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Victor Kocher ist tot

Dienstag, 22. März 2011 9:34

Victor und ich - wir waren wie die Tauben… naja, das ist übertrieben, aber wir haben uns gut verstanden. So gut, dass ich ein paar Erinnerungen an ihn aufschreiben möchte.

Unsere erste Begegnung fand in den frühen 1990er Jahren in Zürich statt. Wir lernten uns an einer Party kennen. Ich schwärmte von Kairo - er von der NZZ. Auf sein Anraten schrieb ich darin über das, was ich damals am meisten liebte, nämlich die ägyptischen Musiker/innen Mohammed Abdelwahhab, Umm Kulthum und Abdelhalim Hafez.

Später machte ich ein Volontariat unter ihm in der NZZ. Er war damals Redaktor. Das war, bevor er Nahostkorrespondent wurde. Ich habe viel von ihm gelernt. Am meisten gefiel mir sein Bezug zur deutschen Sprache. So korrigierte er das Wort „Rapport”. Er sagte, dazu gebe es das schöne deutsche Wort „Bericht” - es brauche kein Fremdwort.

Das habe ich - neben anderem - in Erinnerung behalten. Deutsch ist toll -finde ich auch. Einmal war er in Kairo. Dort zeigte ich ihm die islamische Altstadt. Victor und ich mochten Wohnhäuser, Brunnen und Moscheen aus anderen Zeiten. Darin fanden wir uns wieder. Es macht Spass, mit jemandem etwas zu tun, der auf der gleichen Wellenlänge ist.

Unser drittes gemeinsames Hobby war Arabisch. Wenn wir telefonierten, sprachen wir Arabisch. Er eher Libanesisch und ich eher Ägyptisch. Wir mussten immer viel lachen. Über die Ausdrücke und die Redewendungen. Es war immer lustig mit ihm.

Natürlich kritisierte er mich auch, schliesslich war ich seine Schülerin. So gefiel ihm mein Blog nicht besonders. Das schrieb er mir mal. Aber sehr freundlich. Er vergass nicht, hinzusetzen, dass ihm meine Artikel lieber seien… ein höflicher, ein lieber Mensch, dachte ich.

In Erinnerung ist mir auch unser vorletztes Korrespondententreffen in Zürich geblieben. Da wir Kollegen sind, gingen wir gleich aufeinander zu. Er roch mein Parfum, fragte, wie es heisse. Es gefiel ihm, und ich nannte seinen Namen. Ob Victor es gekauft hat, weiss ich nicht. Ich hatte es von meiner Schwester bekommen. Ich freute mich, dass er wahrnahm, wie fein und wohlduftend es ist!

Es tut mir sehr Leid um Victor! Er war ein guter, sehr kluger Mann.

Kristina Bergmann, März 2011

Thema: Allgemein, Kristinas Kolumne | Comments Off | Autor: Kristina Bergmann

Eine Antwort auf Matthias Küntzel

Donnerstag, 21. Januar 2010 11:49

Auf eine von mir verfasste Rezension zu seinem Buch Die Deutschen und der Iran. Geschichte und Gegenwart einer verhängnisvollen Freundschaft, die am 10.1.2010 im Deutschlandradio Kultur gesendet wurde, reagierte Matthias Küntzel erbost. Er veröffentlichte sowohl auf der “Achse des Guten” als auch auf seiner Homepage eine Gegendarstellung. Zudem schrieb er den zuständigen Redakteur im Deutschlandradio Kultur an, der mich wiederum bat, Matthias Küntzel zu antworten. Diese Antwort möchte ich im folgenden öffentlich machen.

Sehr geehrter Herr Küntzel,

Der Redakteur der Sendung Lesart, die meine Besprechung Ihres Buches gesendet hat, bat mich, Ihnen zu schreiben, nachdem Sie ihn angeschrieben hatten. Dieser Aufforderung komme ich gerne nach. Sie schreiben in Ihrer Mail an den Redakteur:

Mein über 150 Bücher umfassendes Literaturverzeichnis, das jene “hervorragend recherchierte” Literatur natürlich einschließt, wird ebenso wenig erwähnt, wie meine Sammlung neuer Fundstücke aus Archiven in Washington D.C. und Berlin, auf die sich meine Arbeit ebenfalls und erklärtermaßen stützt.

