranischen Schulbüchern ausführlich zur Sprache. Und legen Sie nicht doch nahe, dass Iraner Hitlerverehrer und Antisemiten sind, wenn Sie in Ihrer Erwiderung auf meine Kritik schreiben:

Dabei ist das, was Frau Amirpur zu leugnen sucht, allen Eingeweihten bekannt. Exil-Iraner in Deutschland teilen mir bei meinen Lesungen immer neue Details hierüber mit. „Einmal Hitler!” - lautete beispielsweise die in aller Unschuld erteilte Order, die einer von ihnen seinem Friseur in Teheran zuzuwerfen pflegte, um die gewünschte Frisur zu erhalten. Auch heute noch können über Youtube jene denkwürdigen Bilder von Oktober 2004 abgerufen werden, als die deutsche Fußballnationalmannschaft im Teheraner Stadium stand und Hunderte Iraner beim Abspielen der vertrauten „Deutschland, Deutschland über alles” - Hymne aufstanden, um ihr den Hitlergruß darzubieten.

Oder wenn es in Ihrem Buch auf Seite 47 heißt:

Um jene vermeintliche Gemeinsamkeit zu unterstreichen, ließ der Schah Ende 1934 auf Veranlassung des persischen Botschafters in Berlin die bis dahin übliche internationale Landesbezeichnung „Persien” verbieten. Stattdessen sollte auch international die im Lande übliche Bezeichnung „Iran” [= Land der Arier] zur Anwendung kommen. Auf diese Weise wurde die bislang von ökonomischer Rationalität geprägte Zusammenarbeit um eine mythische Komponente erweitert und um das Gefühl einer ganz besonderen Zusammengehörigkeit ergänzt - ein Gefühl, das bis heute virulent geblieben ist.

Der Landesname bzw. die internationale Bezeichnung des Landes wurde nicht deswegen verändert, weil man die gemeinsamen arischen Wurzeln betonen wollte, sondern weil der Schah argumentierte, dass der Name auch international Verwendung finden sollte, den das Land nun mal hat, nämlich Iran wie es auf Persisch heißt. Er wollte damit in der Tat ein Gemeinschaftsgefühl stärken, aber das der Iraner untereinander, denn die anderen Völker des Vielvölkerstaates Iran fanden es nicht angemessen, dass das Land nur nach den fars, den Persern, die nur eine von vielen Volksgruppen sind, benannt werden sollte. Hinzu kommt: Wenn Ihnen ein Iraner sagt, wir beide sind Arier, dann ist das eher eine anti-islamische Äußerung als alles andere. Denn man will sich damit gemeinsam von den Arabern, den Semiten, absetzen, die es verbrochen haben - in den Augen vieler -, dass Iran heute islamisch ist und nicht mehr zoroastrisch. So ist das oft gemeint, wenn gesagt wird:

Sie sind Deutsche? Wie wunderbar, dann gehören wir zur selben Rasse (Ihr Zitat von Christiane Hoffmann auf Seit 47 Ihres Buches).

Das macht die Äußerung nicht intelligenter, aber Sie nehmen sie und die oben erzählte Geschichte von der Umbenennung Persiens in Iran als Beleg für eine Betonung des Ariertums, die - so kann man kaum anders schließen - eine antisemitische Komponente hat. Würden Sie Christiane Hoffmann angemessen zitieren, müssten in Ihrem Buch auch folgende Sätze stehen:

In den 2500 Jahren der Geschichte des Judentums in Iran gibt es keine dem deutschen oder auch dem osteuropäischen Antisemitismus vergleichbaren Phänomene. Zugleich zeigen manche der mit robustem Nationalismus gesegneten Iraner eine für europäische Sensoren erstaunliche Offenheit für rassistisches Denken. Gerade als Deutscher sieht man sich in Iran immer wieder begeisterten Umarmungen ausgesetzt, die mit der “gemeinsamen arischen Herkunft” begründet werden. “Sie sind Deutsche? Wie wunderbar, dann gehören wir zur selben Rasse.” Sympathien im persischen Kaiserreich für Hitler-Deutschland gründeten allerdings weniger in der Nähe zu dessen rassistischen Ideologien als in der alsbald enttäuschten Hoffnung, das Deutsche Reich möge Iran vor den Kolonialbestrebungen der Briten und Russen bewahren. (Siehe Sympathie für den Satan? - FAZ 7.2.2006).

Gerade dieser Artikel erzählt im übrigen sehr viel über die Geschichte der Juden in Iran, Irans Haltung zu Israel, Ahmadinejads Agenda etc. Aber alles, was er erklärend liefert, lassen Sie weg.

Ich behaupte keineswegs, wie Ihre Autorin insinuiert, „dass Iran die Judenvernichtung plane”,

schreiben Sie in Ihrer Mail an den Redakteur im Deutschlandradio Kultur. Vertreten Sie nicht die Auffassung, Ahmadinejad würde den Angriff auf Israel wollen und planen? Wie darf ich dann den Text auf Seite 289 verstehen? Und viele weitere, die in eine ähnliche Richtung weisen? Seite 146 beispielsweise:

Was aber bedeuten Atomwaffen in den Händen derer, die den Tod auf dem Schlachtfeld als einen Sieg der Seele interpretieren?

Sie zitieren mich auch mit den folgenden Worten, mit denen ich das Berliner „Zentrum für Antisemitismusforschung” gegen den Vorwurf, zuwenig über Iran zu arbeiten, verteidigt haben soll: „Ich verstehe nicht so ganz, wo die Lücke da sein soll.” Auch hier wäre es angemessen, den Kontext darzustellen, denn es war meine Antwort auf Ihre Frage, warum es keine Beiträge vom Zentrum zu der Frage des Antisemitismus in Iran gebe und ich daraufhin auf die beiden Aufsätze von Henner Fürtig verwies, die von diesem in Auftrag gegeben worden sind und die Ihnen ja offensichtlich bekannt sind, da sie in Ihrem Literaturverzeichnis auftauchen. Und in der Tat sind diese beiden Aufsätze eine ausgezeichnete Aufarbeitung und Bestandsaufnahme (Fürtig, Henner: „Die Bedeutung der iranischen Revolution von 1979 als Ausgangspunkt für eine antijüdisch orientierte Islamisierung”, in: Benz, Wolfgang (Hg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 12, Berlin 2003, 73-98; ders.: „Iranischer Antisemitismus unter Ahmadinejad: alter Wein in neuen Schläuchen?”, in: Benz, Wolfgang & Juliane Wetzel (Hg.): Antisemitismus und radikaler Islamismus, Essen 2007, 103-127.).

Noch eine Bemerkung, da Ihr Artikel auf der Achse des Guten ja mit „Fachfrau für Übersetzungsfehler und andere Kleinigkeiten” überschrieben ist und Sie behaupten, Mariella Ourghi habe mich widerlegt. Das ist keineswegs der Fall. Ich würde das gerne erläutern, das ist aber etwas schwierig, da Sie kein Persisch können. Ich kann es aber gerne, wenn Sie wünschen, versuchen. Auch ist das Zitat, das Sie „auf der Achse” anführen und mir Ihrer Meinung nach „die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte” sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen, wie bei der Lektüre des gesamten Artikels ersichtlich ist.

Ich schätze das Anliegen Ihres Buches wert und dürfte in der Beurteilung der aktuellen innenpolitischen Verhältnisse und damit der Tyrannei der Islamischen Republik an vielen Punkten mit Ihnen übereinstimmen. Doch gerade wer die gegenwärtigen Zustände für unhaltbar hält - wie Sie und wie ich -, sollte bei der Beschreibung der Zusammenhänge um so präziser sein.

Mit den besten Grüßen,

Katajun Amirpur

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Katajun Amirpur

Duke Ellingtons Orient-Tour

Sonntag, 6. Dezember 2009 12:49

Duke Ellington und der Nahe Ferne Osten


Mein Klavierlehrer hat eine gewisse Vorliebe für orientalische Skalen und Rhytmen. Als er mir kürzlich eine seiner neuen Kompositionen vorspielte, musste ich an die “Far East Suite” von Duke Ellington denken - ein Album, das korrekterweise eigentlich “Middle East Suite” heissen müsste, denn es ist inspiriert von der großen Orient-Tour, die Ellington in den 1960er Jahren unter anderem nach Beirut, Bagdad, Teheran und Kabul führte. Beim Diskutieren stellten wir verwundert fest, dass mein Lehrer zwar Duke Ellingtons Musik gut kannte, von der Suite aber noch nie etwas gehört hatte. Ich fragte daraufhin noch einige andere Musiker im Bekanntenkreis - dito!  Auch Kölns größter Plattenladen hat das Album offenbar nicht im ständigen Programm. Dabei gehört die Far East Suite zum Schönsten, was Duke Ellington aufgenommen hat, und sie klingt auch nach über 40 Jahren immer noch unglaublich elegant, kosmopolitisch und zeitgemäß. Mein Favourite ist Mount Harissa.  Also, liebe Nefais-LeserInnen, hört mal rein! Oder beglückt Eure Lieben zu Weihnachten mit “Dukient”.

Die “Far East Suite” gibt es als CD im Internet ab 4,50 Euro. Von Deutschland aus ist die Bestellung zur Zeit über Großbritannien am günstigsten.

