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Niebel ante Gaza

Sonntag, 20. Juni 2010 12:17

Rumms - das hat gesessen: Die israelische Regierung hat dem deutschen Entwicklungsminister Dirk Niebel am 20. Juni die Einreise nach Gaza untersagt. Mit deutschen Geldern errichtete Kläranlagen besichtigen? Kommt nicht in die Tüte. Da half es offenbar auch nichts, dass Niebel Vize der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist. Interessieren würde mich, ob  die Affäre sich auf Deutschlands Zusammenarbeit mit dem internationalen Kooperationszentrum des israelischen Aussenministeriums “Mashav” auswirkt. Die sollte ja eigentlich intensiviert werden. Pikante Entwicklung!

Interessant übrigens auch, wie unterschiedlich die Perspektiven ausfallen können. “Niebel legt sich mit Israel an”, titelte ein deutsches Leitmedium. Auf wessen Konto geht der “diplomatische Eklat” denn nun?

Thema: Allgemein, Notizen aus Mangalistan | Comments Off | Autor: Martina Sabra

Gaza, wo lag das noch mal?

Montag, 31. Mai 2010 10:09

3.6.2010

Rifat Audeh, der Kollege von den Amman Filmmakers (s. das Statement von Hazim Bitar in meinem Beitrag vom 31.5.) ist wohlbehalten nach Amman zurückgekehrt. Mehr hier

31.5.2010

Seit Monaten gab es in deutschen Medien kaum noch Berichte über die Entwicklungen in Gaza/Palästina. Auch die Auseinandersetzungen um die Hilfslieferungen auf Zypern in den Tagen vor dem Massaker waren in den deutschen Medien kein Thema. Das wundert kaum, angesichts der unglaublich hasserfüllten Hetzkampagnen sogenannter “Israelfreunde” gegen unabhängige, kritische Journalisten und angesichts der Tatsache, dass der Axel Springer Verlag seine MitarbeiterInnen bei der “Bild” und der “Welt” per Redaktionsstatut auf bedingungslose Solidarität mit Israel verpflichtet. Beide Blätter zusammen haben eine Auflage von über drei Millionen und erreichen täglich schätzungsweise 11 Millionen LeserInnen in Deutschland (nur Print, online nicht mitgerechnet). Da haben engagierte Informationsdienste wie EI oder bittere Zitronen kaum eine Chance.

Wären die KollegInnen hierzulande unabhängig, hätten sie die öffentliche Aufmerksamkeit statt auf Lenas Liedchen zwischendurch auch einmal in Richtung östliches Mittelmeer gelenkt: vielleicht wäre die internationale Gemeinschaft etwas früher aufgewacht und vielleicht hätte das sinnlose Töten verhindert werden können. Doch Leitmedien wie die “Welt” konzentrierten sich stattdessen darauf, Henning Mankell als Islamistenfreund und als Antisemiten zu brandmarken. Ein bodenloser Quatsch, aber anscheinend marktfähig. Peinlich, peinlich.

Die meisten MedienmacherInnen hierzulande stecken den Kopf in den Sand, statt professionell und realitätsnah über den Nahostkonflikt zu berichten. Die totale israelische Nachrichtensperre wird bislang weitgehend kommentarlos hingenommen, das Schicksal hunderter ENTFÜHRTER Menschen provoziert auch nach zwei Tagen so gut wie keine offiziellen Proteste. Kritische Nachfragen der Medien an israelische Offizielle oder Korrespondenten? Fehlanzeige.

Immerhin - einige sehr mutige KollegInnen widersetzen sich der kollektiven intellektuellen Selbstaufgabe. Chapeau!

Meine Anteilnahme und mein Mitgefühl gelten den Angehörigen derer, die für die Menschenrechte der PalästinenserInnen ihr Leben gelassen haben. Meinen Respekt zolle ich denen, die ihr Leben und ihre körperliche Unversehrtheit für die Freiheit der Menschen in Gaza riskiert haben.  Man sollte nun auch darüber nachdenken, wie man den Opfern und ihren Angehörigen praktisch helfen kann.

Und dann sollte man mit dem Sammeln für das nächste Schiff beginnen.

Martina Sabra

P.S. Der Filmemacher Hazim Bitar aus Jordanien sandte mir heute folgendes statement. Einer seiner Kollegen befand sich auf dem angegriffenen Schiff. Ich bin gespannt, was aus ihm geworden ist.

May 31, 2010

Friends,

Our deepest sympathies and sincere condolences to the families and loved ones of the humanitarian aid workers whose lives were cut short by Israeli piracy this morning in international waters outside the shores of the besieged Gaza strip. Nothing we say can express our horror at this crime.

We have lost contact with a fellow filmmaker from the Cooperative, who was on board the raided flotilla. Our heart goes out to his family in these difficult times.

We stand in solidarity with those courageous humanitarian aid workers who put their lives in harm’s way to bring humanitarian relief to the Palestinians of Gaza. We pray for the safe and speedy return of the remaining hostages who were captured and taken to Israel.

The civilized world must live up to its declared values not just in words but deeds to protect the lives of humanitarian aid workers everywhere and to bring an end to the siege which transformed Gaza into the largest open air prison for 1.5 million Palestinians. This comes after an Israeli invasion of Gaza which killed over 1400 Palestinians, most of them women and children.

From the Filmmakers of the Amman Filmmakers Cooperative

http://JordanianFilms.com


Thema: Briefe, Notizen aus Mangalistan | Comments Off | Autor: Martina Sabra

Brief aus Gaza

Donnerstag, 19. Februar 2009 16:04

Raeds Geschichte

Am Ende habe ich es doch bis nach Gaza geschafft. Als ich Mitte Januar nach Israel reiste, um im ARD-Hörfunk-Studio in Tel Aviv auszuhelfen, war nicht klar, ob die israelische Regierung den Gazastreifen für Journalisten wieder öffnen würde. Seit Beginn der Militäroffensive hatten die ausländischen Reporter in Israel darauf gewartet, die Grenze passieren zu dürfen, um mit eigenen Augen das zu sehen, worüber sie drei Wochen lang täglich berichten mussten. Doch schließlich beugte sich die israelische Regierung dem Druck der internationalen Presse und der Entscheidung des Obersten Gerichts des Landes und ließ ausländische Journalisten – eine knappe Woche nach Beendigung der Kämpfe - wieder ohne Einschränkung nach Gaza. Und so konnte ich zum ersten Mal seit einem Jahr wieder in den kleinen elenden Landstrich einreisen, an den ich mein Herz gehängt habe.
Raed holte mich am Grenzübergang Erez ab. Raed, der Taxifahrer, Bodyguard und lokaler Mitarbeiter für ausländische Journalisten, ist über die vielen Jahre, in denen ich mit ihm gearbeitet habe, auch zu einem Freund geworden.
Er versuchte ein kleines Lächeln, das ihm jedoch nicht so richtig gelingen wollte. Wir stiegen in den klapprigen Mitsubishi, den er sich geliehen hatte, denn sein stolzes gelbes Taxi gibt es nicht mehr. Es lag plattgewalzt neben den Trümmern seines Hauses.

Während der Dauer der israelischen Offensive hatte ich keinen Kontakt zu Raed. Über gemeinsame Freunde erfuhr ich, dass er lebt, und dass er sich mit seiner Familie in Sicherheit bringen konnte.
Erst am Tag nach dem Beginn des Waffenstillstands konnten wir wieder telefonisch miteinander sprechen. Als ich ihn erreichte, stand er gerade auf den Trümmern seines Hauses in Jebalya. Er war fassungslos. „Mein Haus ist weg“, sagte er. „Es ist weg, einfach weg. Es ist nichts mehr da.“ Und verzweifelt fügte er hinzu: „Kannst Du uns helfen? Bitte, kannst Du uns ein Zelt schicken?“
Raeds Haus war zerstört, das Haus seiner Eltern und seines Bruders auch. Sein Taxi war von einem israelischen Panzer zermalmt worden. Das alles wusste ich schon aus unseren Telefongesprächen und von den Beschreibungen meiner Kollegen, die vor mir in Jebalya waren und Raed und seine Familie besucht hatten. Trotzdem war ich auf den Anblick, der sich mir bot, als wir in das Viertel Abed Rabbo in Jebalya fuhren, nicht vorbereitet. Es sah wie nach einem Erdbeben aus. Links und rechts der Staubpiste, die einmal eine Straße gewesen war, gab es nur noch Ruinen. Überall liefen Menschen herum, ziellos, wie in Trance. Manche suchten in den Trümmern ihrer Häuser nach noch verwertbaren Gegenständen, andere schichteten die wenigen unbeschädigten Steine auf, die man wieder verwenden können würde. In den Ruinen hatten die Obdachlosen sich notdürftig Hütten gebaut, in denen sie Schutz suchten vor der nächtlichen Kälte. Gott sei Dank ist dieser Winter trocken.
Auch Raed hat zusammen mit seinen Brüdern eine kleine Hütte gebaut.
Dort, auf den Ruinen seines Hauses, erzählte er mir seine Geschichte. „Am Tag, an dem der Krieg ausbrach, arbeitete ich für das australische Fernsehen. Ich war früh aufgebrochen und hatte einen Kameramann abgeholt, um zu drehen. Am Abend kehrte ich nach Hause zurück. Überall um mich herum schlugen die Raketen ein, es war kein Mensch mehr auf den Straßen. Drei Tage verbrachten wir in unserem Haus, meine Frau, unsere sieben Kinder und ich. Wir hatten weder Strom, noch fliessend Wasser. Nach drei Tagen war auch das Wasser in den Flaschen aufgebraucht. Wir wussten nicht mehr, was wir tun sollten. Da kam meine Mutter und rief uns zu sich. Wir liefen schnell hinüber in das Haus meiner Eltern.“
Raed zeigte auf das Trümmerfeld nebenan. Dort stand früher das zweistöckige Haus seines Vaters.
Im Februar 2007, wenige Monate nach einem fatalen israelischen Raketenangriff, bei dem 18 von Raeds Angehörigen getötet worden waren, war die Familie vom benachbarten Beit Hanoun hierher gezogen. Raeds Vater Majdi baute ein neues Haus und auch Raed und seine Brüder investierten ihre Ersparnisse, um eine Heimat zu finden und ein neues Leben zu beginnen. „Es war so schön hier, in unserem Viertel“, erzählte Raed. „Wir hatten Bäume und Blumen und eine schöne Straße. Wirklich, es war schön bei uns.“
Trostlos stapfte er nun durch die Trümmer seines Hauses. Hier war nichts mehr zu retten. Zerbröselnder Beton unter unseren Füßen, dazwischen verbogene Eisenstangen, Kleiderfetzen und Reste von Munition. Raed zog ein zerfetztes rosa Kleidchen zwischen den Betonbrocken hervor. „Schau mal“, sagte er. „Das hatte ich für meine kleine Tochter gekauft. Sie trug es so gern.“ Ein bisschen weiter weg ragte ein zerbeultes weißes Blech aus den Trümmern hervor. „Das war unsere Waschmaschine. Es war ein gutes Gerät, mit Trockner. Wo soll ich nun eine neue Waschmaschine herbekommen?“ Und schließlich fand er sogar das schwarze Plastikmäppchen, in dem seine Autopapiere waren. Es war leer und zerrissen, aber er drückte es an sich wie einen Schatz.
„Elf Tage hielten wir hier die Offensive aus, erst in meinem Haus, dann im Haus meiner Eltern“, fuhr Raed fort. „Wir trauten uns kaum, aufzustehen, denn uns gegenüber hatte sich eine israelische Einheit verschanzt. Sie hatte einen Scharfschützen auf dem Dach platziert, der uns unter Beschuss nahm. Elf Tage lagen wir auf dem Boden, es war die längste Zeit meines Lebens, es war wie elftausend Tage. Nein, es waren elftausend Jahre. Elftausend Jahre Angst.“
Doch irgendwann ging es nicht mehr. Als die Truppen begannen, das Haus mit Granatfeuer zu belegen, beschloss die Familie zu fliehen.
„Wir liefen mit einer weissen Fahne und mit erhobenen Händen hinaus. Wir hatten nicht einmal Zeit, Schuhe anzuziehen oder irgendetwas einzupacken.“ Nur die Männer hatten ihre Ausweise dabei, die sie nun in die Höhe hielten.
Die Familie floh in eine UN-Schule. Dort verbrachte sie die Zeit bis zum Ende des Krieges. Es waren weitere traumatische Tage unter Bomben und Raketenbeschuss, ohne Privatsphäre und ohne echten Schutz. Denn auch die Schulen der UNRWA blieben nicht von israelischen Angriffen verschont.