Ihre Fundstücke in allen Ehren, aber ich meine die Sekundärliteratur, die Sie verwenden, wenn Sie iranische Geschichte referieren. Hier fehlen die einschlägigen Werke. Ich werde im Folgenden einige davon nennen, kann Ihnen aber gerne auch noch weitere nachliefern, wenn Sie dies wünschen. Ich wollte diesen Brief nur nicht noch weiter ausufern lassen.
Doch lassen Sie mich ein Beispiel geben, wo Sie sich auf unseriöse Literatur stützen: Amir Taheri, auf den Sie im wesentlichen Ihre Darstellung der Ideen und des Verhaltens von Khomeini stützen, ist in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht zitierfähig. Vanessa Martin (Martin, Vanessa: Creating an Islamic State. Khomeini and the Making of a New Iran, London 2003) und Baqer Moin (Moin, Baqer: Khomeini. Life of the Ayatollah, London 1999), die die beiden Khomeini-Biographien verfasst haben, die als wissenschaftliche Standardwerke gelten, kommen bei Ihnen hingegen nicht vor. Sie aber gründen auf von Taheri erfundene Tatbestände große Teile Ihrer argumentativen Herleitung: Der Austausch zwischen Navvab Safavi und Khomeini gilt Ihnen als sehr wichtig: Sie schreiben:

Zu den Gesprächsthemen, über die Navvab und Khomeini ganze Nächte hindurch diskutierten, gehörte die ägyptische Muslimbruderschaft [...]. (Küntzel 101)

Dieser Satz geht - wie unschwer festzustellen ist auf Amir Taheris Khomeini-Biographie zurück. Dort heißt es:

Der Mann, der Khomeini mit dieser Bruderschaft in Kontakt brachte, war ein junger Mullah namens Mohammad Nawab-Safawi [...]. Die beiden Männer verbrachten viele Stunden, ins Gespräch vertieft, miteinander. (Taheri, Amir: Chomeini und die Islamische Revolution, Hamburg 1985, 116.)

Laut Taheri haben diese Gespräche in Najaf stattgefunden, was so nicht sein kann, da Khomeini sich zu dem Zeitpunkt, den Taheri nennt, in Qom befand. Sie verlegen den Ort des Zusammentreffens der beiden Männer nach Qom, aber über die Möglichkeit eines dortigen Zusammentreffens der beiden Männer schreibt der Mann, der den einschlägigen Aufsatz über Safavi geschrieben hat, Sohrab Behdad:

It is not known if there was a direct connection between Khomeini and Navvab Safavi. One account suggests that there could have been such a connection because at the time of the publication of Kash al-Asrar Khomeini was an instructor at Ghom seminary and Navvab Safavi was a student there. Others have expressed doubt about the existence of such a connection. The assassination attempt on Kasravi took place only a few months after Navvab Safavi left Najaf. There is no evidence that Navvab Safavi was ever a student at the Qom seminary. (Behdad, Sohrab: „Islamic Utopia in Pre-Revolutionary Iran: Navvab Safavi and the Fada’ian-e Eslam”, in: Middle Eastern Studies 33 (1997), 40-65 (44).)

Die Verbindung zwischen Navvab Safavi und Khomeini ist absolut zentral in Ihrem Buch, da Sie Grundlage Ihrer Argumentation ist, dass eine enge Verbindung zwischen Khomeini und den Muslimbrüdern und den Attentätern vom 11. September besteht. Sie schreiben:

Auch hinsichtlich der Parole «Ihr lebt das Leben, wie lieben den Tod!», die erst nach dem 11. September die Weltöffentlichkeit aufschrecken sollte, herrschte Einigkeit. Solange die Muslime ihre Liebe zum Leben nicht durch die im Koran geforderte Liebe zum Tod ersetzten, sei ihre Zukunft hoffnungslos, klagte Hassan al-Banna in einem berühmt gewordenen Aufsatz von 1938. Dieses Postulat fiel bei Navvab und Khomeini auf fruchtbaren Boden. (Küntzel 103)