Thema: Allgemein, West-östliche Schatzkiste | Comments Off | Autor: Martina Sabra

Der Beginn eines Dammbruchs

Dienstag, 1. Dezember 2009 13:55

Das Minarettverbot macht Schweizer Muslime zu Bürgern zweiter Klasse

Eine Moschee braucht nicht unbedingt ein Minarett, und die üblichen osmanisierenden spitzen Betondinger sind meist keine Verschönerung der Landschaft, das ist alles wahr. Aber darum geht es natürlich nicht beim Minarettverbot in der Schweiz, allen apologetischen Verrenkungen zum Trotz. Ein Christ braucht auch keinen Kirchturm zur Religionsausübung, und über Baufragen kann man nur Fall für Fall entscheiden. Das Schweizer Minarettverbot hat einen einzigen Sinn: einer religiösen Gruppe zu sagen, dass sie nicht hierher gehört.

Dass sie “toleriert” - im alten Sinne von geduldet - wird, aber nicht akzeptiert, und dass sie daher möglichst unsichtbar bleiben muss. Letzteres ist der Freundlichkeit der Moderne geschuldet. Noch früher haben wir solchen Leuten ein Hütchen aufgesetzt, damit wir sie erkennen. Wir schreiben das Jahr 2009 und leben in Europa. Mit “geringeren” Bürgern unter uns, für deren Bauten in der Schweiz ab jetzt nicht die Baubehörde zuständig sein soll, sondern bei denen allein das religiöse Bekenntnis darüber entscheidet, was sie bauen dürfen und was nicht.

Wenn es jetzt nur einen mutig-witzigen Pfarrer mit einer ebensolchen Gemeinde gäbe, der den Schweizern einen Kirchturm in der traditionellen Minarettform hinstellt! Religiös spräche nichts dagegen - genauso wie man ja ohne weiteres eine Moschee in Kirchenbauart errichten könnte. Die Reaktionen derer, die sonst gegen das “Fremde” beim Moscheenbau wettern, wären ein interessanter Beitrag zur Debatte.

Den Schweizern und Schweizerinnen, die für das Minarettverbot gestimmt haben, ist zugutezuhalten, dass sie aus einem Land stammen, das sich historische Amnesie eher leisten kann als etwa Österreich. Wofür oder wogegen glauben sie gestimmt zu haben? Interessanterweise haben sie nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, gegen soziale Phänomene gestimmt, die bei muslimischen Einwanderern aus unteren Schichten gehäuft auftreten und die als “islamisch” essenzialisiert werden. Denn wenn es so wäre, dann müsste die Zustimmung zum Minarettverbot in Gebieten, in denen es viele Muslime gibt, besonders hoch sein. Das Gegenteil ist der Fall. Es geht also nicht primär um missglückte Integration.

Der “Antisemitismus ohne Juden” ist bekannt, die purste Form des Rassismus, der ja nicht einmal an Religion gebunden ist. Bei der Abstimmung in der Schweiz dürften die Befürworter vor allem entlang ihres - von Populisten zu ihren eigenen Zwecken geformten - Islam-Bilds gestimmt haben. Nicht nur gegen den Islam in der Schweiz, sondern auch den Islam, wie er angeblich in islamischen Ländern ist: wobei eine Zwangsehe in einem indischen Dorf nicht dem Hinduismus und weibliche Genitalverstümmelung in, sagen wir, Zentralafrika natürlich nicht dem Christentum angelastet wird.

Dazu kommt noch das Reziprozitätsproblem à la “Erst wenn wir Kirchen in Saudi-Arabien bauen können …” Lasst uns doch werden wie Saudi-Arabien, dann geht es uns gewiss besser!

Dass eine Frage wie die zur Abstimmung gebrachte in einem modernen Rechtsstaat überhaupt gestellt, dass die Plakate, die Minarette als Raketen darstellten, überhaupt affichiert werden durften, ist jedenfalls erstaunlich.

Da wird die Theorie einer islamischen Weltverschwörung zur Eroberung des Westens in einen staatstragenden Rang erhoben. Dies in die tägliche Rechtspraxis einfließen zu lassen ist eine klare Diskriminierung und Verletzung der Grundrechte. Das mögen die Befürworter nicht gewusst haben - oder es ist ihnen egal. Dann ist es der Beginn eines Dammbruchs. Anstatt eines klaren Nein werden wir in den nächsten Tagen viele abwägende Erörterungen von Personen hören, die sich selbst für Humanisten und Liberale halten.

Gudrun Harrer, DER STANDARD, Wien, 1. 12. 2009

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Gudrun Harrer

Die Moschee ins Dorf holen

Dienstag, 1. Dezember 2009 10:06

Religionsfreiheit heißt auch Religionsvielfalt

Andersgläubige in Europa werden genau so lange akzeptiert, wie man ihnen ihren Glauben nicht ansieht: keine Minarette, keine Kopftücher, keine großen Moscheen. Wenn sie schon beten, dann bitte schön unauffällig. Nur: wer unauffällig seine Religion praktiziert, der tut es auch unbeobachtet. Nirgends lässt sich der von allen so gefürchtete, radikale Islam besser verbreiten als in einer Hinterhofmoschee, die man als solche garnicht erkennen kann.

Kommentar von Esther Saoub:

http://www.wdr.de/radio/wdr2/archive/index.phtml?thema=Klartext

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Esther Saoub

Deutschland ist unsere Zukunft, der Irak unsere Erinnerung

Dienstag, 19. Mai 2009 11:58

In ihrer Heimat wurden sie verfolgt, gefoltert, bedroht und schließlich vertrieben. Jetzt wird für 2500 Flüchtlinge aus dem Irak Deutschland zu einer neuen Heimat. Sie alle landen zuerst im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen, das nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge aus dem Osten aufnahm und später Vertriebene aus der ganzen Welt.

Deutscher Landregen kann etwas sehr schönes sein. Wenn er sich allerdings über Tage hinweg zieht und der Himmel keine andere Farbe mehr als miesepetriges Grau zu bieten hat, kann der Landregen schnell auch das Gemüt verdunkeln.
Maged hingegen scheinen das eintönige Grau und die feuchte Kälte, die tief in die Glieder zieht, nichts auszumachen. Ganz im Gegenteil. Nur mit einem braunen Pyjama bekleidet und Plastiksandalen an den Füßen steht er unter dem Vordach der Baracke 6 in Friedland. Seinem Übergangszuhause. Sein Körper scheint nichts zu spüren von der Kälte oder dem Regen, denn seine Gedanken sind gerade nicht in Friedland. Sie beschäftigen sich mit essentielleren Fragen als dem Wetter. Wahrscheinlich surren sie nur so durch den Kopf des 70-jährigen Mannes mit den schlohweißen Haaren und den freundlichen Augen, denn als Amir Zaya durch den Regen auf ihn zukommt und ihm einen guten Morgen wünscht, sprudeln die Fragen nur so aus Maged heraus.

Maged ist einer von 2500 Irakern, die in Deutschland eine neue Heimat finden sollen. Sie gehören zu den etwa zwei Millionen Irakern, die aus Angst um ihr Leben nach Syrien oder Jordanien geflüchtet sind, aber weder dort bleiben noch in den Irak zurückkehren können. In den Nachbarstaaten des Irak fanden sie zwar Unterschlupf, allerdings ohne eine Perspektive, dort je ein normales Leben führen zu können. In Ländern wie Syrien oder Jordanien, wo die Iraker zwar geduldet sind aber weder arbeiten dürfen noch die Schulbildung ihrer Kinder gewährleistet ist, ist ihre Verelendung vorgezeichnet.
10 000 von ihnen dürfen nun in die Europäische Union kommen. 2500 davon nach Deutschland, von denen die Mehrheit Christen sind. Staffelweise werden sie nun nach Deutschland kommen, und alle werden sie ihre ersten Tage und Wochen im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen verbringen, von wo sie dann an ihren neuen Wohnort verteilt werden.

Doch genau dieser neue Wohnort bereitet Maged Kopfzerbrechen. Eindringlich redet er auf Amir Zaya, den irakischen Übersetzer ein, und zieht ihn schlussendlich in die Baracke 6 hinein. Es muss dringend etwas geklärt werden. Die flache Baracke besteht aus einem tristen Gang, an dem rechts und links die Zimmer der Flüchtlinge liegen. An der Wand neben dem Zimmer Nummer 17, an die Mageds Name und die Anzahl der Familienangehörigen mit schwarzem Filzstift geschrieben steht, hängt eine ausgeblichene Deutschlandkarte, auf der die Grenzen aller Bundesländer eingezeichnet sind.
Maged erklärt sein Problem. Immer wieder. Denn er versteht nicht, wie das offensichtliche Missverständnis mit dem neuen Wohnort passiert sein kann. Nach Hamburg wollte er mit seiner Familie, in den Norden, denn zwei seiner Söhne leben schon seit etlichen Jahren in Dänemark. Dorthin waren sie mithilfe von Schmugglern geflüchtet, mittlerweile sind sie dänische Staatsangehörige. Da Dänemark den Rest der Familie, der nach Jordanien geflüchtet war, nicht aufnehmen wollte, empfiehl ihnen das UNHCR-Büro in Amman, einen Ausreiseantrag nach Deutschland zu stellen. Von Hamburg aus sind es nur ein paar Stunden mit dem Zug nach Dänemark, die Familie wäre also wieder so gut wie vereint gewesen. Doch nun das. „Ich habe gehört, sie wollen uns nach Weimar schicken“, sagt der 70-Jährige, und in seinem Gesicht spiegelt sich Verzweiflung. „Weimar, das ist hier irgendwo rechts unten auf der Karte“, und er schiebt sein Gesicht noch ein bisschen näher an das vergilbte Papier hinter Glas. Die gesamte Familie drängt sich mittlerweile um die Karte und Amir Zaya, der versucht, die Familie so gut es geht zu beruhigen und ihr Problem zu verstehen. „Wir wollen entweder nach Hamburg oder in den Westen, nach Düsseldorf oder Duisburg“, erklärt Ziad, der älteste Sohn. „Dort haben wir auch Verwandte.“ Der Gedanke, alleine in einem fremden Land in einer fremden Stadt, Stunden von den nächsten Angehörigen entfernt zu leben, versetzt die ganze Familie in Angst und Schrecken. „Gibt es da überhaupt Universitäten?“, fragt Maged. „Meine Kinder müssen doch was lernen, aus ihnen soll was werden.“

Doch die Familie muss sich gedulden. Die Iraker werden nach einem für sie undurchschaubaren System aufgeteilt, das die Behörden „Königsteiner Schlüssel“ nennen. Auf einer kleingedruckten Liste steht, wohin die Reise gehen wird für die irakischen Familien. Doch erst in einer Woche, punkt neun Uhr, wird ihnen ihr Schicksal mitgeteilt. Maged schüttelt resigniert den Kopf. Spannung ist gerade das letzte, was diese Menschen gebrauchen können. Aber er will sich nicht beschweren. Er ist glücklich, seine Familie endlich in Sicherheit zu wissen. Er will alles richtig machen in seiner neuen Heimat.