Als die Kämpfe vorüber waren, kehrte Raed in sein Viertel Abed Rabbo in Jebalya zurück. Doch er erkannte es nicht mehr wieder. Wo sich vorher die Häuser aneinander gereiht hatten, erstreckte sich jetzt ein endloses Trümmerfeld.
Und nun? Nun wohnen die Frauen und Kinder der Großfamilie verstreut bei den Verwandten, die es nicht so schlimm getroffen hat. Die Männer halten Wache auf dem Grundstück und warten. Worauf? Dass sie ihre Häuser wieder aufbauen können. Doch dafür brauchen sie Baumaterial, Zement, Stahl und Sand. Und das kommt nicht. Israel und Ägypten halten die Grenzen geschlossen. Nur humanitäre Nothilfe wird – in beschränktem Umfang - in das Gefängnis Gazastreifen eingelassen.
Ich aber musste dieses Gefängnis wieder verlassen. Als ich den Grenzübergang Erez zurück nach Israel passierte, fragte ich mich, wann ich wohl das nächste Mal nach Gaza kommen würde. Vielleicht sollte dies ja das letzte Mal gewesen sein. Denn anders als in jedem Hochsicherheitsgefängnis dieser Welt gibt es für Gaza keine geregelten Besuchszeiten.

Bettina Marx

Thema: Briefe | Comments Off | Autor: Bettina Marx

Gaza mit eigenen Augen

Mittwoch, 11. Februar 2009 12:37

Jemand muss doch unsere Geschichte erzählen

Aufzeichnungen aus dem Gazastreifen
Von Esther Saoub

Quelle: SWR.de

Operation “Gegossenes Blei”. Knapp vier Wochen hält die israelische Militäroffensive gegen den Gazastreifen an. In dieser Zeit ist das Kriegsgebiet für Journalisten gesperrt. Sie können die Kampfhandlungen nur von Ferne beobachten. Als Ägypten am 18. Januar den Grenzübergang Rafah für Ärzte und Journalisten öffnet, gehört ARD Korrespondentin Esther Saoub zu den ersten, die in den Gazastreifen einreisen. In ihren Aufzeichnungen erzählt sie von der Begegnung mit Menschen, die vom Krieg erschöpft sind, von ihren Arbeitsbedingungen vor Ort und davon, dass es Momente gibt, in denen auch eine eloquente Journalistin nur noch stumm zuhören kann.

(Sendung vom 10.2.2009)

Direktlinks:
Manuskript auf SWR.de
Audiodatei mp3 (Real Audio)

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Esther Saoub

أحاسيس متغيرة

Montag, 9. Februar 2009 18:35

موقف الرأي العام الألماني من الحرب على غزة

لأسباب تاريخية، تعلن ألمانيا، منذ الخمسينات، عن تضامنها مع إسرائيل. وينطبق الأمر ذاته على الرأي العام الألماني؛ فهو أيضاً دأب على أن يتخذ موقفاً مؤازراً لإسرائيل مؤازرة أكيدة. بيد أن ثمة مؤشرات تشير إلى أن الميل لمناصرة إسرائيل والتضامن معها قد طرأ عليهما تحول منذ بضعة سنوات. تسعى هذه المقالة إلى تحليل الظروف التي أحاطت بنشأة المواقف التي اتخذتها وسائل الإعلام عند عرضها للصراع الفلسطيني-الإسرائيلي والتحولات التي طرأت على هذه المواقف. وسنستشهد، في كل هذا، بالحرب الأخيرة على غزة.

وغني عن البيان أن التصريح الذي أعربت عنه المستشارة الألمانية أنجيلا ميركل قد كان شديد اللهجة من حيث انحيازه لإسرائيل: فبحسب وجهة نظرها، فإن مسئولية اندلاع الحرب تقع على عاتق حماس فقط. وبتقييمها هذا لأسباب اندلاع الحرب، غضت المستشارة الألمانية طرفها عن الحصار الذي فرضته إسرائيل على غزة على مدى سنوات عديدة، وتجاهلت، تجاهلاً تاماً، تاريخ الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني.

وكان هذا التقييم قد أخذ المراقبين السياسيين على حين غرة وذلك لسببين: أولاً لأنه تصريح تنقصه الروح الدبلوماسية؛ وثانياً، لأنه تضمن موقفاً لا يعكس الآراء المختلفة التي يتبناها الرأي العام الألماني حيال هذا الصراع.

ومهما كانت الحال، لا يفوتني هنا أن أنبه، بادئ ذي بدء، إلى أن حديثي التالي عن اتجاهات الرأي العام الألماني لا يمكن توثيقه من خلال البيانات الإحصائية ولا من خلال الدراسة العلمية المعمقة لوسائل الإعلام أو لاستطلاعات الرأي العام. فالزمن لا يزال مبكراً لتوثيق هذه الاتجاهات بالبيانات الإحصائية أو بالدراسة العلمية الموثقة أو باستطلاعات دقيقة للرأي العام؛ أضف إلى هذا وذاك، أني لست باحثاً متخصصاً بمسائل وسائل الإعلام. من ناحية أخرى، لا مراء في أن حتى أدق البيانات الإحصائيات لن تقدم شيئاً ذا بال لهدفنا، الرامي إلى تقييم حديث وسائل الإعلام عن هذه الحرب. وللإحاطة بهذه الحقيقة نود أن نسوق المثال التالي:

فمع أن الكثير من الحقائق تشير بوضوح إلى أن أغلبية الرأي العام الغربي، والرأي العام الألماني على وجه الخصوص، تتخذ، موقفاً مؤازراً لإسرائيل، تزعم إسرائيل ومعها أصدقاؤها أن غالبية وسائل الإعلام تنتهج مواقف مناهضة لإسرائيل وأنها لا أمل لها في أن تخرج منتصرة من حلبة المنافسة على خطب ود جمهور المواطنين في الغرب.[1] والعكس بالعكس بالنسبة للطرف الآخر: فحتى وإن كان بمقدرنا أن نتخذ – في وسائل الإعلام الغربية - موقفاً يميل إلى نصرة الفلسطينيين، فإن من المتوقع جداً أن يظل الفلسطينيون والعرب غير راضين عن أسلوبنا في عرض الصراع الفلسطيني-الإسرائيلي.

استياء يخيم على طرفي النزاع

إن كل طرف من طرفي النزاع يتهم وسائل الإعلام، في الدول غير المعنية بالصراع بنحو مباشر، بأنها تشوه صورة الحقيقة. وتفسير السبب الذي تستند عليه هذه التهمة يسير: فسببها يكمن في أن لا أحد، من طرفي النزاع، يعثر في وسائل الإعلام الغربية، على عرض يتطابق كلية مع تصوراته لحيثيات الصراع، يكمن في أنه ليس ثمة طرف واحد يشعر بأن قضيته تُعرض بنحو مناسب. وفي الواقع، فإن هذا أمر لا غرو منه، فنحن، في أوربا وفي ألمانيا على وجه الخصوص، لدينا، طبعاً، وجهة نظر خاصة بنا بخصوص حيثيات هذا الصراع. وهكذا، ما انفك كل واحد من طرفي النزاع يسيطر عليه إحساس بأن وسائل الإعلام في الدول الغربية لا تنظر للصراع نظرة تتسم بالعدالة والإنصاف.

في السطور التالية، سأحاول التوصل إلى تقييم يترك جانباً تهمة التحيز لطرف واحد ويتجاهلها. فنحن لا نشط كثيراً إذا قلنا بأننا هاهنا حيال تهمة واهية، باطلة؛ ففي هذا الصراع يتهم كلا طرفي النزاع وسائل الإعلام بالتحيز لطرف دون الآخر. وإذا كنا نعترف، بلا تردد، بأن المستشارة الألمانية قد تحيزت، فعلاً، لطرف دون الآخر، إلا أن الأمر البين أيضاً هو أن اتهام وسائل الإعلام بالتحيز لطرف دون الآخر إنما هو اتهام يجافي الحقيقة حقاً وحقيقة.