Angesichts Ihrer Argumentation, die doch lautet, dass Iran so gefährlich sei, weil dem Regime ähnlich wie den Selbstmordattentätern vom 9/11 ihr eigenes Leben nichts gilt, da diese sich aus derselben Quelle speisen, nämlich den Muslimbrüdern, halte ich es nicht für unwichtig, zweifelsfrei belegen zu können, ob diese Inspiration so überhaupt stattgefunden hat. Und hier rächt sich eben, dass Sie nicht die einschlägige Literatur zum Thema beachten, sondern sich weitgehend auf Amir Taheri stützen, den ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift Keyhan, die alles andere als ein unabhängiges Blatt war, sondern absolut schahtreu. Taheris Objektivität hat beispielsweise auch Shaul Bakhash, Professor in den USA und einer der wichtigsten Kenner der Materie, angezweifelt. Er ist Autor eines weiteren Standardwerkes mit dem Titel The Reign of the Ayatollahs und hat für die Zeitschrift The New Republic die Anmerkungen in Taheris Buch: Nest of Spies untersucht. Dabei stellte er nicht existierende Quellen sowie bei verwendeten Quellen eine verzerrte Anwendung derselben fest. Dasselbe lässt sich für Taheris Khomeini-Biographie nachweisen.
Lassen Sie uns noch einmal zu dem Abschnitt kommen, den ich aus Ihrem Buch zitiere:

Als Mossadegh 1953 mit dem Gedanken spielte, das Frauenwahlrecht einzuführen, schlug sich Khomeini auf die Seite des Schahs, um Mossadegh, den Frevler, zu stürzen. Als später der Schah das Frauenwahlrecht einführte, wandte sich Khomeini abrupt auch von ihm ab und propagierte seinen Sturz (Küntzel 110).

In ihrer Erwiderung auf meine Kritik, dass Khomeini Mossadegh nicht gestürzt habe, schreiben Sie:

Es stimmt, dass die Diskussion um den Anteil der religiösen Führer und Sekten am Sturz von Mosaddegh im deutschen Sprachraum noch nicht angekommen ist und mein Buch hier Neuland betritt.

Erstens habe ich nicht behauptet, dass die religiösen Führer keinen Anteil am Sturz Mossadeghs hatten. Natürlich hatten sie, Behbahani und Kashani nämlich, zu dem übrigens auch die einschlägige Literatur in ihrem Buch fehlt (Richard, Yann: „Base idéologique du conflit entre Mosaddeq et l’âyatollâh Kâshâni”, in: Digard, Jean-Pierre (ed.): Le Cuisinier et le philosophe: Hommage à Maxime Rodinson, Paris 1982, 263-274; ders.: „Ayatollah Kashani: Precursor of the Islamic Republic?”, in: Keddie (1983), 101-124.) Und wieso ist das noch nicht angekommen im deutschen Sprachraum? Es steht doch in jedem Artikel über Mossadegh, dass Kashani ihn gestürzt hat. Und die Behbahani-Dollars sind schon fast zu einem geflügelten Wort geworden. Ich bestreite im übrigen auch nicht, dass Khomeini nicht auf der Seite Mossadeghs stand, sondern gegen ihn war. Mossadegh war Säkularist und deshalb sah Khomeini in ihm aus seiner Perspektive eine Gefahr. Aber Khomeini hat nicht mit dem Schah kooperiert, um Mossadegh zu stürzen. Als jemand, der Iran regelmäßig besucht, weiß ich darüber hinaus durchaus, wie die Islamische Republik mit Mossadegh umgeht. Und auch hier irren sie, wenn sie in Ihrer Erwiderung auf meine Kritik schreiben - und mich implizit als einen Bewunderer Khomeinis hinstellen:

Es ist verständlich, dass Khomeinis Bewunderer gerade hier besonders empfindlich reagieren, besagt doch der antiimperialistische Mythos, dass die beiden Helden Mossadegh und Khomeini in ihrem Widerstand gegen den Schah fast schon in Eins zu setzen sind.