Deshalb erscheint der 70-Jährige auch kurze Zeit später in einem grauen Anzug und weißem Hemd in der Caritasberatungsstelle ein paar Häuser weiter. Dort findet ab zehn Uhr eine Informations-Veranstaltung zum Aufenthaltsrecht in Deutschland für die neu eingetroffenen Iraker statt. Hier erhoffen sich Maged und seine Landsleute Antworten auf ihre vielen Fragen, über ihr Schicksal, ihr neues Leben.
Auch George will alles richtig machen. Punkt zehn Uhr nimmt er in dem schmucklosen Raum, in dem überall alte Schwarzweißfotos von Kriegsrückkehrern aus dem zweiten Weltkrieg hängen, Platz. Auch seine Frau ist dabei. Mit ihr und den beiden Söhnen wohnt er gleich gegenüber von Maged in Baracke 6.

Auf Zuspätkommer wird – da beginnt schon die erste Lektion im Deutschtum - keine Rücksicht genommen. Schließlich müssen Regeln eingehalten werden. Schon für die, die pünktlich da waren und gebannt jedem Wort folgen, das der junge Herr von der Caritas und sein palästinensischer Übersetzer hervorbringen, ist das, was sie hören, ein Wirrwarr aus Paragrafen und deutscher Bürokratie, das einen deutschen Muttersprachler überfordern könnte - nur das es für diese Menschen hier um ihre Zukunft geht. Ihre womöglich letzte Chance auf ein Leben in Sicherheit und Stabilität. Da will man alles verstehen, da will man alles richtig machen. Doch das Bombardement aus kompliziertem Behördendeutsch, verwirrenden Gesetzen und deutscher Bürokratie scheint auch den konzentriertesten Zuhörer nur noch mehr zu verwirren.

In anderthalb Stunden versuchen die Mitarbeiter der Caritas die Neuankömmlinge so gut es geht über das deutsche Aufenthaltsrecht aufzuklären, und das Wirrwarr in ihren Köpfen zu lichten. Sie klären die Iraker unter anderem über ihre Rechte in Deutschland auf. Das sie zum Beispiel arbeiten dürfen, wie sie ihre Aufenthaltsgenehmigung, die ab sofort für drei Jahre gilt, verlängern können und wie sie später auch eine permanente Aufenthaltsgenehmigung erhalten können. Doch immer wieder rumort es im Saal, die Iraker haben hunderte von Fragen, vor allem als es um das Thema Reisen in die Heimat geht. „Es ist bis jetzt nicht klar, wie das geht, und ob die deutsche Botschaft ihnen dort vor Ort im Notfall helfen kann“, sagt Thomas Heck, Leiter der Caritasstelle in Friedland. Deshalb rät er auch von Reisen in den Irak, aber auch nach Syrien und Jordanien vorerst ab.  Aber eine Information lässt die Anwesenden kollektiv aufatmen: Sie können ihren Flüchtlingsstatus gar nicht verlieren, da sie in Deutschland gar keinen haben. Was im Umkehrschluss für all diese Menschen bedeutet, dass die deutsche Regierung sie nicht in den Irak abschieben kann, wenn sie der Meinung ist, dass es keinen Grund mehr für eine Flucht aus dem Heimatland gibt. Denn zurück wollen und können sie nicht mehr, soviel ist den meisten hier klar.

Auch für George und seine Familie gibt es kein zurück mehr. Der 58-Jährige sitzt an einem kleinen Holztisch in seinem Zimmer und schaut auf den Regen, der ans Fenster platscht. Die Heizung ist bis zum Anschlag aufgedreht, es ist stickig im Zimmer, aber die Familie scheint es nicht zu bemerken. Seine Söhne tragen dicke Wollpullis, seine Frau Nada hat auch hier drin ihre Jacke an. Das deutsche Wetter ist gewöhnungsbedürftig, aber die Familie scheint das nicht im Geringsten zu stören. „Deutschland ist ein guter Ort“, sagt George, und seine grünen Augen strahlen. In den Irak wollen sie nicht mehr zurück. „Wir wären Fremde in unserem Land.“ Es muss ihm das Herz brechen, so von seiner Heimat zu sprechen. Immer noch lebt Familie dort, Freunde, Nachbarn.
„Aber unsere Kinder waren dort in Gefahr, jeden Tag.“ Nada erzählt, wie die Terroristen Kinder auf dem Weg zur Schule in Autos zogen, um dann bis zu 20 000 Dollar Lösegeld von den verzweifelten Eltern zu fordern. „Wir Mütter haben uns zusammengetan, um unsere Kinder im Pulk zur Schule zu bringen, aber das ist doch auf Dauer kein Leben“, erzählt Nada, deren Gesicht von tiefen, schwarzen Ringen unter den Augen gezeichnet ist. Schließlich floh die Familie nach Jordanien, immer in der Hoffnung, bald wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. „Aber dort wurde es jeden Tag nur noch schlimmer“, sagt George. Als das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen ihnen anbot, sich für die Ausreise nach Deutschland zu bewerben, war das ein Rettungsring für die Familie, für den sie ewig dankbar sein werden. „In Jordanien waren wir nichts, dort gibt es keine Zukunft für meine Kinder.“

In Deutschland wollen sie ein neues Leben beginnen, das Land soll zu ihrer zweiten Heimat werden. Das einzige Problem sieht George in der Sprache, die für ihn noch so fremd klingt. Auf dem Tisch liegt ein kleines Wörterbuch Deutsch-Arabisch. Darin sind viele lustige, bunte Bilder von Möhren, Autos und Gießkannen abgebildet, mit dem jeweiligen deutschen und arabischen Wort darunter. George will vorbereitet sein auf seinen ersten Deutschunterricht. „Die Sprache ist das Tor zum Leben“, sagt George, und er ist fest entschlossen, dieses Tor weit aufzustoßen. Alle Flüchtlinge werden einen Integrationskurs absolvieren, in dem sie Praktisches und Wissen über Deutschland vermittelt bekommen, aber vor allem die Sprache lernen sollen. „In sechs Monaten will ich den Kurs beenden und Arbeit finden“, sagt George. Darauf richtet er jetzt all seine Energie. Er ist ehrgeizig und fest entschlossen, in Deutschland heimisch zu werden. Um zu beweisen, wie ernst es ihm ist, zieht er unter der Bettdecke einer der Etagenbetten noch ein elektronisches Wörterbuch hervor.
„Ich will Deutsch lernen, um schnell Arbeit zu finden und meine Kinder ernähren zu können“, sagt George. Er will es schaffen, auch wenn der Weg schwer werden sollte. „Ich weiß, dass wir hier auf einem niedrigeren sozialen Niveau leben werden als im Irak“, sagt der gelernte Steuerberater. „Aber dafür werden wir in Sicherheit leben, unsere Kinder werden in einer gesunden, stabilen Gesellschaft aufwachsen, das ist für uns das wichtigste.“ Sie wünschen sich so sehr, in diesem Land glücklich zu werden.

Vor dem Fenster, an dem die dicken Regentropfen abperlen, steht eine kleine irakische Flagge, die auch in ihrem neuen zu Hause in Berlin einen besonderen Platz einnehmen wird. „All unsere Erinnerungen sind im Irak“, sagt George zum Abschied, „aber Deutschland ist unsere Zukunft.“

Amira El Ahl

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Amira El Ahl

Herr Koch und Herr Lehmann

Samstag, 16. Mai 2009 16:33

Der Casus Kermani, oder was er uns sagt, ist noch viel schlimmer als nur peinlich, taktlos, dumm. Er hat in gewisser Weise System. Alle regen sich über die angeblich zu schnell beleidigten Muslime auf. Und es reden ja immer nur alle über den Islam, auch die deutschen Muslime. Nun kommt aber mal ein Muslim und sagt etwas zum Christentum. Das wird sofort als Grenzüberschreitung, Anmaßung, Sakrileg empfunden (umgekehrt haben wir keinerlei Gefühl dafür, was es heißt, daß wir ständig über den Islam reden - genau daran erkennt man die Hierarchien, erkennt, wer die Macht hat oder glaubt, sie oder das natürliche Anrecht darauf zu haben - “wir”: die deutschen Nichteinwanderer, Nichtmuslime). Das ist der eine Impuls. Dann gibt es den zweiten: Jetzt schlagen wir zurück. Was die Muslime können - für ihren Glauben streiten, empfindlich sein - das können wir schon lange. Und: Endlich haben wir eine Gelegenheit dazu. Sonst kriegen wir die von den Muslimen ja nicht, die reden einfach nicht über das Christentum. Nun hat es einer getan. Sofort wird die Gelegenheit genutzt, sich im Spiegelstadium mit den beleidigten Muslimen zu profilieren, auf die dümmste, undifferenzierteste Art. Natürlich, die Feuilletons sind jetzt alle pro Navid. Aber das sind die Intellektuellen, vielleicht nur eine optische Täuschung. Ich würde gerne den Briefkasten von Lehmann, Koch und Konsorten sehen. Oder doch lieber nicht: Denn was da an Zustimmung eintrudelt, dürfte einem den Magen umdrehen. Selbst dieser Skandal, überhaupt erst der Skandal und die Kritik an seinen Verursachern, dient deren Sache, der eigenen Profilierung, dem Marketing. Es ist sehr schwer, dieser Dynamik etwas entgegenzusetzen, außer der schonungslosen Analyse. Der Friedenspreis des Buchhandels für Navid, mit Roland Koch zwangsverdonnert in der Paulskirche, das wäre das einzige, was das wieder gutmachen könnte.