وإذا كنا نريد الإحاطة علماً بموقف الرأي العام في ألمانيا، فإنه يستحسن بنا، والحالة هذه، أن نركز نظرنا على موقف وسائل الإعلام القريبة من السلطة الحكومية، من ناحية، والمسيطرة على الميدان الإعلامي من ناحية أخرى؛ فموقفها من الصراع، الذي نحن في صدى الحديث عنه، هو المعيار ذو الأهمية هاهنا. وأدرج في عداد هذا النوع من وسائل الإعلام كلاً من الإذاعات المرئية والمسموعة الممولة من قبل الدولة ومن قبل المشاهدين والمستمعين، وكذلك الصحف اليومية وشركات الإعلام الكبيرة (المستقلة وغير الخاضعة لسلطان الحكومة)، وما تقدم هذه الصحف والشركات من برامج إعلامية تبثها على شبكة الإنترنت، أعني على سبيل المثال، وليس الحصر، مجلة “دير شبيغل” (Der Spiegel) الأسبوعية و”شبيغل أون لاين” (Spiegel-Online). حقاً يزيد عدد مشاهدي الإذاعات المرئية التابعة إلى القطاع الخاص على عدد مشاهدي الإذاعات المرئية الممولة من الدولة ومن المشاهدين، إلا أن من حقائق الأمور أيضاً أن هذه الإذاعات لا تحظى بأهمية ذات بال من حيث ما تقدم من تقارير سياسية وأنها، بالتالي، تتبع الاتجاه العام الذي يراه المشاهدون في الإذاعة المرئية التابعة إلى الدولة (وبحسب وجهة نظري، ينطبق الأمر ذاته على الجرائد التي تعتمد الإثارة).

ولو أمعنى النظر في الأسلوب الذي جرى فيه عرض الحرب على غزة في وسائل الإعلام ذات الصلة بالدولة وذات الأهمية من حيث سيطرتها على الساحة الإعلامية، نعم لو أمعنى النظر فيما عرضته وسائل الإعلام هذه خلال الفترة الواقعة بين نهاية أيلول/سبتمبر من عام 2008 ونهاية كانون ثاني/يناير من عام 2009، فإن من حقنا، فعلاً، أن نقول: لقد تناقلت وسائل الإعلام أخبار هذه الحرب وتداعياتها بنحو مكثف حقاً وحقيقة! فهذا الموضوع شغل، على مدى شهر كامل تقريباً، حيزاً كبيراً في الأخبار والتقارير التي بثتها كافة وسائل الإعلام؛ وتأسيساً على هذه الحقيقة، ما كان بوسع أي شخص أن يصم أذنيه ويغمض عينيه عن أخبار هذه الحرب؛ نعم لم يبق أحد يجهل عدد قتلى الطرفين، ولم يبق أحد لا علم له بأن الحقائق والوقائع تُفسر بنحو مختلف وأن الآراء بشأن هذه الحقائق والوقائع تتباين تبايناً عظيماً. وهكذا، فلو تخيلنا وجود مراقب ما كان لديه علم مسبق بهذا الصراع وافترضنا أن هذا المراقب قد تابع الآن ما تنقله نشرات الأخبار والتقارير المقدمة من كافة الصحف والإذاعات المرئية والمسموعة بشأن هذا الصراع، فليس ثمة شك في أن هذا المراقب سيكون حائراً، مبلبل الأفكار، في نهاية المطاف، وأن الأمور ستختلط عليه إلى حد بعيد، فيظل حائراً مشتتاً، حائراً، بشأن الموقف الذي يتعين عليه اتخاذه حيال هذا الصراع.

أحكام مُتخذة سلفاً

إلا أن واقع الحال يشهد على أن غالبية الناس لديهم أحكام مسبقة. وتأسيساً على هذه الحقيقة، فإن من الأهمية بمكان الإشارة هنا إلى صفتين يتميز بهما الألمان في اليوم الحاضر، أعني الصفتين اللتين تلعبان دوراً عظيم الأهمية في تقييمهم للصراع الفلسطيني-الإسرائيلي. فمن ناحية، هناك الشعور العميق بالذنب التاريخي مما اقترفه الألمان بحق اليهود؛ وغني عن البيان أن الشعور بهذا الذنب ينعكس لصالح إسرائيل عندما يحدد الألمان موقفهم من الصراع الذي نحن في صدى الحديث عنه. إلا أن علينا أن نأخذ بالاعتبار أن هذا الشعور بالذنب قد أخذ، مع مرور السنين، يضعف ويتلاشى. ويلحظ المرء، بنحو بين وجلي، تلاشي الشعور بالذنب عند جيل الشباب على وجه الخصوص. بيد أن هذا الجيل لم يتحمل بعدُ مسئولية توجيه وسائل الإعلام واتخاذ القرارات السياسية.

وترتبط الصفة الثانية، التي أود الإشارة إليها هاهنا، بالحرب العالمية الثانية أيضاً: إنها الصفة التي تنعكس في جنوح الألمان إلى مناهضة كافة أنواع الحروب وإيمانهم بمذهب المسالمة (Pazifismus). فبالنسبة لأغلبية الألمان، فإن الحرب واستخدام القوة وسائل مستهجنة لا طائل فيها في حل النزاعات. وعلى خلفية مذهب المسالمة هذا، رفض الألمان المشاركة في الحرب على العراق. وانطلاقاً من الحرب على غزة، لا مجال للشك في أن مذهب المسالمة ليس في صالح إسرائيل: فاستخدام الأسلحة العسكرية، بلا رحمة ومن غير مراعاة للنتائج التي تتمخض عنها، يزري بسمعة إسرائيل في ألمانيا.

وثمة نقطتان لا مندوحة لنا من أن نأخذهما بالاعتبار عندما نريد تقييم موقف الرأي العام الألماني من الحرب التي دارت رحاها في غزة. فالملاحظ هو أن الكثير من مواطني الدول الغربية يعتقدون بأن العوامل التي تربطهم بإسرائيل أمتن بكثير من العوامل التي تربطهم بالعرب. ويقوم هذا الاعتقاد على أسباب عديدة يسيرة الفهم: فإسرائيل تبدو، بالنسبة للمراقب الذي ينظر إليها من الخارج، دولة غربية، أو أوربية. فالكثير من الإسرائيليين من أصول أوربية؛ أضف إلى هذا أن إسرائيل تشكل جزءاً من التراث التاريخي والديني المحفور في وجدان العالم الغربي (أي أنها جزء من ذلك التراث الذي لا يعثر عليه المرء بيسر عند الحديث عن عوامل التشابك مع المشرق العربي). على صعيد آخر، فإن كل طفل في الغرب يعرف اسم إسرائيل من خلال مطالعته للكتاب المقدس.

ومنذ الحادي عش من أيلول/سبتمبر من عام 2001 على وجه الخصوص، يتزامن هذا المزاج المناصر لإسرائيل في ألمانيا والعالم الغربي في المنظور العام، مع وجل من العرب والمسلمين عامة. إن التضامن “المستشعر” (”gefühlte” Nähe) مع إسرائيل يقابله تحفظ “مستشعر” (”gefühlte” Distanz) حيال العرب والمسلمين. وبقدر تعلق الأمر بالحرب على غزة، يتجلى هذا الوجل من خلال التصورات التي ينطلق منها المرء عند تقييمه لحماس على وجه الخصوص. ففي كافة تعليقات وتقارير وسائل الإعلام المسيطرة على الرأي العام سادت نبرة أساسية يستشف المرء منها أن حماس تنظيم شرير لا خير يرتجى منه. وتتجلى هذه النبرة، على وجه الخصوص، من خلال النعوت التي يصف بها المرء حماس بنحو مستمر، نعوت صارت تبدو كما لو كانت حقاً لا ريب فيه. فاسم حماس يكاد ألا يُذكر إلا ومعه نعوت من قبيل “حماس، المنظمة الإسلامية المتطرفة” أو “حماس، المنظمة التي تريد تحقيق أهدافها بقوة السلاح” أو “إرهابيو حماس”. وهكذا، تقارن أكثرية التعليقات حماس بالطالبان وبتنظيم القاعدة.[2]

إن نجاح الدبلوماسية الإسرائيلية بإقناع الإتحاد الأوربي بضرورة إدراج حماس في قائمة المنظمات الإرهابية، كان فوزاً كبيراً يُسجل لصالح أساليب الدعاية الإسرائيلية. فبفضل هذا النجاح، ما عاد اسم حماس يُذكر إلا ومعه النعوت التي أشرنا إليها آنفاً.[3] بيد أن استجابة الاتحاد الأوربي لمطالب الدبلوماسية الإسرائيلية أدى، في نهاية المطاف، إلى إضفاء الشلل على الدبلوماسية الأوربية، فهذه الدبلوماسية لم يعد مسموحاً لها التفاوض مع حماس، فأنَّى لها ذلك إذا كانت حماس مدرجة في قائمة المنظمات الإرهابية؟

وثمة خاصية أخرى تهيمن على سائل الإعلام الغربية وتعمل عملها، أيضاً، وبلا قصد منها، في تحسين صورة إسرائيل: فوسائل الإعلام لدينا تحجم عن عرض جثث القتلى وصور الضحايا والمصابين؛ تحجم عن هذا لأسباب لها علاقة بحرمة القتلى والضحايا. من هنا، فحينما يزيد عدد القتلى الفلسطينيين على 1400 شخص ولا يتجاوز عدد القتلى الإسرائيليين 13 فرداً، فلا ريب في أن الطرف الأقوى هو الذي ينتفع من التقيد بصيانة حرمة الضحايا: حقاً يسدل المرء الستار على ضحايا الطرفين المتصارعين، بيد أن هذا الصنيع يؤدي، طبعاً، إلى تجاهل حقيقة أن القتيل الواحد عند هذا الطرف قابله مائة قتيل عند الطرف الآخر.