Erstens bin ich kein Bewunderer Khomeinis. Zweitens setzt noch nicht einmal der „antiimperialistische Mythos” der Islamischen Republik Iran Mossadegh und Khomeini in Eins. Die Propaganda des iranischen Regimes besagt vielmehr, dass es Kashani war, der maßgeblich für die Verstaatlichung des Erdöls verantwortlich war und dem somit das anti-imperialistische Verdienst zukommt: Die Islamische Republik tut sich bis heute extrem schwer mit dem Andenken an Mosaddeq (Siehe dazu: Kermani, Navid: „Wo geht es nach Ahmadabad? Die Islamische Republik tilgt die Erinnerung an Mohammad Mossadegh, den ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten des Landes“. In der Süddeutsche Zeitung vom 26./27.9.2009 erschienen unter dem Titel „Der Löwe mit dem türkisfarbenen Pontiac”).
Ervand Abrahamian beschreibt diesen Umgang mit Mosaddeq: Schulbücher würden ihm nicht mehr als zwei Seiten widmen, ebensoviel wie Safavi und verglichen mit vier Seiten, die der Anti-Konstitutionalist Fazlollah Nuri (1842-1909) bekommt. In den Schulbüchern wird Kashani als der wahre Führer der Nationalisierungskampagne dargestellt und Mosaddeq als sein „hanger-on”, sein Trittbrettfahrer, wie Abrahamian formuliert (Abrahamian, Ervand: Khomeinism. Essays on the Islamic Republic, Berkeley 1993, 105).
Nun einige Erläuterungen zu der Frage, warum Khomeini sich nicht eingemischt hat - und zwar weder für noch gegen Mossadegh. In den fünfziger Jahren war Qom ein Ort, der jeder praktischen Einmischung in die Politik denkbar fern stand. Seit dem Winter 1944/45 lehrt dort Borujerdi (1875-1961), und seit 1946 ist er marja-e taqlid, Quelle der Nachahmung, also die oberste religiöse Autorität und er herrschte in Qom wie der Papst im Vatikan, wie Hamid Dabashi es formuliert hat. Er verbietet es den Geistlichen Qoms, sich in die Politik einzumischen. Wer sich nicht daran hielt, musste die Hochschule verlassen. Für diese Nichteinmischung wurde Borujerdi von Mohammad Reza Pahlavi mit einer weniger anti-klerikalen Politik belohnt, als sein Vater sie betrieben hatte. Großer Widerstand gegen das Gebot der Nicht-Einmischung, das Borujerdi erlassen hatte, regte sich unter den Geistlichen und den Theologie-Studenten in der Tat im Zuge der Ereignisse um die Verstaatlichung des iranischen Erdöls im Jahre 1951, als es zu Spannungen zwischen Mosaddeq und dem Schah kam. Einige Geistliche mit niederem geistlichen Rang erließen Rechtsgutachten, die die Verstaatlichung guthießen. Auch Abo l-Qasem Kashani unterstützte Mosaddeq, und so mancher Student wollte sich ihm anschließen. Khomeini kannte Kashani gut und sympathisierte mit ihm. Doch wer als Geistlicher trotz des Verbotes von Borujerdi politisch aktiv wurde, hatte mit der Ächtung durch das Qomer Establishment zu rechnen. Borujerdi soll zwar in privaten Gesprächen positiv über Mosaddeq gesprochen haben, doch er setzte sich nicht direkt für ihn ein. Borujerdi sah nämlich u.a. in den feda’iyan-e eslam unter Navvab Safavi, die Kashani und somit eine Zeitlang indirekt Mossadegh unterstützten, eine Gefahr: Borujerdi kritisierte Kashani wegen dieser Zusammenarbeit aufs Schärfste und lehnte das Wirken, speziell die Gewalt, und die Ideen der feda’iyan-e eslam ab. Borujerdi war vor allem gegenüber Safavis Idee eines islamischen Staates negativ eingestellt: Auf die Frage, warum er einer Herrschaft der Geistlichkeit gegenüber negativ eingestellt sei, sagte er, der Schah wendet sich mit Waffen wie Kanonen und Gewehren gegen das Volk, und gegen diese Waffen kann das Volk sich wehren. Aber wenn die Geistlichen an seiner Stelle sitzen, sind ihre Waffen gegen das Volk der Glaube und die Glaubensüberzeugungen des Volkes. Und dann hat das Volk keine Chance (Tabataba’i, Sadeq: Khaterat-e siyasi-ye ejtema’i (Politisch-gesellschaftliche Memoiren), Teheran 2009, 27). Letztlich dürfte sich Khomeini der Autorität Borujerdis vor allem deswegen gebeugt haben, weil er einer Bewegung, die ohne die Unterstützung des obersten religiösen Autorität, also Borujerdi, würde auskommen müssen, keine großen Chancen beimaß. Außerdem wird er es nicht gewagt haben, sich Borujerdi zu widersetzen, da dieser über zwei Jahrzehnte hinweg sein Mentor war. Khomeini war Borujerdi sehr verbunden, seine Tochter hatte in die Familie eingeheiratet, und er zollte Borujerdi hohen Respekt.