Stefan Weidner

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Gaza mit eigenen Augen

Mittwoch, 11. Februar 2009 12:37

Jemand muss doch unsere Geschichte erzählen

Aufzeichnungen aus dem Gazastreifen
Von Esther Saoub

Quelle: SWR.de

Operation “Gegossenes Blei”. Knapp vier Wochen hält die israelische Militäroffensive gegen den Gazastreifen an. In dieser Zeit ist das Kriegsgebiet für Journalisten gesperrt. Sie können die Kampfhandlungen nur von Ferne beobachten. Als Ägypten am 18. Januar den Grenzübergang Rafah für Ärzte und Journalisten öffnet, gehört ARD Korrespondentin Esther Saoub zu den ersten, die in den Gazastreifen einreisen. In ihren Aufzeichnungen erzählt sie von der Begegnung mit Menschen, die vom Krieg erschöpft sind, von ihren Arbeitsbedingungen vor Ort und davon, dass es Momente gibt, in denen auch eine eloquente Journalistin nur noch stumm zuhören kann.

(Sendung vom 10.2.2009)

Direktlinks:
Manuskript auf SWR.de
Audiodatei mp3 (Real Audio)

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Esther Saoub

أحاسيس متغيرة

Montag, 9. Februar 2009 18:35

موقف الرأي العام الألماني من الحرب على غزة

لأسباب تاريخية، تعلن ألمانيا، منذ الخمسينات، عن تضامنها مع إسرائيل. وينطبق الأمر ذاته على الرأي العام الألماني؛ فهو أيضاً دأب على أن يتخذ موقفاً مؤازراً لإسرائيل مؤازرة أكيدة. بيد أن ثمة مؤشرات تشير إلى أن الميل لمناصرة إسرائيل والتضامن معها قد طرأ عليهما تحول منذ بضعة سنوات. تسعى هذه المقالة إلى تحليل الظروف التي أحاطت بنشأة المواقف التي اتخذتها وسائل الإعلام عند عرضها للصراع الفلسطيني-الإسرائيلي والتحولات التي طرأت على هذه المواقف. وسنستشهد، في كل هذا، بالحرب الأخيرة على غزة.

وغني عن البيان أن التصريح الذي أعربت عنه المستشارة الألمانية أنجيلا ميركل قد كان شديد اللهجة من حيث انحيازه لإسرائيل: فبحسب وجهة نظرها، فإن مسئولية اندلاع الحرب تقع على عاتق حماس فقط. وبتقييمها هذا لأسباب اندلاع الحرب، غضت المستشارة الألمانية طرفها عن الحصار الذي فرضته إسرائيل على غزة على مدى سنوات عديدة، وتجاهلت، تجاهلاً تاماً، تاريخ الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني.

وكان هذا التقييم قد أخذ المراقبين السياسيين على حين غرة وذلك لسببين: أولاً لأنه تصريح تنقصه الروح الدبلوماسية؛ وثانياً، لأنه تضمن موقفاً لا يعكس الآراء المختلفة التي يتبناها الرأي العام الألماني حيال هذا الصراع.

ومهما كانت الحال، لا يفوتني هنا أن أنبه، بادئ ذي بدء، إلى أن حديثي التالي عن اتجاهات الرأي العام الألماني لا يمكن توثيقه من خلال البيانات الإحصائية ولا من خلال الدراسة العلمية المعمقة لوسائل الإعلام أو لاستطلاعات الرأي العام. فالزمن لا يزال مبكراً لتوثيق هذه الاتجاهات بالبيانات الإحصائية أو بالدراسة العلمية الموثقة أو باستطلاعات دقيقة للرأي العام؛ أضف إلى هذا وذاك، أني لست باحثاً متخصصاً بمسائل وسائل الإعلام. من ناحية أخرى، لا مراء في أن حتى أدق البيانات الإحصائيات لن تقدم شيئاً ذا بال لهدفنا، الرامي إلى تقييم حديث وسائل الإعلام عن هذه الحرب. وللإحاطة بهذه الحقيقة نود أن نسوق المثال التالي:

فمع أن الكثير من الحقائق تشير بوضوح إلى أن أغلبية الرأي العام الغربي، والرأي العام الألماني على وجه الخصوص، تتخذ، موقفاً مؤازراً لإسرائيل، تزعم إسرائيل ومعها أصدقاؤها أن غالبية وسائل الإعلام تنتهج مواقف مناهضة لإسرائيل وأنها لا أمل لها في أن تخرج منتصرة من حلبة المنافسة على خطب ود جمهور المواطنين في الغرب.[1] والعكس بالعكس بالنسبة للطرف الآخر: فحتى وإن كان بمقدرنا أن نتخذ – في وسائل الإعلام الغربية - موقفاً يميل إلى نصرة الفلسطينيين، فإن من المتوقع جداً أن يظل الفلسطينيون والعرب غير راضين عن أسلوبنا في عرض الصراع الفلسطيني-الإسرائيلي.

استياء يخيم على طرفي النزاع

إن كل طرف من طرفي النزاع يتهم وسائل الإعلام، في الدول غير المعنية بالصراع بنحو مباشر، بأنها تشوه صورة الحقيقة. وتفسير السبب الذي تستند عليه هذه التهمة يسير: فسببها يكمن في أن لا أحد، من طرفي النزاع، يعثر في وسائل الإعلام الغربية، على عرض يتطابق كلية مع تصوراته لحيثيات الصراع، يكمن في أنه ليس ثمة طرف واحد يشعر بأن قضيته تُعرض بنحو مناسب. وفي الواقع، فإن هذا أمر لا غرو منه، فنحن، في أوربا وفي ألمانيا على وجه الخصوص، لدينا، طبعاً، وجهة نظر خاصة بنا بخصوص حيثيات هذا الصراع. وهكذا، ما انفك كل واحد من طرفي النزاع يسيطر عليه إحساس بأن وسائل الإعلام في الدول الغربية لا تنظر للصراع نظرة تتسم بالعدالة والإنصاف.

في السطور التالية، سأحاول التوصل إلى تقييم يترك جانباً تهمة التحيز لطرف واحد ويتجاهلها. فنحن لا نشط كثيراً إذا قلنا بأننا هاهنا حيال تهمة واهية، باطلة؛ ففي هذا الصراع يتهم كلا طرفي النزاع وسائل الإعلام بالتحيز لطرف دون الآخر. وإذا كنا نعترف، بلا تردد، بأن المستشارة الألمانية قد تحيزت، فعلاً، لطرف دون الآخر، إلا أن الأمر البين أيضاً هو أن اتهام وسائل الإعلام بالتحيز لطرف دون الآخر إنما هو اتهام يجافي الحقيقة حقاً وحقيقة.

وإذا كنا نريد الإحاطة علماً بموقف الرأي العام في ألمانيا، فإنه يستحسن بنا، والحالة هذه، أن نركز نظرنا على موقف وسائل الإعلام القريبة من السلطة الحكومية، من ناحية، والمسيطرة على الميدان الإعلامي من ناحية أخرى؛ فموقفها من الصراع، الذي نحن في صدى الحديث عنه، هو المعيار ذو الأهمية هاهنا. وأدرج في عداد هذا النوع من وسائل الإعلام كلاً من الإذاعات المرئية والمسموعة الممولة من قبل الدولة ومن قبل المشاهدين والمستمعين، وكذلك الصحف اليومية وشركات الإعلام الكبيرة (المستقلة وغير الخاضعة لسلطان الحكومة)، وما تقدم هذه الصحف والشركات من برامج إعلامية تبثها على شبكة الإنترنت، أعني على سبيل المثال، وليس الحصر، مجلة “دير شبيغل” (Der Spiegel) الأسبوعية و”شبيغل أون لاين” (Spiegel-Online). حقاً يزيد عدد مشاهدي الإذاعات المرئية التابعة إلى القطاع الخاص على عدد مشاهدي الإذاعات المرئية الممولة من الدولة ومن المشاهدين، إلا أن من حقائق الأمور أيضاً أن هذه الإذاعات لا تحظى بأهمية ذات بال من حيث ما تقدم من تقارير سياسية وأنها، بالتالي، تتبع الاتجاه العام الذي يراه المشاهدون في الإذاعة المرئية التابعة إلى الدولة (وبحسب وجهة نظري، ينطبق الأمر ذاته على الجرائد التي تعتمد الإثارة).