شرط رديء، تطور إيجابي

ويمكننا القول، باختصار، إن الشروط الضرورية لاتخاذ موقف مناصر للفلسطينيين، أو لاتخاذ موقف، متوازن على أدنى تقدير، في الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني، غير مواتية، أصلاً، في ألمانيا. وتأسيساً على هذه المعطيات، يبدو ليَّ أن عرض وسائل الإعلام الألمانية لوقائع وتداعيات الحرب على غزة قد انطوى على تطور إيجابي بالنسبة للقضية الفلسطينية. فمنذ اهتمامي الشخصي بهذا الصراع، أي منذ حوالي عشرين عاماً، لم اسمع، إلا ما ندر، تنديداً بإسرائيل يضاهي، من حيث شدته وكثرة الأصوات المعربة عنه، التنديد الذي سمعته في الأسابيع الثلاثة التي دارت فيها الحرب على غزة.

وأود أن أسوق هاهنا مثالين، الأول منهما مستقى من الأيام التي بدأت فيها الحرب، والثاني منهما يعود إلى الأيام التالية على توقف الحرب. وكلا المثالين مأخوذان من البرنامج الأول من الإذاعة المرئية الألمانية، أي مأخوذان من قناة هي أقدم القنوات الألمانية قاطبة وأحد أهم القنوات التلفزيونية شبه الحكومية في ألمانيا. ففي يوم من أول أيام الحرب، وبعدما أعلنت أنجيلا ميركل عن تصريحها المذكور آنفاً، أي تصريحها الذي أعرب فيه عن موقفها المتحيز لإسرائيل، استدعت هذه القناة التلفزيونية الخبير في الشؤون الإسلامية أودو شتاينباخ (Udo Steinbach) وكلفته بأن يقدم تعليقاً على هذا التصريح. وغني عن البيان أن أودو شتاينباخ يتخذ موقفاً ثابتاً من حيث مناصرته للقضية الفلسطينية. وهكذا، راح شتاينباخ ينتقد الحكومة الألمانية ويدافع عن حماس ويدين الهجوم الإسرائيلي. لقد استمع الألمان المنصتون إلى النشرة الإخبارية الرئيسية، أي النشرة الإخبارية التي تُقَدَم في أفضل ساعات البث التلفزيوني، إلى أول صوت يتخذ موقفاً مناصراً للفلسطينيين بلا لف ودوران في الصراع الدائر بين الفلسطينيين وإسرائيل.[4]

إلا أن القناة الألمانية الأولى كانت ستخرج عن عادتها، فيما لو كانت قد تركت وجهة النظر، التي أعرب عنها خبير الشؤون الإسلامية في سياق تعليقه المناصر للقضية الفلسطينية، بلا صوت يرد عليها. فبعد استطلاع رأي شتاينباخ مباشرة ظهر على الشاشة محرر من محرري القناة ليقدم تعليقاً يساند إسرائيل مساندة تامة. وهكذا كان بمستطاع المشاهدين أن يقرروا لأنفسهم ما إذا كان من حقهم أن يصدقوا ما يقوله لهم شتايناباخ أو أن يأخذوا بوجهة النظر “الرسمية” التي تقدمها لهم القناة التلفزيونية الممولة من قبل الدولة، أي وجهة النظر التي أعرب عنها المحرر المكلف بتقديم التعليق. ولا ريب في أن المشاهد، الذي لم تكن لديه فكرة واضحة حول الصراع، قد ظل في حيرة وارتباك حيال وجهات النظر المتناقضة.

وبعد فترة قصيرة من انتهاء العمليات الحربية، كان بوسع المرء أن يلحظ الظاهرة عينها في برنامج تلفزيوني معروف بمحاوراته السياسية العنيفة (Polit-Talkshow)، أعني برنامج “Hart aber Fair” (”صارم ولكن منصف”). فانطلاقاً من عنوان مفاده: “حطام دموي في غزة – إلى أي مدى علينا أن نساند إسرائيل ونتضامن معها” راح المدعون يناقشون الحرب على غزة.[5] وكان الأمر الملفت للنظر هو أن ثلاثة من الخمسة أشخاص المدعوين للمناقشة قد اتخذوا موقفاً مناصراً لوجهة النظر الفلسطينية. إلا أن هذه الحقيقة لا تجيز لنا القول بأن النقاش قد انتهى بإدانة الهجوم الإسرائيلي. إن واقع الحال يشهد على أن الحيرة قد نشرت ظلالها هنا أيضاً، أي أنها ظلت على ما كانت عليه في بداية الحرب على غزة: فكل واحد كان يقاطع الآخر وكل طرف كان يصرخ في وجه الطرف الآخر. في ختام الندوة التلفزيونية المعنية ما كان للمشاهدين غير الشعور بأن وجهة نظرهم المتخذة مسبقاً هي الصواب بعينه؛ فمن خلال النقاش المنفعل ما كان بمستطاع المشاهد أن يضيف شيئاً جديداً إلى معلوماته.

حيرة في كل مكان

إن الحيرة التي لمسناها في هذه البرامج التلفزيونية تعكس، عموماً، الحيرة الناشرة ظلالها على الماسكين بزمام وسائل الإعلام. فعلى ما يبدو، فإن المسئولين عن إدارة دفة وسائل الإعلام ما عادوا، هم أنفسهم، على بينة من الصورة التي يريدون إيصالها إلى الجمهور العام، باعتبار أنها هي الصورة الصحيحة. وتوحي هذه الحيرة بأن مشاعر التعاطف السائدة في وسائل الإعلام وبين الجمهور لم تعد، في ألمانيا ككل، مع إسرائيل بنحو سافر وأكيد.

وتؤدي هذه الحيرة إلى تخلي الجمهور عن إعطاء حكم واضح. بيد أن عدم وجود حكم قاطع، عدم وجود تغير ملحوظ في الرأي العام، يصب، في نهاية المطاف، في مساندة الوضع القائم فقط، يصب في مساندة السياسية السائدة والوضع القائم فقط. وغني عن البيان أن إسرائيل هي المستفيدة من هذه المساندة، وذلك لأنها هي الطرف الأقوى بحسب كافة المقاييس.[6] وهكذا، فإن بقاء كافة الأمور على حالها برغم كافة النقاشات والمجادلات، يعني أن إسرائيل قد ظلت تحافظ على تفوقها وأن السياسة الألمانية والأوربية (ومعها المستشارة الألمانية) ليست بحاجة إلى تغيير موقفها.

ولكي نفلح في تقييم النتيجة المترتبة على هذه الحيرة، لا مندوحة لنا من أن نأخذ بالاعتبار موضوعاً آخر: إن الكثير من المواطنين الألمان يعتقدون فعلاً أن الحرب على غزة قد كانت حرباً وحشية، أنها كانت حرباً قد أفرطت في استخدام القوة بنحو بين، وأنها، بالتالي، كانت خطأ فادحاً. إلا أن توجيه الانتقاد إلى إسرائيل لا يعني بالضرورة أن المرء صار يكن تعاطفاً أكيداً للفلسطينيين. ويكمن تفسير هذه الحقيقة فيما كنا قد أشرنا إليه آنفاً: الصورة السلبية التي يرسمها المرء للإسلام والعرب بنحو عام. وعلى الصعيد نفسه، فبما أن أكثرية المواطنين والسياسيين الأوربيين يعتبرون حماس منظمة إرهابية، لذا زاد تولي حماس الحكم في غزة من صعوبة التعاطف مع الفلسطينيين.

من هنا، فإني أعتقد بأن النقد الموجه إلى إسرائيل والشفقة على الفلسطينيين أمران لا تقف خلفهما دوافع سياسية، بل دوافع إنسانية. ومع أن الجمهور الألماني كثيراً ما يعلن عن شكواه من المصائب النازلة بالسكان المدنيين في غزة، إلا أن رثاء حال الفلسطينيين نادراً ما يرافقه تحليل سياسي للوضع القائم. ومعنى هذا هو أن الكثير من الألمان يتعاطفون مع الفلسطينيين كبشر، لكن القليل منهم يناصر القضية الفلسطينية. وغني عن البيان أن الفصل بين البشر وقضيتهم أمر ينطوي على تناقض، ينطوي على تجريد يبدو منطقياً، لنا فقط، نحن القاطنين في أواسط أوربا المستظلة بالأمن والسلام. فواقع الحال يشهد على أنه لا يمكن الفصل بين الفلسطينيين وقضيتهم.

ولكنا دعونا نتصور الآن أن الفلسطينيين، أو أن العرب جميعاً، قد أخذوا يطبقون سياسة إعلامية أكثر مهارة وأتقن براعة (في الحقل الصحفي على سبيل المثال). ودعونا نمضي قدماً في تصوراتنا ونفترض أنهم صاروا يتوافرون على سلك دبلوماسي أفضل وأنهم أمسوا، داخلياً، أقلل تطاحناً وانقساماً؛ ولنتوسع في تصوراتنا ونفترض أن الفلسطينيين، أو لنقل أن العرب ككل، قد انتهجوا إستراتيجية موحدة، واقعية، لتسوية الصراع؛ لو حدث هذا كله فعلاً، لا ريب في أن إسرائيل ستخرج مندحرة من حلبة المنافسة على كسب ود الرأي العام الألماني والأوربي طالما ظلت مصرة على تطبيق سياستها الراهنة؛ وعندئذ لن يدوم الأمر زمناً طويلاً حتى تخسر السياسية الإسرائيلية الدعم غير المشروط الذي تمن به عليها الحكومات الأوربية.