Zum Thema Frauenwahlrecht:
Ab dem Jahre 1961 (nachdem sein Mentor gestorben war, dem er zu Gehorsam verpflichtet war) kritisierte Khomeini dann offen Mohammad Reza Pahlavi. Bis heute ist sich die Sekundärliteratur nicht einig darüber, was genau die Punkte waren, die Khomeini am Schah kritisierte. Uneinigkeit besteht vor allem in der Frage, ob Khomeini gegen die Landreform des Schahs war und gegen das Frauenwahlrecht, das dieser einführen wollte. Laut Hamid Algar sei die Kritik an der Landreform und am Frauenwahlrecht nicht in dem Ausmaß entscheidend gewesen, wie es in der iranischen Presse jener Zeit dargestellt wurde, um ihn als reaktionären Geistlichen zu diskreditieren. Er will nachweisen, dass es Khomeini weit mehr um die ungerechte Herrschaft ging als um die Reformen, die der Schah eingeleitet hatte bzw. einleiten wollte, und mit dem Argument, der Kampf gegen die Ungerechtigkeit sei „one of the fundamental and most pervasive characteristics of Ithna‛ashari Shi‛i Islam” belegen, dass die Verletzung der Verfassung, der Ausverkauf an den Westen und die autokratische Herrschaft des Schahs der wirkliche Anlass für den Protest Khomeinis gewesen seien (Algar, Hamid: „The Oppositional Role of the ‛Ulama in Twentieth-Century Iran”, in: Keddie, Nikki (ed.): Scholars, Saints, and Sufis - Muslim Religious Institutions in the Middle East since 1500, Berkeley 1972, 231-255 (231)).
Dass Khomeini ein großer Gegner der Landreform war, behauptet auch ein Teil der Sekundärliteratur (Gheissari, Ali & Vali Nasr: Democracy in Iran. History and the Quest for Liberty, Oxford 2006, xiii.). Aber das dürfte daran liegen, dass ihm dies von der Schah-Regierung bei seiner Verhaftung vorgeworfen wurde (Fischer, Michael: Iran. From Religious Dispute to Revolution, Cambridge 1980, 123.). Laut Azar Tabari hingegen, die der Ansicht ist, jedwede Opposition des Klerus sei in der Geschichte immer aus seinem reaktionären Charakter geboren worden, ging es Khomeini in erster Linie um das Wahlgesetz für Frauen vom 7.10.1962 (Tabari, Azar: „The Role of the Clergy in Modern Iranian Politics,” in: Keddie, Nikki R. (ed.): Religion and Politics in Iran, New Haven & London 1983, 47-72 (72)).
Vanessa Martin beschreibt darüber hinaus aber vier Punkte, die in Khomeinis Reden aus dieser Zeit immer wieder zur Sprache kamen und über die weitgehende Einigkeit innerhalb der Sekundärliteratur herrscht: die zunehmende staatliche Kontrolle vor allem in der Rechtsprechung; die Zunahme der Säkularisierung und damit einhergehende Schwächung des Islams; die Zunahme der staatlichen Repression und der Einfluss der USA auf die Politik der Regierung. Zudem war Khomeini nicht einverstanden damit, dass der Schah junge Studienabgänger moderner Universitäten auf die Dörfer schickte, um die Alphabetisierung voranzutreiben. Denn dies förderte in seinen Augen eine säkulare Bildung. Grundsätzlich ging es ihm also vor allem um die Zunahme der Kontrolle durch den säkularen, verwestlichten Staat und um den ausländischen Einfluss (Martin (2003), 22.)
Sie jedoch reduzieren den Konflikt zwischen dem Schah und Khomeini auf die Frauenemanzipation - und das ist nicht seriös. (Dasselbe machen sie auch mit dem Konflikt zwischen Kashani und Mossadegh und auch das stimmt nicht). Deshalb heißt es bei Ihnen:

Für Khomeini war aber die gerade beginnende Frauenemanzipation ein Dorn im Fleisch (Küntzel 111).

Oder:

Am 1. Februar 1979 kam Khomeini, frenetisch gefeiert, nach Iran zurück. Noch im selben Monat ließ er seiner Wut über die Befreiung der Frau, die ihn 1953 zum Antipoden Mossadeghs und 1963 zum Antipoden Reza Schahs [Sie meinen vermutlich Mohammad Reza Schah, Reza Schah war sein 1963 bereits verstorbener Vater. Hilfreich wäre es übrigens auch, nicht Khamenei mit Khatami zu verwechseln wie auf Seite 144.] werden ließ, freien Lauf (Küntzel 122).

Natürlich war Khomeini kein Freund der Frauenemanzipation, das behauptet niemand, aber sie stellen die Sachlage unzutreffend dar. Das meinte ich mit dem Satz: „Küntzel aber lässt alles weg, was nicht zu seinem Geschichtsbild und seiner Agenda passt,” der sich an meine Ausführungen daran anschließt, dass Sie die iranische Geschichte unrichtig darlegen. Denn Überspitzungen bzw. Fehler dieser Art - wie auch die Behauptung, Ahmadinejad sei bei der Besetzung der US-Botschaft dabei gewesen sind, was auch schon seit Jahren widerlegt ist (auch im Zusammenhang mit Ahmadinejad habe ich das einschlägige Buch vermisst: Naji, Kasra: Ahmadinejad. The Secret History of Iran’s Radical Leader, London 2008.), machen Sie leider unglaubwürdig. Damit erweisen Sie der Diskussion, die absolut überfällig ist, einen Bärendienst. Das war mein wesentlicher Kritikpunkt, denn Sie mögen sich erinnern, ich habe Ihnen mehrfach darin zugestimmt, dass die Frage, die Sie aufwerfen richtig und interessant ist. Ich finde das Verhältnis zwischen Deutschland und Iran auch problematisch. Ich schreibe in der Rezension:

Dabei ist die grundsätzliche Frage, die er stellt, ja richtig. [...] Aber sicher ist es eine interessante Frage, warum Deutschland diese außergewöhnlich guten Beziehungen nie genutzt hat, um Druck auf die iranische Führung auszuüben: in Menschenrechtsfragen, bei der Mykonos-Affäre, bei der Rushdie-Affäre, nach den Wahlen im Sommer und in der Atomfrage. Das ist sicher ein großer Fehler der Bundespolitik.

Und meine Argumentation geht dann folgendermaßen weiter:

Küntzel liegt in einigen Fällen so nachweislich falsch, dass es dem Leser schwer fällt, ihm da Glauben zu schenken, wo er Recht haben könnte. Das ist schade, denn das Thema, das Küntzel hier zum ersten Mal bearbeitet, ist wirklich interessant und viele Fragen sind offen. Aber wenn er behauptet, dass Ahmadinejad im Jahre 1979 an der Besetzung der Teheraner US-Botschaft beteiligt gewesen sein soll, obschon selbst der amerikanische Geheimdienst bereits vor Jahren erklärt hat, dass dem nicht so war, dann macht er sich einfach unglaubwürdig.