ولو أمعنى النظر في الأسلوب الذي جرى فيه عرض الحرب على غزة في وسائل الإعلام ذات الصلة بالدولة وذات الأهمية من حيث سيطرتها على الساحة الإعلامية، نعم لو أمعنى النظر فيما عرضته وسائل الإعلام هذه خلال الفترة الواقعة بين نهاية أيلول/سبتمبر من عام 2008 ونهاية كانون ثاني/يناير من عام 2009، فإن من حقنا، فعلاً، أن نقول: لقد تناقلت وسائل الإعلام أخبار هذه الحرب وتداعياتها بنحو مكثف حقاً وحقيقة! فهذا الموضوع شغل، على مدى شهر كامل تقريباً، حيزاً كبيراً في الأخبار والتقارير التي بثتها كافة وسائل الإعلام؛ وتأسيساً على هذه الحقيقة، ما كان بوسع أي شخص أن يصم أذنيه ويغمض عينيه عن أخبار هذه الحرب؛ نعم لم يبق أحد يجهل عدد قتلى الطرفين، ولم يبق أحد لا علم له بأن الحقائق والوقائع تُفسر بنحو مختلف وأن الآراء بشأن هذه الحقائق والوقائع تتباين تبايناً عظيماً. وهكذا، فلو تخيلنا وجود مراقب ما كان لديه علم مسبق بهذا الصراع وافترضنا أن هذا المراقب قد تابع الآن ما تنقله نشرات الأخبار والتقارير المقدمة من كافة الصحف والإذاعات المرئية والمسموعة بشأن هذا الصراع، فليس ثمة شك في أن هذا المراقب سيكون حائراً، مبلبل الأفكار، في نهاية المطاف، وأن الأمور ستختلط عليه إلى حد بعيد، فيظل حائراً مشتتاً، حائراً، بشأن الموقف الذي يتعين عليه اتخاذه حيال هذا الصراع.

أحكام مُتخذة سلفاً

إلا أن واقع الحال يشهد على أن غالبية الناس لديهم أحكام مسبقة. وتأسيساً على هذه الحقيقة، فإن من الأهمية بمكان الإشارة هنا إلى صفتين يتميز بهما الألمان في اليوم الحاضر، أعني الصفتين اللتين تلعبان دوراً عظيم الأهمية في تقييمهم للصراع الفلسطيني-الإسرائيلي. فمن ناحية، هناك الشعور العميق بالذنب التاريخي مما اقترفه الألمان بحق اليهود؛ وغني عن البيان أن الشعور بهذا الذنب ينعكس لصالح إسرائيل عندما يحدد الألمان موقفهم من الصراع الذي نحن في صدى الحديث عنه. إلا أن علينا أن نأخذ بالاعتبار أن هذا الشعور بالذنب قد أخذ، مع مرور السنين، يضعف ويتلاشى. ويلحظ المرء، بنحو بين وجلي، تلاشي الشعور بالذنب عند جيل الشباب على وجه الخصوص. بيد أن هذا الجيل لم يتحمل بعدُ مسئولية توجيه وسائل الإعلام واتخاذ القرارات السياسية.

وترتبط الصفة الثانية، التي أود الإشارة إليها هاهنا، بالحرب العالمية الثانية أيضاً: إنها الصفة التي تنعكس في جنوح الألمان إلى مناهضة كافة أنواع الحروب وإيمانهم بمذهب المسالمة (Pazifismus). فبالنسبة لأغلبية الألمان، فإن الحرب واستخدام القوة وسائل مستهجنة لا طائل فيها في حل النزاعات. وعلى خلفية مذهب المسالمة هذا، رفض الألمان المشاركة في الحرب على العراق. وانطلاقاً من الحرب على غزة، لا مجال للشك في أن مذهب المسالمة ليس في صالح إسرائيل: فاستخدام الأسلحة العسكرية، بلا رحمة ومن غير مراعاة للنتائج التي تتمخض عنها، يزري بسمعة إسرائيل في ألمانيا.

وثمة نقطتان لا مندوحة لنا من أن نأخذهما بالاعتبار عندما نريد تقييم موقف الرأي العام الألماني من الحرب التي دارت رحاها في غزة. فالملاحظ هو أن الكثير من مواطني الدول الغربية يعتقدون بأن العوامل التي تربطهم بإسرائيل أمتن بكثير من العوامل التي تربطهم بالعرب. ويقوم هذا الاعتقاد على أسباب عديدة يسيرة الفهم: فإسرائيل تبدو، بالنسبة للمراقب الذي ينظر إليها من الخارج، دولة غربية، أو أوربية. فالكثير من الإسرائيليين من أصول أوربية؛ أضف إلى هذا أن إسرائيل تشكل جزءاً من التراث التاريخي والديني المحفور في وجدان العالم الغربي (أي أنها جزء من ذلك التراث الذي لا يعثر عليه المرء بيسر عند الحديث عن عوامل التشابك مع المشرق العربي). على صعيد آخر، فإن كل طفل في الغرب يعرف اسم إسرائيل من خلال مطالعته للكتاب المقدس.

ومنذ الحادي عش من أيلول/سبتمبر من عام 2001 على وجه الخصوص، يتزامن هذا المزاج المناصر لإسرائيل في ألمانيا والعالم الغربي في المنظور العام، مع وجل من العرب والمسلمين عامة. إن التضامن “المستشعر” (”gefühlte” Nähe) مع إسرائيل يقابله تحفظ “مستشعر” (”gefühlte” Distanz) حيال العرب والمسلمين. وبقدر تعلق الأمر بالحرب على غزة، يتجلى هذا الوجل من خلال التصورات التي ينطلق منها المرء عند تقييمه لحماس على وجه الخصوص. ففي كافة تعليقات وتقارير وسائل الإعلام المسيطرة على الرأي العام سادت نبرة أساسية يستشف المرء منها أن حماس تنظيم شرير لا خير يرتجى منه. وتتجلى هذه النبرة، على وجه الخصوص، من خلال النعوت التي يصف بها المرء حماس بنحو مستمر، نعوت صارت تبدو كما لو كانت حقاً لا ريب فيه. فاسم حماس يكاد ألا يُذكر إلا ومعه نعوت من قبيل “حماس، المنظمة الإسلامية المتطرفة” أو “حماس، المنظمة التي تريد تحقيق أهدافها بقوة السلاح” أو “إرهابيو حماس”. وهكذا، تقارن أكثرية التعليقات حماس بالطالبان وبتنظيم القاعدة.[2]

إن نجاح الدبلوماسية الإسرائيلية بإقناع الإتحاد الأوربي بضرورة إدراج حماس في قائمة المنظمات الإرهابية، كان فوزاً كبيراً يُسجل لصالح أساليب الدعاية الإسرائيلية. فبفضل هذا النجاح، ما عاد اسم حماس يُذكر إلا ومعه النعوت التي أشرنا إليها آنفاً.[3] بيد أن استجابة الاتحاد الأوربي لمطالب الدبلوماسية الإسرائيلية أدى، في نهاية المطاف، إلى إضفاء الشلل على الدبلوماسية الأوربية، فهذه الدبلوماسية لم يعد مسموحاً لها التفاوض مع حماس، فأنَّى لها ذلك إذا كانت حماس مدرجة في قائمة المنظمات الإرهابية؟

وثمة خاصية أخرى تهيمن على سائل الإعلام الغربية وتعمل عملها، أيضاً، وبلا قصد منها، في تحسين صورة إسرائيل: فوسائل الإعلام لدينا تحجم عن عرض جثث القتلى وصور الضحايا والمصابين؛ تحجم عن هذا لأسباب لها علاقة بحرمة القتلى والضحايا. من هنا، فحينما يزيد عدد القتلى الفلسطينيين على 1400 شخص ولا يتجاوز عدد القتلى الإسرائيليين 13 فرداً، فلا ريب في أن الطرف الأقوى هو الذي ينتفع من التقيد بصيانة حرمة الضحايا: حقاً يسدل المرء الستار على ضحايا الطرفين المتصارعين، بيد أن هذا الصنيع يؤدي، طبعاً، إلى تجاهل حقيقة أن القتيل الواحد عند هذا الطرف قابله مائة قتيل عند الطرف الآخر.

شرط رديء، تطور إيجابي

ويمكننا القول، باختصار، إن الشروط الضرورية لاتخاذ موقف مناصر للفلسطينيين، أو لاتخاذ موقف، متوازن على أدنى تقدير، في الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني، غير مواتية، أصلاً، في ألمانيا. وتأسيساً على هذه المعطيات، يبدو ليَّ أن عرض وسائل الإعلام الألمانية لوقائع وتداعيات الحرب على غزة قد انطوى على تطور إيجابي بالنسبة للقضية الفلسطينية. فمنذ اهتمامي الشخصي بهذا الصراع، أي منذ حوالي عشرين عاماً، لم اسمع، إلا ما ندر، تنديداً بإسرائيل يضاهي، من حيث شدته وكثرة الأصوات المعربة عنه، التنديد الذي سمعته في الأسابيع الثلاثة التي دارت فيها الحرب على غزة.