وبرغم كل ما تتمتع به إسرائيل من شروط أفضل، أعني الشروط التي أشرنا إليها أعلاه، يلاحظ المراقب، لما بثته وسائل الإعلام الألمانية بشأن الحرب على غزة، أن ثمة حراك في وسائل الإعلام. ومع أن الحيرة المذكورة آنفاً فد كانت في صالح إسرائيل في الوهلة الأولى، إلا أن هذه الحيرة يجب أن تُفسر كتقدم، كخطوة نحو الأمام: فقبل بضعة سنوات خلت، ما كانت هناك حيرة، فالمسئولون في وسائل الإعلام التابعة للدولة كانوا يعتقدون بأنهم على بينة من الموقف الذي ينبغي بهم اتخاذه في هذا الصراع: مساندة إسرائيل والوقوف إلى جانبها في كل الأحوال. إن هذا الزمن قد مضى وانتهى. من هنا، فإني واثق من أن الفلسطينيين والعرب سيحققون نفعاً أكيداً فيما لو بذلوا جهداً أكبر ونشاطاً أقوى من الجهد والنشاط اللذين يبذلونهما حالياً في المراهنة على كسب ود الرأي العام في أوربا: فإذا كانت القضية الفلسطينية قضية عادلة، فلا مراء في أن هناك الأمل القوي في أن يجري، إن عاجلاً أو آجلاً، النظر إلى الصراع الإسرائيلي-الفلسطيني بالنحو الذي تقتضيه الحقائق وتدعمه الوقائع.

شتيفان فايدنر (Stefan Weidner)

ترجمة: عدنان عباس

يتولى شتيفان فايدنر رئاسة تحرير مجلة فكر وفن (Art & Thought). والنص أعلاه يرتكز على محاضرة ألقاها شتيفان فايدنر في الرابع عشر من شباط/فبراير من عام 2009 في رحاب معهد غوته في رام ألله.


[1] على ما يبدو، تستخلص إسرائيل من هذا التقييم أنه لا يجوز لها أن تكترث بالمواقف التي يتخذها الرأي العام، فبذلها الجهد للفوز بكسب ود الرأي العام يعني خوض معركة خاسرة، وبالتالي فإن على إسرائيل أن تفعل ما يطيب لها فعله. راجع بها الشأن صحيفة NZZ، عدد 19.1.08، الصفحة رقم 3.

[2] إن وصف حماس بنعوت من قبيل “المنظمة الإسلامية المتطرفة” صار يعني - عقب الحادي عشر من أيلول/سبتمبر، وعلى خلفية تصورات حكومة بوش – الحرمان من كل الحقوق المدنية: فالشخص الذي يُوصف بالمتطرف أو الإرهابي أمسى، بحسب مفهوم إدارة بوش والحكومة الإسرائيلية، شخصاً مهدور الدم، شخصاً يمكن تصفيته جسدياً واختطافه واعتقاله وتعذيبه. ووجهة النظر هذه ليست حبراً على ورق، بل هي إجراء جرى تطبيقه فعلاً. من هنا، وعلى خلفية وجهة النظر هذه، فإن المرء الذي يستخدم نعوتاً من قبيل “المنظمة الإسلامية المتطرفة” عند تسميته لحماس، إنما يتبنى، عن وعي أو بلا وعي، وجهة نظر إسرائيل وسياساتها. وتبقى هذه الحقيقة قائمة حتى وإن افترضنا جدلاً أن حماس تنظيم إسلامي متطرف؛ فالأمر الذي لا ريب فيه هو أن حقوق الإنسان تسري على المتطرف الإسلامي أيضاً؛ فحتى ذلك المرء الذي لا يحترم حقوق الإنسان، يتمتع بهذه الحقوق ولا يجوز اعتباره مهدور الدم بأي حال من الأحوال.

[3] وغني عن البيان أن بوسع كل كاتب أن يستغني عن هذه النعوت. فأنا شخصياً لم استخدم هذه النعوت أبداً في تعليقاتي على الصراع الفلسطيني-الإسرائيلي.

[6] ففي حرب يتكبد فيها أحد طرفي الصراع 13 قتيلاً والطرف الآخر 1400 قتيل، فإن معنى انقسام الرأي العام إلى قسمين متكافئين حيال هذا الصراع يعني لا محالة أن هذه الحرب قد كانت بالنسبة للطرف الفلسطيني كارثة تفوق بمائة مرة الكارثة التي حلت بالطرف الآخر. وبالتالي، فحينما يسيء الرأي العام التقدير لإسرائيل، فإن هذا يعني أنه أساء تقدير 13 قتيلاً. أما إذا أساء تقدير الطرف الفلسطيني، فإن هذا يعني أنه أساء تقدير 1400 قتيل.

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Stefan Weidner

Grenzerfahrungen

Freitag, 6. Februar 2009 16:27

Brief aus Kairo

Eben rief ein alter Bekannter an: Ahmed Mansur. Er klang müde und zerknirscht. Er habe aufgegeben, sagte er. Eine Woche Rafah, das sei genug. „Jeden Tag sahen wir Journalisten-Kollegen die Grenze nach Gaza passieren, nur mein Kollege Ghassan Ben Giddo und ich, wir durften nicht durch. Und dass, obwohl wir die gleichen Papiere hatten wie alle anderen“. Es frustrierte ihn besonders, dass er die Behörden nicht einmal dazu brachte, ihm eine offizielle Begründung für das Ausreiseverbot zu geben. Dabei ist Mansur doch für seine geschickten Fragen bekannt. In seiner Sendung „Ohne Grenzen“ grillt der Al-Dschasira-Moderator Woche für Woche die Mächtigen der Region, und so manchen entlockte er Dinge, die diese wohl lieber nicht gesagt hätten. Das Schweigen des Grenzoffiziers war insofern eine zusätzliche Niederlage.
Auch wenn Mansur die Antwort nicht gesagt bekam, so lag sie auf der Hand:
Das offizielle Ägypten ist sauer auf Al-Dschasira. Schließlich wies der Sender in den Tagen des Krieges von Gaza immer und immer wieder darauf hin, dass sich die ägyptische Regierung zu wenig für die Palästinenser einsetze, und dass sie mit der Schließung der Grenze zum Gazastreifen das Leiden der Menschen dort verstärke. Dass die Rolle Ägyptens von den Demonstranten in der ganzen Region so sehr kritisiert wurde, war sicherlich Al-Dschasiras Verdienst. Was andere Journalisten als albern belächelten, nämlich dass der Al-Dschasira-Korrespondent Ahmed Mansur auf dem Dach der EBU in Ägyptisch-Rafah in voller Kriegsmontur, inklusive Stahlhelm und Schutzweste, stand, fanden staatsnahe Kollegen gar nicht witzig. Er suggeriere den Zuschauern, dass auch Ägypten Kriegsgebiet sei, und das sei Meinungsmache, lautete die Kritik einer Journalistin der ägyptischen Tageszeitung Al-Ahram.
Die israelische Regierung reagierte noch allergischer auf Al-Dschasira. Sie hat jetzt einen neuen Boykott gegen den Sender und seine Reporter verhängt. Den Journalisten, die keinen israelischen Pass haben, soll das Visum nicht mehr verlängert werden, Al-Dschasira wird nicht mehr zu offiziellen Pressekonferenzen zugelassen, und nur noch einige ausgewählte Regierungssprecher stehen für Interviews zur Verfügung. Dem Sender wird schon länger vorgeworfen, einseitig für die Hamas Partei zu ergreifen. Ausserdem ist der Boykott eine Reaktion darauf, dass das israelische Handelsbüro in Qatar von dessen Regierung - die ja auch Al-Dschasira finanziert - geschlossen wurde.
Sicherlich war es den ägyptischen Beamten darüber hinaus eine besondere Freude, gerade Ahmed Mansur den Ausreisestempel zu verweigern. Er steht wie kaum ein anderer für die - sagen wir es höflich - engagierte Linie von Al-Dschasira. Er ist dafür bekannt, dass er mutig ist, und dass er eine Meinung hat. „Ich halte objektiven Journalismus für eine Illusion. Ich habe als Journalist die Pflicht, mich auf die Seite der Schwächeren zu stellen. Ich muss die Verbrechen benennen, sonst mache ich mich zum Mittäter“, sagte er vor einiger Zeit, als wir uns in Berlin trafen. Ahmed Mansur ist einer der „Gründe“, wieso Al-Dschasira seit Jahren kein Büro mehr in Bagdad hat.
Er berichtete als einziger ausländischer Journalist von den Kämpfen in Falludscha im Frühjahr 2004, und die Art zu berichteten ging auch vielen seiner größten Fans zu weit. „Auch Freunde sagten mir hinterher, dass sie verstehen könnten, dass ich sehr emotional auf das Schreckliche, was ich dort gesehen habe, reagierte, aber ich sei doch etwas weit gegangen“, räumt er selbst ein. Seine Live-Kommentare wurden von vielen Zuschauern als Aufrufe zum Dschihad verstanden. Kurz danach wurde das Al-Dschasira-Büro in Bagdad geschlossen. In der Folge wurden in Washington Pläne geschmiedet, den Sender in Qatar zu bombardieren. Ahmed Mansur ist zudem eine der „Ursachen“, dass dem Sender Nähe zur Muslimbruderschaft nachgesagt wird. Er steht mit seiner Parteinahme und seiner panarabisch-, populär-, islamisch-, regierungskritischen Linie für das, was derzeit wohl Mainstream des politischen Teils der sogenannten Arabischen Strasse ist. Mansur spiegelt die Stimmung wieder, die er selbst mitprägt.
Ein anderer Journalist hat sich Ahmed Mansurs Rafah-Erfahrung der vergangenen Woche erspart: Magdy Hussein, Chefredakteur der verbotenen ägyptischen Zeitung „Al-Shaab“ und Autor der nicht ganz seriösen Wochenzeitung „Sawt al-Umma“, hatte sich auf eigene Faust nach Gaza aufgemacht. „Er wusste, dass er keine Aus- und Einreisegenehmigung bekommen würde, deswegen hatte er sie gar nicht beantragt“, sagt Sawt al-Umma-Chef Abdel Halim Qandil. Ob Magdy Hussein tatsächlich durch einen der Schmugglertunnel gekrabbelt ist, wie ihm vorgeworfen wird, oder ob er eine Lücke im Grenzzaun fand, wie er selbst sagt, ist unklar. Sicher ist, dass er am Ende seiner Reise vergangene Woche am Grenzübergang Rafah eintraf und bei der Einreise nach Ägypten verhaftet wurde. Seit gestern steht er vor dem Militärgericht.
Es verwundert nicht, dass die ägyptische Regierung mit Ahmed Mansur und Magdy Hussein ein Hühnchen rupfen will. Auch Magdy Hussein steht für scharfe Kritik an der Regierung und populistische Berichte. Was allerdings erstaunt, ist, dass Kairo so ungeschickt ist, es wirklich zu tun. Eigene Erfahrungen und die der Amtskollegen in den Nachbarstaaten haben doch gezeigt, dass diese Art Drangsalierung von Journalisten nur dazu führt, dass sie mehr Gehör finden und an Glaubwürdigkeit gewinnen. Ahmed Mansur zumindest wird seine Sendung nächste Woche aus Kairo statt aus Gaza moderieren, und ein gutes Thema hat er auch schon. „Eigentlich wollte ich über die Situation in Gaza sprechen, aber jetzt werde ich mich wohl auf die Rolle Ägyptens konzentrieren“, sagt er und klingt gar nicht mehr so frustriert.