Noch einige Anmerkungen und Fragen zu den weiteren Punkten, die Sie aufgelistet haben, zu denen ich gerne Stellung nehme bzw. gerne Stellung nehmen würde, denn wo soll ich Sie falsch zitiert haben? Da komme ich leider nicht weiter.
Sie schreiben, ich würde insinuieren, dass Sie behaupteten, „die Iraner seien ein Volk von Antisemiten und Hitlerverehrern”. Finden Sie nicht, Sie legen das nahe, wenn Sie gleich den ersten Satz in Ihrem ersten Teil mit den Worten beginnen:

Wer als Deutscher nach Iran kommt, fühlt sich zuweilen wie im falschen Film. Es kommt vor, dass man mit dem erhobenen Arm begeistert begrüßt wird und an die deutsch-iranische Zusammenarbeit während der Nazi-Zeit erinnert wird (Küntzel 17).

Was Sie dort beschreiben, sind Ausnahmen und es geht dabei nicht um Judenfeindschaft oder die Shoah, davon wissen die meisten nun wirklich kaum etwas. Weder die Shoah noch deren Leugnung kommt in iranischen Schulbüchern ausführlich zur Sprache. Und legen Sie nicht doch nahe, dass Iraner Hitlerverehrer und Antisemiten sind, wenn Sie in Ihrer Erwiderung auf meine Kritik schreiben:

Dabei ist das, was Frau Amirpur zu leugnen sucht, allen Eingeweihten bekannt. Exil-Iraner in Deutschland teilen mir bei meinen Lesungen immer neue Details hierüber mit. „Einmal Hitler!” - lautete beispielsweise die in aller Unschuld erteilte Order, die einer von ihnen seinem Friseur in Teheran zuzuwerfen pflegte, um die gewünschte Frisur zu erhalten. Auch heute noch können über Youtube jene denkwürdigen Bilder von Oktober 2004 abgerufen werden, als die deutsche Fußballnationalmannschaft im Teheraner Stadium stand und Hunderte Iraner beim Abspielen der vertrauten „Deutschland, Deutschland über alles” - Hymne aufstanden, um ihr den Hitlergruß darzubieten.

Oder wenn es in Ihrem Buch auf Seite 47 heißt:

Um jene vermeintliche Gemeinsamkeit zu unterstreichen, ließ der Schah Ende 1934 auf Veranlassung des persischen Botschafters in Berlin die bis dahin übliche internationale Landesbezeichnung „Persien” verbieten. Stattdessen sollte auch international die im Lande übliche Bezeichnung „Iran” [= Land der Arier] zur Anwendung kommen. Auf diese Weise wurde die bislang von ökonomischer Rationalität geprägte Zusammenarbeit um eine mythische Komponente erweitert und um das Gefühl einer ganz besonderen Zusammengehörigkeit ergänzt - ein Gefühl, das bis heute virulent geblieben ist.

Der Landesname bzw. die internationale Bezeichnung des Landes wurde nicht deswegen verändert, weil man die gemeinsamen arischen Wurzeln betonen wollte, sondern weil der Schah argumentierte, dass der Name auch international Verwendung finden sollte, den das Land nun mal hat, nämlich Iran wie es auf Persisch heißt. Er wollte damit in der Tat ein Gemeinschaftsgefühl stärken, aber das der Iraner untereinander, denn die anderen Völker des Vielvölkerstaates Iran fanden es nicht angemessen, dass das Land nur nach den fars, den Persern, die nur eine von vielen Volksgruppen sind, benannt werden sollte. Hinzu kommt: Wenn Ihnen ein Iraner sagt, wir beide sind Arier, dann ist das eher eine anti-islamische Äußerung als alles andere. Denn man will sich damit gemeinsam von den Arabern, den Semiten, absetzen, die es verbrochen haben - in den Augen vieler -, dass Iran heute islamisch ist und nicht mehr zoroastrisch. So ist das oft gemeint, wenn gesagt wird:

Sie sind Deutsche? Wie wunderbar, dann gehören wir zur selben Rasse (Ihr Zitat von Christiane Hoffmann auf Seit 47 Ihres Buches).