وأود أن أسوق هاهنا مثالين، الأول منهما مستقى من الأيام التي بدأت فيها الحرب، والثاني منهما يعود إلى الأيام التالية على توقف الحرب. وكلا المثالين مأخوذان من البرنامج الأول من الإذاعة المرئية الألمانية، أي مأخوذان من قناة هي أقدم القنوات الألمانية قاطبة وأحد أهم القنوات التلفزيونية شبه الحكومية في ألمانيا. ففي يوم من أول أيام الحرب، وبعدما أعلنت أنجيلا ميركل عن تصريحها المذكور آنفاً، أي تصريحها الذي أعرب فيه عن موقفها المتحيز لإسرائيل، استدعت هذه القناة التلفزيونية الخبير في الشؤون الإسلامية أودو شتاينباخ (Udo Steinbach) وكلفته بأن يقدم تعليقاً على هذا التصريح. وغني عن البيان أن أودو شتاينباخ يتخذ موقفاً ثابتاً من حيث مناصرته للقضية الفلسطينية. وهكذا، راح شتاينباخ ينتقد الحكومة الألمانية ويدافع عن حماس ويدين الهجوم الإسرائيلي. لقد استمع الألمان المنصتون إلى النشرة الإخبارية الرئيسية، أي النشرة الإخبارية التي تُقَدَم في أفضل ساعات البث التلفزيوني، إلى أول صوت يتخذ موقفاً مناصراً للفلسطينيين بلا لف ودوران في الصراع الدائر بين الفلسطينيين وإسرائيل.[4]

إلا أن القناة الألمانية الأولى كانت ستخرج عن عادتها، فيما لو كانت قد تركت وجهة النظر، التي أعرب عنها خبير الشؤون الإسلامية في سياق تعليقه المناصر للقضية الفلسطينية، بلا صوت يرد عليها. فبعد استطلاع رأي شتاينباخ مباشرة ظهر على الشاشة محرر من محرري القناة ليقدم تعليقاً يساند إسرائيل مساندة تامة. وهكذا كان بمستطاع المشاهدين أن يقرروا لأنفسهم ما إذا كان من حقهم أن يصدقوا ما يقوله لهم شتايناباخ أو أن يأخذوا بوجهة النظر “الرسمية” التي تقدمها لهم القناة التلفزيونية الممولة من قبل الدولة، أي وجهة النظر التي أعرب عنها المحرر المكلف بتقديم التعليق. ولا ريب في أن المشاهد، الذي لم تكن لديه فكرة واضحة حول الصراع، قد ظل في حيرة وارتباك حيال وجهات النظر المتناقضة.

وبعد فترة قصيرة من انتهاء العمليات الحربية، كان بوسع المرء أن يلحظ الظاهرة عينها في برنامج تلفزيوني معروف بمحاوراته السياسية العنيفة (Polit-Talkshow)، أعني برنامج “Hart aber Fair” (”صارم ولكن منصف”). فانطلاقاً من عنوان مفاده: “حطام دموي في غزة – إلى أي مدى علينا أن نساند إسرائيل ونتضامن معها” راح المدعون يناقشون الحرب على غزة.[5] وكان الأمر الملفت للنظر هو أن ثلاثة من الخمسة أشخاص المدعوين للمناقشة قد اتخذوا موقفاً مناصراً لوجهة النظر الفلسطينية. إلا أن هذه الحقيقة لا تجيز لنا القول بأن النقاش قد انتهى بإدانة الهجوم الإسرائيلي. إن واقع الحال يشهد على أن الحيرة قد نشرت ظلالها هنا أيضاً، أي أنها ظلت على ما كانت عليه في بداية الحرب على غزة: فكل واحد كان يقاطع الآخر وكل طرف كان يصرخ في وجه الطرف الآخر. في ختام الندوة التلفزيونية المعنية ما كان للمشاهدين غير الشعور بأن وجهة نظرهم المتخذة مسبقاً هي الصواب بعينه؛ فمن خلال النقاش المنفعل ما كان بمستطاع المشاهد أن يضيف شيئاً جديداً إلى معلوماته.

حيرة في كل مكان

إن الحيرة التي لمسناها في هذه البرامج التلفزيونية تعكس، عموماً، الحيرة الناشرة ظلالها على الماسكين بزمام وسائل الإعلام. فعلى ما يبدو، فإن المسئولين عن إدارة دفة وسائل الإعلام ما عادوا، هم أنفسهم، على بينة من الصورة التي يريدون إيصالها إلى الجمهور العام، باعتبار أنها هي الصورة الصحيحة. وتوحي هذه الحيرة بأن مشاعر التعاطف السائدة في وسائل الإعلام وبين الجمهور لم تعد، في ألمانيا ككل، مع إسرائيل بنحو سافر وأكيد.

وتؤدي هذه الحيرة إلى تخلي الجمهور عن إعطاء حكم واضح. بيد أن عدم وجود حكم قاطع، عدم وجود تغير ملحوظ في الرأي العام، يصب، في نهاية المطاف، في مساندة الوضع القائم فقط، يصب في مساندة السياسية السائدة والوضع القائم فقط. وغني عن البيان أن إسرائيل هي المستفيدة من هذه المساندة، وذلك لأنها هي الطرف الأقوى بحسب كافة المقاييس.[6] وهكذا، فإن بقاء كافة الأمور على حالها برغم كافة النقاشات والمجادلات، يعني أن إسرائيل قد ظلت تحافظ على تفوقها وأن السياسة الألمانية والأوربية (ومعها المستشارة الألمانية) ليست بحاجة إلى تغيير موقفها.

ولكي نفلح في تقييم النتيجة المترتبة على هذه الحيرة، لا مندوحة لنا من أن نأخذ بالاعتبار موضوعاً آخر: إن الكثير من المواطنين الألمان يعتقدون فعلاً أن الحرب على غزة قد كانت حرباً وحشية، أنها كانت حرباً قد أفرطت في استخدام القوة بنحو بين، وأنها، بالتالي، كانت خطأ فادحاً. إلا أن توجيه الانتقاد إلى إسرائيل لا يعني بالضرورة أن المرء صار يكن تعاطفاً أكيداً للفلسطينيين. ويكمن تفسير هذه الحقيقة فيما كنا قد أشرنا إليه آنفاً: الصورة السلبية التي يرسمها المرء للإسلام والعرب بنحو عام. وعلى الصعيد نفسه، فبما أن أكثرية المواطنين والسياسيين الأوربيين يعتبرون حماس منظمة إرهابية، لذا زاد تولي حماس الحكم في غزة من صعوبة التعاطف مع الفلسطينيين.

من هنا، فإني أعتقد بأن النقد الموجه إلى إسرائيل والشفقة على الفلسطينيين أمران لا تقف خلفهما دوافع سياسية، بل دوافع إنسانية. ومع أن الجمهور الألماني كثيراً ما يعلن عن شكواه من المصائب النازلة بالسكان المدنيين في غزة، إلا أن رثاء حال الفلسطينيين نادراً ما يرافقه تحليل سياسي للوضع القائم. ومعنى هذا هو أن الكثير من الألمان يتعاطفون مع الفلسطينيين كبشر، لكن القليل منهم يناصر القضية الفلسطينية. وغني عن البيان أن الفصل بين البشر وقضيتهم أمر ينطوي على تناقض، ينطوي على تجريد يبدو منطقياً، لنا فقط، نحن القاطنين في أواسط أوربا المستظلة بالأمن والسلام. فواقع الحال يشهد على أنه لا يمكن الفصل بين الفلسطينيين وقضيتهم.

ولكنا دعونا نتصور الآن أن الفلسطينيين، أو أن العرب جميعاً، قد أخذوا يطبقون سياسة إعلامية أكثر مهارة وأتقن براعة (في الحقل الصحفي على سبيل المثال). ودعونا نمضي قدماً في تصوراتنا ونفترض أنهم صاروا يتوافرون على سلك دبلوماسي أفضل وأنهم أمسوا، داخلياً، أقلل تطاحناً وانقساماً؛ ولنتوسع في تصوراتنا ونفترض أن الفلسطينيين، أو لنقل أن العرب ككل، قد انتهجوا إستراتيجية موحدة، واقعية، لتسوية الصراع؛ لو حدث هذا كله فعلاً، لا ريب في أن إسرائيل ستخرج مندحرة من حلبة المنافسة على كسب ود الرأي العام الألماني والأوربي طالما ظلت مصرة على تطبيق سياستها الراهنة؛ وعندئذ لن يدوم الأمر زمناً طويلاً حتى تخسر السياسية الإسرائيلية الدعم غير المشروط الذي تمن به عليها الحكومات الأوربية.

وبرغم كل ما تتمتع به إسرائيل من شروط أفضل، أعني الشروط التي أشرنا إليها أعلاه، يلاحظ المراقب، لما بثته وسائل الإعلام الألمانية بشأن الحرب على غزة، أن ثمة حراك في وسائل الإعلام. ومع أن الحيرة المذكورة آنفاً فد كانت في صالح إسرائيل في الوهلة الأولى، إلا أن هذه الحيرة يجب أن تُفسر كتقدم، كخطوة نحو الأمام: فقبل بضعة سنوات خلت، ما كانت هناك حيرة، فالمسئولون في وسائل الإعلام التابعة للدولة كانوا يعتقدون بأنهم على بينة من الموقف الذي ينبغي بهم اتخاذه في هذا الصراع: مساندة إسرائيل والوقوف إلى جانبها في كل الأحوال. إن هذا الزمن قد مضى وانتهى. من هنا، فإني واثق من أن الفلسطينيين والعرب سيحققون نفعاً أكيداً فيما لو بذلوا جهداً أكبر ونشاطاً أقوى من الجهد والنشاط اللذين يبذلونهما حالياً في المراهنة على كسب ود الرأي العام في أوربا: فإذا كانت القضية الفلسطينية قضية عادلة، فلا مراء في أن هناك الأمل القوي في أن يجري، إن عاجلاً أو آجلاً، النظر إلى الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني بالنحو الذي تقتضيه الحقائق وتدعمه الوقائع.

شتيفان فايدنر (Stefan Weidner)

ترجمة: عدنان عباس

يتولى شتيفان فايدنر رئاسة تحرير مجلة فكر وفن (Art & Thought). والنص أعلاه يرتكز على محاضرة ألقاها شتيفان فايدنر في الرابع عشر من شباط/فبراير من عام 2009 في رحاب معهد غوته في رام ألله.


[1] على ما يبدو، تستخلص إسرائيل من هذا التقييم أنه لا يجوز لها أن تكترث بالمواقف التي يتخذها الرأي العام، فبذلها الجهد للفوز بكسب ود الرأي العام يعني خوض معركة خاسرة، وبالتالي فإن على إسرائيل أن تفعل ما يطيب لها فعله. راجع بها الشأن صحيفة NZZ، عدد 19.1.08، الصفحة رقم 3.