Julia Gerlach

PS. Ich persönlich bin den ägyptischen Beamten regelrecht dankbar. Nun kann ich mit Ahmed Mansur Tee trinken. Über die Objektivität im Journalismus lässt sich schließlich nach jedem Krieg immer wieder neu diskutieren. Nach dem im Gazastreifen ganz besonders.

Thema: Briefe | Comments Off | Autor: Julia Gerlach

Verwirrung allenthalben

Sonntag, 25. Januar 2009 18:22

Der Gaza-Krieg in der deutschen Öffentlichkeit

Seit den fünfziger Jahren ist Deutschland aus historischen Gründen mit Israel solidarisch. Auch die öffentliche Meinung hatte immer eine entschieden pro-israelische Tendenz. Es gibt jedoch Indizien, dass sich dies seit einigen Jahren langsam ändert. Der folgende Beitrag analysiert die Ausgangsbedingungen und Verschiebungen in der medialen Darstellung des palästinensisch-israelischen Konflikts am Beispiel des jüngsten Gaza-Krieges.

Die Stellungnahme der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Beginn des Gaza-Krieges war überraschend einseitig: Ihr zufolge hatte allein die Hamas Schuld an diesem Krieg. Mit diesem Urteil blendete die Bundeskanzlerin die jahrelange Blockade des Gaza-Streifens durch Israel sowie die Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts völlig aus.

Überraschend war dieses Urteil aus zwei Gründen: Erstens weil es ist diplomatisch ungeschickt ist, und zweitens, weil es in seiner Einseitigkeit nicht die Meinungsvielfalt spiegelt, die in der deutschen Öffentlichkeit zu diesem Konflikt zu finden war.

Meine folgenden Ausführungen zu diesem Meinungsbild in der deutschen Öffentlichkeit können sich nicht auf Statistiken stützen, nicht auf eine wissenschaftliche Auswertung der Medien oder auf Umfragen. Dafür ist es noch zu früh, und ich bin kein Medienwissenschaftler. Wenn unser Ziel eine Bewertung dieser Berichterstattung ist, wäre uns aber selbst mit einer gründlichen Statistik vermutlich nur wenig geholfen. Zur Erläuterung das folgende Beispiel:

Obwohl vieles dafür spricht, dass die westliche und besonders die deutsche Öffentlichkeit mehrheitlich eine pro-israelische Haltung einnimmt, wird von Israel und seinen Freunden behauptet, dass die Medien mehrheitlich gegen Israel sind, dass der Kampf um die Gunst des Publikums im Westen für Israel verloren sei. Dasselbe gilt umgekehrt: Selbst wenn wir eine pro-palästinensische Tendenz in den westlichen Medien erkennen könnten, wären die Palästinenser und die Araber mit der Darstellung des Konflikts wahrscheinlich nicht zufrieden.

Beiderseitige Unzufriedenheit

Jede Seite wirft den Medien der nicht direkt betroffenen Staaten vor, das Bild zu verzerren. Der Grund für diesen Vorwurf ist leicht erklärt: Es liegt daran, dass keine Seite ihre eigene Sicht vollständig wiederfindet, dass sich keine Seite angemessen vertreten fühlt, weil wir in Europa und besonders in Deutschland natürlich unsere eigene Sicht auf den Konflikt haben. Daher hat jede der beiden Seiten das Gefühl, dass der Konflikt nicht gerecht gesehen wird.

Im Folgenden will ich versuchen, zu einer Bewertung jenseits des Vorwurfs der Einseitigkeit zu kommen. Dieser Vorwurf stimmt wahrscheinlich schon deshalb nicht, weil beide Seiten in diesem Konflikt den Medien Einseitigkeit vorwerfen. Die deutsche Bundeskanzlerin war einseitig. Die Medien nicht.

Wenn wir die öffentliche Meinung in Deutschland beurteilen wollen, ist es am sinnvollsten, die staatsnahen und mainstream Medien zum Maßstab zu nehmen. Das Meinungsbild hier entscheidet über die öffentliche Meinung in Deutschland insgesamt. Zu diesen Medien zähle ich die öffentlich-rechtlichen (von den Fernsehzuschauern und Radiohörern durch Gebühren mitfinanzierten) Rundfunkanstalten (ARD und ZDF), sowie ferner die großen (unabhängigen und nichtstaatlichen) Tageszeitungen und Medienkonzerne, einschließlich ihrer Aktivitäten im Internet, also zum Beispiel „Der Spiegel“ und Spiegel-Online. Das Privatfernsehen hat zwar noch mehr Zuschauer als das öffentliche, bringt jedoch nur sehr wenig politische Berichterstattung und bleibt im Rahmen dessen, was auch im öffentlich-rechtlichen TV zu sehen ist (ähnliches gilt meiner Ansicht nach für die Boulevard-Presse).

Wenn wir uns anschauen, wie sich der Gaza-Krieg in diesen staatsnahen und mainstream Medien von Ende September bis Ende Januar 2009 dargestellt hat, dürfen wir zunächst sagen: Er wurde sehr intensiv dargestellt! Ungefähr einen Monat lang war dieses Thema in allen Medien breit repräsentiert, es war unmöglich, nicht davon zu erfahren, nicht die Zahlen der Toten auf beiden Seiten zu kennen, und ebenso war es unmöglich, nicht davon zu erfahren, dass die Fakten unterschiedlich gedeutet werden und dass die Meinungen dazu weit auseinandergehen. Stellen wir uns einen imaginären Beobachter vor, der keine vorgefasste Meinung zu diesem Konflikt gehabt hätte und alle Zeitungen sowie Radio- und Fernsehberichterstattungen zum Konflikt verfolgt hätte: Ein solcher Beobachter müsste am Ende sehr verwirrt sein und wüsste wahrscheinlich nicht, was er denken und wie er darüber urteilen soll.

Vorgefasste Meinungen

Allerdings haben die meisten Menschen bereits eine vorgefasste Meinung. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auf zwei Eigenschaften der Deutschen heutzutage hinzuweisen, die in der Beurteilung des Konflikts für uns eine große Rolle spielen. Zum einen wäre die tiefe Scham und historische Schuld der Deutschen gegenüber den Juden zu nennen; dieses Gefühl schlägt in der Beurteilung des Konflikts zum Vorteil Israels aus. Wir müssen jedoch bedenken, dass dieses Gefühl der Schuld mit den Jahren allmählich verblasst. In der jüngeren Generation ist das Verblassen des Schuldgefühls deutlich zu spüren. Diese Generation hat in den Medien und in der Politik jedoch noch nicht die Verantwortung.

Die zweite Eigenschaft, auf die ich hinweisen möchte, hat ebenfalls mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun: Es ist der weit verbreitete Pazifismus der Deutschen. Krieg und Gewaltanwendung gelten den meisten als schlechte und untaugliche Mittel zur Konfliktlösung. Dieser Pazifismus hat die Deutschen davon abgehalten, am Irak Krieg teilzunehmen. In Bezug auf Gaza wirkt sich dieser Pazifismus zum Nachteil Israels aus: Die rücksichtslose Anwendung von kriegerischen Mitteln schadet dem Ansehen Israels in Deutschland.

Zwei weitere Punkte müssen wir erwähnen, wenn wir die öffentliche Meinung in Deutschland zum Gaza-Krieg gerecht beurteilen wollen. Viele Menschen im Westen können sich mit Israel leichter identifizieren als mit den Arabern. Dafür gibt es mehrere verständliche Gründe: Israel wirkt, jedenfalls von außen, wie ein westlicher, europäischer Staat. Viele Israelis haben europäische Wurzeln, und zudem ist Israel ein Teil des geschichtlichen und religiösen Selbstverständnisses des Abendlands (was für den arabischen Nahen Osten so nicht ohne weiteres gilt). Jedes Kind im Westen kennt den Namen Israels schon aus der Bibel.

Diese insgesamt pro-israelische Grundstimmung in Deutschland und im Westen paart sich besonders seit dem 11.9.2001 mit Angst vor den Arabern und Muslimen im Allgemeinen. Der „gefühlten“ Nähe zu Israel steht eine „gefühlte“ Distanz zu Arabern und Muslimen gegenüber. Im Fall des Gaza-Krieges wirkt sich diese Angst vor allem auf die Wahrnehmung der Hamas aus. Durch alle Kommentare und Berichterstattungen in den mainstream Medien zieht sich der Grundton, dass die Hamas schlecht ist. Dies äußert sich vor allem in feststehenden Redewendungen. Die Nennung der Hamas wird häufig begleitet von Beiwörtern wie „die radikalislamische Hamas“ oder „die militante Hamas“ oder es ist die Rede von den „Hamas-Terroristen“. In vielen Kommentaren wird die Hamas daher auch mit den Taliban und Al-Qaida verglichen.

Dass es der israelischen Diplomatie gelungen ist, die europäische Union dazu zu bewegen, die Hamas auf die Liste der Terrororganisationen setzen zu lassen, erweist als sich als großer israelischer Propagandaerfolg. Das Ergebnis die erwähnte Spracheregelung, sobald die Hamas erwähnt wird, das Ergebnis ist aber auch eine Lähmung der europäischen Diplomatie, die mit der Hamas nicht verhandeln darf, weil sie auf der Liste der terroristischen Organisationen steht.