[2] إن وصف حماس بنعوت من قبيل “المنظمة الإسلامية المتطرفة” صار يعني - عقب الحادي عشر من أيلول/سبتمبر، وعلى خلفية تصورات حكومة بوش – الحرمان من كل الحقوق المدنية: فالشخص الذي يُوصف بالمتطرف أو الإرهابي أمسى، بحسب مفهوم إدارة بوش والحكومة الإسرائيلية، شخصاً مهدور الدم، شخصاً يمكن تصفيته جسدياً واختطافه واعتقاله وتعذيبه. ووجهة النظر هذه ليست حبراً على ورق، بل هي إجراء جرى تطبيقه فعلاً. من هنا، وعلى خلفية وجهة النظر هذه، فإن المرء الذي يستخدم نعوتاً من قبيل “المنظمة الإسلامية المتطرفة” عند تسميته لحماس، إنما يتبنى، عن وعي أو بلا وعي، وجهة نظر إسرائيل وسياساتها. وتبقى هذه الحقيقة قائمة حتى وإن افترضنا جدلاً أن حماس تنظيم إسلامي متطرف؛ فالأمر الذي لا ريب فيه هو أن حقوق الإنسان تسري على المتطرف الإسلامي أيضاً؛ فحتى ذلك المرء الذي لا يحترم حقوق الإنسان، يتمتع بهذه الحقوق ولا يجوز اعتباره مهدور الدم بأي حال من الأحوال.

[3] وغني عن البيان أن بوسع كل كاتب أن يستغني عن هذه النعوت. فأنا شخصياً لم استخدم هذه النعوت أبداً في تعليقاتي على الصراع الفلسطيني-الإسرائيلي.

[6] ففي حرب يتكبد فيها أحد طرفي الصراع 13 قتيلاً والطرف الآخر 1400 قتيل، فإن معنى انقسام الرأي العام إلى قسمين متكافئين حيال هذا الصراع يعني لا محالة أن هذه الحرب قد كانت بالنسبة للطرف الفلسطيني كارثة تفوق بمائة مرة الكارثة التي حلت بالطرف الآخر. وبالتالي، فحينما يسيء الرأي العام التقدير لإسرائيل، فإن هذا يعني أنه أساء تقدير 13 قتيلاً. أما إذا أساء تقدير الطرف الفلسطيني، فإن هذا يعني أنه أساء تقدير 1400 قتيل.

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Stefan Weidner

Verwirrung allenthalben

Sonntag, 25. Januar 2009 18:22

Der Gaza-Krieg in der deutschen Öffentlichkeit

Seit den fünfziger Jahren ist Deutschland aus historischen Gründen mit Israel solidarisch. Auch die öffentliche Meinung hatte immer eine entschieden pro-israelische Tendenz. Es gibt jedoch Indizien, dass sich dies seit einigen Jahren langsam ändert. Der folgende Beitrag analysiert die Ausgangsbedingungen und Verschiebungen in der medialen Darstellung des palästinensisch-israelischen Konflikts am Beispiel des jüngsten Gaza-Krieges.

Die Stellungnahme der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Beginn des Gaza-Krieges war überraschend einseitig: Ihr zufolge hatte allein die Hamas Schuld an diesem Krieg. Mit diesem Urteil blendete die Bundeskanzlerin die jahrelange Blockade des Gaza-Streifens durch Israel sowie die Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts völlig aus.

Überraschend war dieses Urteil aus zwei Gründen: Erstens weil es ist diplomatisch ungeschickt ist, und zweitens, weil es in seiner Einseitigkeit nicht die Meinungsvielfalt spiegelt, die in der deutschen Öffentlichkeit zu diesem Konflikt zu finden war.

Meine folgenden Ausführungen zu diesem Meinungsbild in der deutschen Öffentlichkeit können sich nicht auf Statistiken stützen, nicht auf eine wissenschaftliche Auswertung der Medien oder auf Umfragen. Dafür ist es noch zu früh, und ich bin kein Medienwissenschaftler. Wenn unser Ziel eine Bewertung dieser Berichterstattung ist, wäre uns aber selbst mit einer gründlichen Statistik vermutlich nur wenig geholfen. Zur Erläuterung das folgende Beispiel:

Obwohl vieles dafür spricht, dass die westliche und besonders die deutsche Öffentlichkeit mehrheitlich eine pro-israelische Haltung einnimmt, wird von Israel und seinen Freunden behauptet, dass die Medien mehrheitlich gegen Israel sind, dass der Kampf um die Gunst des Publikums im Westen für Israel verloren sei. Dasselbe gilt umgekehrt: Selbst wenn wir eine pro-palästinensische Tendenz in den westlichen Medien erkennen könnten, wären die Palästinenser und die Araber mit der Darstellung des Konflikts wahrscheinlich nicht zufrieden.

Beiderseitige Unzufriedenheit

Jede Seite wirft den Medien der nicht direkt betroffenen Staaten vor, das Bild zu verzerren. Der Grund für diesen Vorwurf ist leicht erklärt: Es liegt daran, dass keine Seite ihre eigene Sicht vollständig wiederfindet, dass sich keine Seite angemessen vertreten fühlt, weil wir in Europa und besonders in Deutschland natürlich unsere eigene Sicht auf den Konflikt haben. Daher hat jede der beiden Seiten das Gefühl, dass der Konflikt nicht gerecht gesehen wird.

Im Folgenden will ich versuchen, zu einer Bewertung jenseits des Vorwurfs der Einseitigkeit zu kommen. Dieser Vorwurf stimmt wahrscheinlich schon deshalb nicht, weil beide Seiten in diesem Konflikt den Medien Einseitigkeit vorwerfen. Die deutsche Bundeskanzlerin war einseitig. Die Medien nicht.

Wenn wir die öffentliche Meinung in Deutschland beurteilen wollen, ist es am sinnvollsten, die staatsnahen und mainstream Medien zum Maßstab zu nehmen. Das Meinungsbild hier entscheidet über die öffentliche Meinung in Deutschland insgesamt. Zu diesen Medien zähle ich die öffentlich-rechtlichen (von den Fernsehzuschauern und Radiohörern durch Gebühren mitfinanzierten) Rundfunkanstalten (ARD und ZDF), sowie ferner die großen (unabhängigen und nichtstaatlichen) Tageszeitungen und Medienkonzerne, einschließlich ihrer Aktivitäten im Internet, also zum Beispiel „Der Spiegel“ und Spiegel-Online. Das Privatfernsehen hat zwar noch mehr Zuschauer als das öffentliche, bringt jedoch nur sehr wenig politische Berichterstattung und bleibt im Rahmen dessen, was auch im öffentlich-rechtlichen TV zu sehen ist (ähnliches gilt meiner Ansicht nach für die Boulevard-Presse).

Wenn wir uns anschauen, wie sich der Gaza-Krieg in diesen staatsnahen und mainstream Medien von Ende September bis Ende Januar 2009 dargestellt hat, dürfen wir zunächst sagen: Er wurde sehr intensiv dargestellt! Ungefähr einen Monat lang war dieses Thema in allen Medien breit repräsentiert, es war unmöglich, nicht davon zu erfahren, nicht die Zahlen der Toten auf beiden Seiten zu kennen, und ebenso war es unmöglich, nicht davon zu erfahren, dass die Fakten unterschiedlich gedeutet werden und dass die Meinungen dazu weit auseinandergehen. Stellen wir uns einen imaginären Beobachter vor, der keine vorgefasste Meinung zu diesem Konflikt gehabt hätte und alle Zeitungen sowie Radio- und Fernsehberichterstattungen zum Konflikt verfolgt hätte: Ein solcher Beobachter müsste am Ende sehr verwirrt sein und wüsste wahrscheinlich nicht, was er denken und wie er darüber urteilen soll.

Vorgefasste Meinungen

Allerdings haben die meisten Menschen bereits eine vorgefasste Meinung. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auf zwei Eigenschaften der Deutschen heutzutage hinzuweisen, die in der Beurteilung des Konflikts für uns eine große Rolle spielen. Zum einen wäre die tiefe Scham und historische Schuld der Deutschen gegenüber den Juden zu nennen; dieses Gefühl schlägt in der Beurteilung des Konflikts zum Vorteil Israels aus. Wir müssen jedoch bedenken, dass dieses Gefühl der Schuld mit den Jahren allmählich verblasst. In der jüngeren Generation ist das Verblassen des Schuldgefühls deutlich zu spüren. Diese Generation hat in den Medien und in der Politik jedoch noch nicht die Verantwortung.

Die zweite Eigenschaft, auf die ich hinweisen möchte, hat ebenfalls mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun: Es ist der weit verbreitete Pazifismus der Deutschen. Krieg und Gewaltanwendung gelten den meisten als schlechte und untaugliche Mittel zur Konfliktlösung. Dieser Pazifismus hat die Deutschen davon abgehalten, am Irak Krieg teilzunehmen. In Bezug auf Gaza wirkt sich dieser Pazifismus zum Nachteil Israels aus: Die rücksichtslose Anwendung von kriegerischen Mitteln schadet dem Ansehen Israels in Deutschland.

Zwei weitere Punkte müssen wir erwähnen, wenn wir die öffentliche Meinung in Deutschland zum Gaza-Krieg gerecht beurteilen wollen. Viele Menschen im Westen können sich mit Israel leichter identifizieren als mit den Arabern. Dafür gibt es mehrere verständliche Gründe: Israel wirkt, jedenfalls von außen, wie ein westlicher, europäischer Staat. Viele Israelis haben europäische Wurzeln, und zudem ist Israel ein Teil des geschichtlichen und religiösen Selbstverständnisses des Abendlands (was für den arabischen Nahen Osten so nicht ohne weiteres gilt). Jedes Kind im Westen kennt den Namen Israels schon aus der Bibel.

Diese insgesamt pro-israelische Grundstimmung in Deutschland und im Westen paart sich besonders seit dem 11.9.2001 mit Angst vor den Arabern und Muslimen im Allgemeinen. Der „gefühlten“ Nähe zu Israel steht eine „gefühlte“ Distanz zu Arabern und Muslimen gegenüber. Im Fall des Gaza-Krieges wirkt sich diese Angst vor allem auf die Wahrnehmung der Hamas aus. Durch alle Kommentare und Berichterstattungen in den mainstream Medien zieht sich der Grundton, dass die Hamas schlecht ist. Dies äußert sich vor allem in feststehenden Redewendungen. Die Nennung der Hamas wird häufig begleitet von Beiwörtern wie „die radikalislamische Hamas“ oder „die militante Hamas“ oder es ist die Rede von den „Hamas-Terroristen“. In vielen Kommentaren wird die Hamas daher auch mit den Taliban und Al-Qaida verglichen.

Dass es der israelischen Diplomatie gelungen ist, die europäische Union dazu zu bewegen, die Hamas auf die Liste der Terrororganisationen setzen zu lassen, erweist als sich als großer israelischer Propagandaerfolg. Das Ergebnis die erwähnte Spracheregelung, sobald die Hamas erwähnt wird, das Ergebnis ist aber auch eine Lähmung der europäischen Diplomatie, die mit der Hamas nicht verhandeln darf, weil sie auf der Liste der terroristischen Organisationen steht.

Eine weitere Besonderheit der westlichen Medien wirkt sich unbeabsichtigt ebenfalls positiv für die Wahrnehmung Israels aus: In unseren Medien werden keine Leichen gezeigt, keine Opfer, keine Schwerverletzten. Dies geschieht aus Gründen der Pietät. Wenn es aber über 1400 palästinensische Opfer gibt und nur 13 israelische, profitiert von dieser Pietät natürlich die stärkere Seite: Auf beiden Seiten werden die Opfer unsichtbar, aber auf der einen sind es hundert Mal so viele wie auf der anderen.

Schlechte Voraussetzung, positive Entwicklung

Wir können also zusammenfassen, dass die Grundvoraussetzungen für eine pro-palästinensische oder auch nur ausgeglichene Wahrnehmung des israelisch-palästinensischen Konflikts in Deutschland schlecht sind. Angesichts dessen scheint mir jedoch, dass die Darstellung des Gaza-Kriegs in den deutschen Medien eine für die palästinensische Sache positive Entwicklung aufweist. Seit ich persönlich diesen Konflikt verfolge, also seit rund 20 Jahren, habe ich selten so viele Israel-kritische Stimmen gehört wie in den drei Wochen des Gaza-Krieges und danach. Es war unmöglich, diese Israel-kritischen Stimmen zu überhören.

Ich möchte zwei Beispiele geben, eins vom Anfang des Krieges, das andere aus den Tagen danach. Beide stammen aus dem Ersten Deutschen Fernsehen der ARD, dem ältesten und einem der wichtigsten staatsnahen Fernsehsender in Deutschland. An einem der ersten Tage des Krieges, nachdem Angela Merkel ihr eingangs erwähntes einseitiges Statement pro Israel äußerte, lud der Sender den Islamwissenschaftler Udo Steinbach als Kommentator ein. Steinbach vertritt eine entschieden pro-palästinensische Haltung. Er kritisierte die deutsche Regierung, verteidigte die Hamas und verurteilte den israelischen Angriff.  Zur besten Sendezeit hörten die Zuschauer in den Nachrichten über den Konflikt als erstes eine klare, pro-palästinensische Stellungnahme.

Aber das deutsche Fernsehen wäre nicht das deutsche Fernsehen, wenn es diese pro-palästinensische Meinung eines Fachmanns ohne Widerspruch hingenommen hätte. Direkt in Anschluss an das Interview mit Steinbach brachte der Sender einen Kommentar von einem Redakteur des Senders, der eindeutig pro-israelisch war. Die Zuschauer standen also vor der Wahl, dem Fachmann Steinbach zu glauben oder der „offiziellen“ Sichtweise des öffentliche-rechtlichen Senders (ARD), welche sich im Kommentar ausdrückte. Der Zuschauer, der nicht schon vorher eine klare Meinung hatte, musste zwangsläufig verwirrt werden.

Dasselbe Phänomen ließ sich kurz nach dem Krieg in einer populären Polit-Talkshow, mit dem Namen „Hart aber fair“ beobachten. Unter dem Thema: „Blutige Trümmer in Gaza - wie weit geht unsere Solidarität mit Israel“ wurde über den Gaza-Krieg diskutiert. Auffällig war, dass von den fünf eingeladenen Diskussionsteilnehmern drei eine pro-palästinensische Position vertraten. Dennoch kann man nicht sagen, dass die Diskussion mit dem Ergebnis endete, dass der israelische Angriff zu verurteilen ist. Vielmehr zeigte sich die gleiche Verwirrung wie bereits am Anfang des Gaza-Krieges: Alle redeten durcheinander, die Diskussionsteilnehmer schrien sich gegenseitig an. Am Ende konnte sich jeder Zuschauer in seiner vorgefassten Meinung bestätigt fühlen; aus der emotional geführten Diskussion konnte man nicht lernen.

Verwirrung allenthalben

Die Verwirrung in diesen Sendungen spiegelt die Verwirrung der Medienmacher im Allgemeinen wieder. Die Verantwortlichen in den Medien wissen offensichtlich selber nicht mehr, welches Bild sie vermitteln wollen, welches Bild das richtige ist. Das deutet darauf hin, dass in den deutschen Medien und in der Öffentlichkeit insgesamt die Sympathien nicht mehr eindeutig pro Israel sind.

Das Ergebnis dieser Verwirrung ist der Verzicht auf ein klares Urteil. Ohne ein klares Urteil, ohne eine klare Änderung der öffentlichen Meinung, wird aber nur der status quo, die bestehende Politik und Situation unterstützt. Als in jeder Hinsicht stärkere Partei profitiert davon Israel. Wenn trotz aller Diskussionen am Ende doch alles gleich bleibt, bleibt die Überlegenheit Israels bestehen, und die deutsche und europäische Politik (incl. Bundeskanzlerin) braucht ihre Position nicht zu ändern.

Wenn wir die Wirkung dieser Verwirrung beurteilen wollen, müssen wir einen weiteren Punkt bedenken: Viele Menschen in Deutschland glauben durchaus, dass der Gaza-Krieg in der brutalen Form, in der er geführt wurde, unangemessen oder falsch war. Israel zu kritisieren, bedeutet in Deutschland jedoch nicht, eine direkte Sympathie mit den Palästinensern zu empfinden. Das liegt nicht zuletzt an dem erwähnten negativen Image des Islams und der Araber im Allgemeinen. Und weil wie gesagt die Hamas in Europa von den meisten Menschen (wie von der Politik) für eine Terrororganisation gehalten wird, hat die Machtübernahme der Hamas die Sympathie für die Palästinenser zusätzlich erschwert.

Ich vermute daher, dass die Kritik an Israel und das Mitleid mit den Palästinensern nicht politisch motiviert sind, sondern humanitär. In der deutschen Öffentlichkeit wird das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza beklagt, aber nur selten wird die Situation politisch analysiert. Viele Deutschen sind für die Palästinenser als Menschen, aber nur wenige für die palästinensische Sache. Diese Trennung zwischen den Menschen und ihren Anliegen ist ein Paradox, eine Abstraktion, die uns nur im sicheren Mitteleuropa schlüssig vorkommt. In Wirklichkeit hängt beides untrennbar zusammen.

Stellen wir uns aber jetzt vor, die Palästinenser oder die Araber insgesamt würden eine geschicktere Öffentlichkeitsarbeit machen. Stellen wir uns weiter vor, sie hätten eine bessere Diplomatie und wären weniger zerstritten; stellen wir ebenfalls vor, die Palästinenser und die Araber insgesamt hätten eine gemeinsame und realistische Strategie zur Lösung dieses Konflikts; nun, in einem solchen Fall könnte Israel mit seiner gegenwärtigen Politik den Kampf um die Sympathie der deutschen und europäischen Öffentlichkeit verlieren; und dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die israelische Politik die bedingungslose Unterstützung durch die europäischen Regierungen verliert.

Trotz der erwähnten, wesentlich besseren Grundvoraussetzungen für Israel hat die Berichterstattung über den Gaza-Krieg in Deutschland gezeigt, dass sich in den Medien etwas bewegt. Obwohl die genannte Verwirrung vorerst Israel nützt, ist sie als ein Fortschritt zu werten: Noch vor wenigen Jahren gab es keine Verwirrung, weil die Verantwortlichen in den öffentlich-rechtlichen Medien zu wissen glaubten, welche Position in diesem Konflikt einzunehmen war: eine pro-israelische. Diese Zeit ist vorbei. Ich glaube daher, dass es sich für die Palästinenser und Araber lohnt, den Kampf um die öffentliche Meinung in Europa mit einer größeren Entschiedenheit als bisher aufzunehmen: Sofern palästinensische Sache gerecht ist, besteht die Hoffnung, dass auch die israelisch-palästinensische Auseinandersetzung eines Tages so wahrgenommen wird, wie es die Tatsachen gebieten.

© Stefan Weidner

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Stefan Weidner