Eine weitere Besonderheit der westlichen Medien wirkt sich unbeabsichtigt ebenfalls positiv für die Wahrnehmung Israels aus: In unseren Medien werden keine Leichen gezeigt, keine Opfer, keine Schwerverletzten. Dies geschieht aus Gründen der Pietät. Wenn es aber über 1400 palästinensische Opfer gibt und nur 13 israelische, profitiert von dieser Pietät natürlich die stärkere Seite: Auf beiden Seiten werden die Opfer unsichtbar, aber auf der einen sind es hundert Mal so viele wie auf der anderen.

Schlechte Voraussetzung, positive Entwicklung

Wir können also zusammenfassen, dass die Grundvoraussetzungen für eine pro-palästinensische oder auch nur ausgeglichene Wahrnehmung des israelisch-palästinensischen Konflikts in Deutschland schlecht sind. Angesichts dessen scheint mir jedoch, dass die Darstellung des Gaza-Kriegs in den deutschen Medien eine für die palästinensische Sache positive Entwicklung aufweist. Seit ich persönlich diesen Konflikt verfolge, also seit rund 20 Jahren, habe ich selten so viele Israel-kritische Stimmen gehört wie in den drei Wochen des Gaza-Krieges und danach. Es war unmöglich, diese Israel-kritischen Stimmen zu überhören.

Ich möchte zwei Beispiele geben, eins vom Anfang des Krieges, das andere aus den Tagen danach. Beide stammen aus dem Ersten Deutschen Fernsehen der ARD, dem ältesten und einem der wichtigsten staatsnahen Fernsehsender in Deutschland. An einem der ersten Tage des Krieges, nachdem Angela Merkel ihr eingangs erwähntes einseitiges Statement pro Israel äußerte, lud der Sender den Islamwissenschaftler Udo Steinbach als Kommentator ein. Steinbach vertritt eine entschieden pro-palästinensische Haltung. Er kritisierte die deutsche Regierung, verteidigte die Hamas und verurteilte den israelischen Angriff.  Zur besten Sendezeit hörten die Zuschauer in den Nachrichten über den Konflikt als erstes eine klare, pro-palästinensische Stellungnahme.

Aber das deutsche Fernsehen wäre nicht das deutsche Fernsehen, wenn es diese pro-palästinensische Meinung eines Fachmanns ohne Widerspruch hingenommen hätte. Direkt in Anschluss an das Interview mit Steinbach brachte der Sender einen Kommentar von einem Redakteur des Senders, der eindeutig pro-israelisch war. Die Zuschauer standen also vor der Wahl, dem Fachmann Steinbach zu glauben oder der „offiziellen“ Sichtweise des öffentliche-rechtlichen Senders (ARD), welche sich im Kommentar ausdrückte. Der Zuschauer, der nicht schon vorher eine klare Meinung hatte, musste zwangsläufig verwirrt werden.

Dasselbe Phänomen ließ sich kurz nach dem Krieg in einer populären Polit-Talkshow, mit dem Namen „Hart aber fair“ beobachten. Unter dem Thema: „Blutige Trümmer in Gaza - wie weit geht unsere Solidarität mit Israel“ wurde über den Gaza-Krieg diskutiert. Auffällig war, dass von den fünf eingeladenen Diskussionsteilnehmern drei eine pro-palästinensische Position vertraten. Dennoch kann man nicht sagen, dass die Diskussion mit dem Ergebnis endete, dass der israelische Angriff zu verurteilen ist. Vielmehr zeigte sich die gleiche Verwirrung wie bereits am Anfang des Gaza-Krieges: Alle redeten durcheinander, die Diskussionsteilnehmer schrien sich gegenseitig an. Am Ende konnte sich jeder Zuschauer in seiner vorgefassten Meinung bestätigt fühlen; aus der emotional geführten Diskussion konnte man nicht lernen.

Verwirrung allenthalben

Die Verwirrung in diesen Sendungen spiegelt die Verwirrung der Medienmacher im Allgemeinen wieder. Die Verantwortlichen in den Medien wissen offensichtlich selber nicht mehr, welches Bild sie vermitteln wollen, welches Bild das richtige ist. Das deutet darauf hin, dass in den deutschen Medien und in der Öffentlichkeit insgesamt die Sympathien nicht mehr eindeutig pro Israel sind.

Das Ergebnis dieser Verwirrung ist der Verzicht auf ein klares Urteil. Ohne ein klares Urteil, ohne eine klare Änderung der öffentlichen Meinung, wird aber nur der status quo, die bestehende Politik und Situation unterstützt. Als in jeder Hinsicht stärkere Partei profitiert davon Israel. Wenn trotz aller Diskussionen am Ende doch alles gleich bleibt, bleibt die Überlegenheit Israels bestehen, und die deutsche und europäische Politik (incl. Bundeskanzlerin) braucht ihre Position nicht zu ändern.

Wenn wir die Wirkung dieser Verwirrung beurteilen wollen, müssen wir einen weiteren Punkt bedenken: Viele Menschen in Deutschland glauben durchaus, dass der Gaza-Krieg in der brutalen Form, in der er geführt wurde, unangemessen oder falsch war. Israel zu kritisieren, bedeutet in Deutschland jedoch nicht, eine direkte Sympathie mit den Palästinensern zu empfinden. Das liegt nicht zuletzt an dem erwähnten negativen Image des Islams und der Araber im Allgemeinen. Und weil wie gesagt die Hamas in Europa von den meisten Menschen (wie von der Politik) für eine Terrororganisation gehalten wird, hat die Machtübernahme der Hamas die Sympathie für die Palästinenser zusätzlich erschwert.

Ich vermute daher, dass die Kritik an Israel und das Mitleid mit den Palästinensern nicht politisch motiviert sind, sondern humanitär. In der deutschen Öffentlichkeit wird das Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza beklagt, aber nur selten wird die Situation politisch analysiert. Viele Deutschen sind für die Palästinenser als Menschen, aber nur wenige für die palästinensische Sache. Diese Trennung zwischen den Menschen und ihren Anliegen ist ein Paradox, eine Abstraktion, die uns nur im sicheren Mitteleuropa schlüssig vorkommt. In Wirklichkeit hängt beides untrennbar zusammen.

Stellen wir uns aber jetzt vor, die Palästinenser oder die Araber insgesamt würden eine geschicktere Öffentlichkeitsarbeit machen. Stellen wir uns weiter vor, sie hätten eine bessere Diplomatie und wären weniger zerstritten; stellen wir ebenfalls vor, die Palästinenser und die Araber insgesamt hätten eine gemeinsame und realistische Strategie zur Lösung dieses Konflikts; nun, in einem solchen Fall könnte Israel mit seiner gegenwärtigen Politik den Kampf um die Sympathie der deutschen und europäischen Öffentlichkeit verlieren; und dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die israelische Politik die bedingungslose Unterstützung durch die europäischen Regierungen verliert.

Trotz der erwähnten, wesentlich besseren Grundvoraussetzungen für Israel hat die Berichterstattung über den Gaza-Krieg in Deutschland gezeigt, dass sich in den Medien etwas bewegt. Obwohl die genannte Verwirrung vorerst Israel nützt, ist sie als ein Fortschritt zu werten: Noch vor wenigen Jahren gab es keine Verwirrung, weil die Verantwortlichen in den öffentlich-rechtlichen Medien zu wissen glaubten, welche Position in diesem Konflikt einzunehmen war: eine pro-israelische. Diese Zeit ist vorbei. Ich glaube daher, dass es sich für die Palästinenser und Araber lohnt, den Kampf um die öffentliche Meinung in Europa mit einer größeren Entschiedenheit als bisher aufzunehmen: Sofern palästinensische Sache gerecht ist, besteht die Hoffnung, dass auch die israelisch-palästinensische Auseinandersetzung eines Tages so wahrgenommen wird, wie es die Tatsachen gebieten.

© Stefan Weidner

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Stefan Weidner

Israel, wake up!

Freitag, 23. Januar 2009 19:14

Ich möchte auf den „Brief aus Gaza“ von Esther Saoub hinweisen. Hier ist, warum: Er ist menschlich, er beschreibt die Vielschichtigkeit der Lage in Gaza, ohne übertrieben moralisch zu sein. „Ich will leben!“, sagt Muhammad, „ist das verdammt noch mal zu viel?“ Nein, es ist verdammt noch mal nicht zu viel verlangt! Er findet die Qassam-Raketen vollkommen unnütz, sie bringen ihm gar nichts, er redet nicht der Hamas das Wort, obwohl sie die Herren im Haus sind und ihm vielleicht Schwierigkeiten bereiten könnten für seine offenen Worte. Von solchen Leuten gibt´s sehr viele, möchte ich wetten. Oder liege ich falsch, Esther?

Israel, wake up!

Albrecht Metzger


Thema: Herr Metzger räumt auf | Comments Off | Autor: Albrecht Metzger

Gaza und die Medien, Teil 2

Freitag, 23. Januar 2009 18:29

Gestern habe ich ein Beispiel für meiner Meinung nach fragwürdige Berichterstattung über den Gazakrieg gebracht, bei dem ich mehrere Worte umstellen und ergänzen musste. Hier kommt Beispiel Nummer zwei, diesmal geht es im Prinzip nur um ein einziges Wort, wenn auch mit Bindestrich (also zwei, genau genommen).

Zitat: „Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas erklärte, seine Organisation werde so lange weiter Qassam-Raketen auf Israel schießen, bis die Blockade des Gazastreifens aufgehoben ist. Benyamin Netanjahu, Kandidat der Likudpartei für das Amt des Ministerpräsidenten bei den Parlamentswahlen im Februar, erklärte, er werde im Falle seiner Wiederwahl die israelische Armee erneut in den Gazastreifen schicken, sollte der Raketenbeschuss nicht aufhören.“

Very well, alles ganz nüchtern. Oder fällt euch was auf? Das würde mich tatsächlich interessieren, aber ich kann euch ja nicht fragen (Kommentarleiste bleibt auch weiter ausgeschaltet, keine Lust auf durchgeknallte Islamophobiker – bei allem Respekt vor allen, die bei klarem Verstand geblieben sind). Mir fällt ein einziges Wort auf: radikal-islamisch. Die „radikal-islamische“ Hamas.

Ich weiß nicht, was Medienmacher mit diesem Begriff eigentlich meinen, ich glaube, sie wissen es selbst nicht. Irgend jemand hat mal damit begonnen, und jetzt machen es alle, weil es toll klingt. Zum Nachdenken über solche Dinge haben viele Redakteure – bei allem Respekt vor meinen Kollegen – aus Gründen des Termindrucks oft keine Zeit. Hier ist meine Erklärung, was hinter dem Begriff radikal-islamisch steckt.

Er wird immer benutzt, wenn bestimmte islamistische Parteien auftauchen: die radikal-islamische Hamas, die radikal-islamische Hizbullah, die radikal-islamischen Taliban. Bleiben wir kurz bei den Taliban: Sie haben Frauen die Finger abgeschnitten, wenn sie Nagellack trugen, öffentliche Exekutionen im Stadion von Kabul zelebriert und Männer mit Gewalt in die Moscheen getrieben. All das ist mir aus dem Gazastreifen nicht zu Ohren gekommen, seit die Hamas im Januar 2006 durch legitime Wahlen an die Macht gekommen ist.

Was die Hamas nach Ansicht vieler Medienmacher vermutlich radikal-islamisch macht, ist ihre Grundcharta von vor 20 Jahren, die gerne mit erwähnt wird, wenn es der Platz erlaubt, selbst wenn der Artikel gar nichts damit zu tun hat, etwa so: „Die radikal-islamische Hamas begann heute Nachmittag damit, Qassam-Raketen auf Sderot zu schießen. Die radikal-islamische Hamas weigert sich, das Existenzrecht Israels anzuerkennen und strebt laut ihrer Charta die Vernichtung des jüdischen Staates an.“ Der letzte Satz ist eine Ergänzung, die man machen kann, die man aber auch bleiben lassen kann, weil sie mit dem Raketenbeschuss eigentlich nichts zu tun hat. Wenn man über die Frage, ob Hamas bereit ist, Israel zu akzeptieren oder nicht, reflektieren will, braucht es dafür einen eigenen Artikel. Das ist meine Meinung.

Nun gut. Schauen wir uns den zweiten politischen Akteur in dem oben genannten Satz an: Die Likudpartei. Wie mich Bettina Marx, eine Kollegin aus dem Netzwerk, aufklärte, werden in der Hymne der Likudpartei „beide Seiten des Jordan“ besungen, was wohl den Wunschtraum zum Ausdruck bringen soll, in der Zukunft ein Großisrael vom Mittelmeer bis zum Euphrat zu errichten. Damit wird in einem Satz den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat abgestritten und die Legitimität des Königreichs Jordanien in Frage gestellt. Ein kühnes Unterfangen. Anders ausgedrückt: ziemlich radikal-jüdisch. Hier der gleiche Satz, ergänzt um ein Wort und einen Satz:

„Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas erklärte, seine Organisation werde so lange weiter Qassam-Raketen auf Israel schießen, bis die Blockade des Gazastreifens aufgehoben ist. Benyamin Netanjahu, Kandidat der radikal-jüdischen Likudpartei für das Amt des Ministerpräsidenten bei den Parlamentswahlen im Februar, erklärte, er werde im Falle seiner Wiederwahl die israelische Armee erneut in den Gazastreifen schicken, sollte der Raketenbeschuss nicht aufhören. Die radikal-jüdische Likudpartei weigert sich, das Existenzrecht Palästinas anzuerkennen und zweifelt die Legitimität des Königreichs Jordanien an. “

Das ist journalistische Fairness. Abgesehen davon: Wenn die Hizbullah radikal-islamisch ist, dann ist es die irakische Daawa-Partei auch. Kader dieser schiitischen Partei haben in den 1980er Jahren mit geholfen, die Hizbullah im Libanon aufzubauen. Zu jener Zeit entführte die radikal-islamische Hizbullah noch westliche Ausländer in Beirut, darunter auch einige Deutsche. Das hat seit ungefähr 1990 aufgehört.

Also: „Der irakische Premierminister Nuri al-Maliki von der radikal-islamischen Daawa-Partei traf gestern Nachmittag die amerikanische Außenministerin Condoleeza Rice, um über den Wiederaufbau des Landes zu sprechen. Die radikal-islamische Daawa-Partei half in den 1980er Jahren dabei, die radikal-islamische Hizbullah im Libanon aufzubauen.“

Konsequenterweise könnte man dieses Prinzip auf alle Parteien übertragen, die in der Politik aktiv sind: die moderat-jüdische Arbeiterpartei, oder, um ein Beispiel aus der Heimat zu nehmen: Die ehemals radikal-ökologischen, jetzt Kohlekraftwerke bauenden Hamburger Grünen.

Morgen kommt Beispiel drei.

Albrecht Metzger

Thema: Herr Metzger räumt auf | Comments Off | Autor: Albrecht Metzger

Brief aus Gaza

Freitag, 23. Januar 2009 11:30

Muhammads Geschichte

„Ich fahr dich nur, weil du Ausländerin bist, Araber chauffiere ich nicht mehr“, sagt Muhammad und schaut finster unter seiner schwarzen Wollmütze hervor. Der magere Mann mit dem dunklen Schnurrbart arbeitet als Fahrer und Kameramann für Al-Jazeera. Es ist elf Uhr abends, Gaza-Stadt ist stockdunkel. Vielleicht hat er Mitleid mit einer blonden Journalistin, die in ihr Hotel will. Als wir im Auto sitzen, frage ich ihn, warum er so schlecht gelaunt sei. (Dumme Frage, denke ich sofort, er arbeitet seit drei Wochen rund um die Uhr, seine Stadt liegt in Trümmern, vermutlich hat er auch Verwandte verloren). Doch Muhammad fängt anders an: „Die Araber haben uns im Stich gelassen“, sagt er, „Alle. Wenn sie reagiert hätten, wäre das Ganze hier nicht passiert. Aber sie haben zugesehen, drei Wochen lang. Die ganze Welt hat zugesehen. Wir Palästinenser in Gaza stehen völlig allein da.“

Muhammad fährt einen Moment lang schweigend weiter, vorbei an der zerschossenen Feuerwache, vorbei an eingestürzten Regierungsgebäuden. „Ist das eine Stadt?“, fragt er dann, „Das ist eine Geisterstadt. Schau dir das an: Alles stockdunkel, niemand auf der Straße. Ich werde verrückt, glaube ich. Sie haben uns die Seele zerstört, das ist es: Meine Seele ist kaputt“.

Wie es ihm ergangen sei, erkundige ich mich vorsichtig, seiner Familie? „Alle leben, Gott sei Dank. Ich habe sieben Kinder. In einer Nacht, das weiß ich noch, saßen wir zusammen in der Küche. Mein Haus hat dünne Asbestwände, die Küche ist der einzig gemauerte Raum, dort haben wir Schutz gesucht. Einen Keller oder so etwas gibt es nicht.“

Muhammad lacht im Nachhinein über seine Naivität: „Solche Wände!“, sagt er und zeigt mir 10 Zentimeter mit den Fingern, „Als hätten uns die schützen können. Wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen. Meine Kinder haben gezittert. Stell dir vor, gestern hat jemand neben mir eine Coladose aufgemacht, und ich bin zusammengezuckt. Wie soll es da meiner Tochter gehen, sie ist anderthalb! Die Kinder kommen jede Nacht zu uns, alle, sie wollen nicht alleine schlafen, sie haben zuviel Angst. Sie glauben nicht, dass es jetzt vorbei ist.“

„Was war das für ein Krieg!“, fährt Muhammad fort. „So etwas hat es hier noch nie gegeben, noch nicht mal 1948. Und wogegen? Gegen ein paar Hamaskämpfer, die ein Gewehr auf der Schulter tragen? Was soll so ein Gewehr wohl gegen F16 Kampfflugzeuge ausrichten? Und dann die Sache mit den Raketen. Raketen! Das sind Plastikrohre mit etwas Sprengstoff drin. Feuerwerk. So etwas schießt man normalerweise zu Sylvester. Sie haben ja noch nicht mal was ausgerichtet! Aber nein, die Hamas muss sie abfeuern. Ich hätte hingehen und sie anschreien sollen: Hört auf mit dem Quatsch, die zerstören uns! Aber dann hätten sie mich erschossen. Und nun haben wir die Quittung: Alles ist kaputt. Unsere Seelen sind kaputt.“

„Ich kenne einen Jungen, ein Baby, er ist sechs Monate alt und hat als einziger seine ganze Familie überlebt. Wie wollen die Israelis ihm eines Tages gegenübertreten? Was wächst da für eine Generation heran?“

„Drei Wochen lang hatten wir kaum Wasser zu trinken, kein Essen, wie sollte ich meine Kinder ernähren? Wie soll ich sie jetzt erziehen, in die Schule schicken, etwas lernen lassen? Heute Morgen rief mich meine Frau an und sagte: Ich will Brot backen aber es gibt keinen Strom. Warte, hab ich geantwortet, vielleicht kommt er. Nach einer Stunde war er immer noch nicht da. Die Kinder sind hungrig, hat sie gesagt, was soll ich machen? Nimm den alten Gasofen, habe ich geantwortet und mach ein Holzfeuer darin (Kochgas gibt es seit Beginn der Blockade vor 18 Monaten nicht mehr). So hat sie dann Brot gebacken. Stell dir das vor. Was ist das für ein Leben? Ist das ein Leben?“

Muhammad zeigt mir einen Flüchtlingspass der UNRWA. Muhammad Rida, geb. 1973, und seine sieben Kinder sind darin aufgelistet. Muhammads Vorfahren waren vor 60 Jahren aus dem heutigen Israel in den Gazastreifen geflohen. Seitdem gelten sie als Flüchtlinge. „Ich will keine Unterstützung der UN, kein Mehl oder Öl, ich will leben! In Frieden leben. Ist das zuviel verlangt?“, fragt Muhammad.

Esther Saoub

Weiterführende Links:
Esther Saoub über ihren Aufenthalt in Gaza:
» Audiodatei auf tagesschau.de (DLF 23.1.2009)
Esther Saoub berichtet aus Gaza:
» Texte auf tagesschau.de (21.1.2009, 22.1.2009)

Thema: Briefe | Comments Off | Autor: Esther Saoub