Das macht die Äußerung nicht intelligenter, aber Sie nehmen sie und die oben erzählte Geschichte von der Umbenennung Persiens in Iran als Beleg für eine Betonung des Ariertums, die - so kann man kaum anders schließen - eine antisemitische Komponente hat. Würden Sie Christiane Hoffmann angemessen zitieren, müssten in Ihrem Buch auch folgende Sätze stehen:

In den 2500 Jahren der Geschichte des Judentums in Iran gibt es keine dem deutschen oder auch dem osteuropäischen Antisemitismus vergleichbaren Phänomene. Zugleich zeigen manche der mit robustem Nationalismus gesegneten Iraner eine für europäische Sensoren erstaunliche Offenheit für rassistisches Denken. Gerade als Deutscher sieht man sich in Iran immer wieder begeisterten Umarmungen ausgesetzt, die mit der “gemeinsamen arischen Herkunft” begründet werden. “Sie sind Deutsche? Wie wunderbar, dann gehören wir zur selben Rasse.” Sympathien im persischen Kaiserreich für Hitler-Deutschland gründeten allerdings weniger in der Nähe zu dessen rassistischen Ideologien als in der alsbald enttäuschten Hoffnung, das Deutsche Reich möge Iran vor den Kolonialbestrebungen der Briten und Russen bewahren. (Siehe Sympathie für den Satan? - FAZ 7.2.2006).

Gerade dieser Artikel erzählt im übrigen sehr viel über die Geschichte der Juden in Iran, Irans Haltung zu Israel, Ahmadinejads Agenda etc. Aber alles, was er erklärend liefert, lassen Sie weg.

Ich behaupte keineswegs, wie Ihre Autorin insinuiert, „dass Iran die Judenvernichtung plane”,

schreiben Sie in Ihrer Mail an den Redakteur im Deutschlandradio Kultur. Vertreten Sie nicht die Auffassung, Ahmadinejad würde den Angriff auf Israel wollen und planen? Wie darf ich dann den Text auf Seite 289 verstehen? Und viele weitere, die in eine ähnliche Richtung weisen? Seite 146 beispielsweise:

Was aber bedeuten Atomwaffen in den Händen derer, die den Tod auf dem Schlachtfeld als einen Sieg der Seele interpretieren?

Sie zitieren mich auch mit den folgenden Worten, mit denen ich das Berliner „Zentrum für Antisemitismusforschung” gegen den Vorwurf, zuwenig über Iran zu arbeiten, verteidigt haben soll: „Ich verstehe nicht so ganz, wo die Lücke da sein soll.” Auch hier wäre es angemessen, den Kontext darzustellen, denn es war meine Antwort auf Ihre Frage, warum es keine Beiträge vom Zentrum zu der Frage des Antisemitismus in Iran gebe und ich daraufhin auf die beiden Aufsätze von Henner Fürtig verwies, die von diesem in Auftrag gegeben worden sind und die Ihnen ja offensichtlich bekannt sind, da sie in Ihrem Literaturverzeichnis auftauchen. Und in der Tat sind diese beiden Aufsätze eine ausgezeichnete Aufarbeitung und Bestandsaufnahme (Fürtig, Henner: „Die Bedeutung der iranischen Revolution von 1979 als Ausgangspunkt für eine antijüdisch orientierte Islamisierung”, in: Benz, Wolfgang (Hg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 12, Berlin 2003, 73-98; ders.: „Iranischer Antisemitismus unter Ahmadinejad: alter Wein in neuen Schläuchen?”, in: Benz, Wolfgang & Juliane Wetzel (Hg.): Antisemitismus und radikaler Islamismus, Essen 2007, 103-127.).

Noch eine Bemerkung, da Ihr Artikel auf der Achse des Guten ja mit „Fachfrau für Übersetzungsfehler und andere Kleinigkeiten” überschrieben ist und Sie behaupten, Mariella Ourghi habe mich widerlegt. Das ist keineswegs der Fall. Ich würde das gerne erläutern, das ist aber etwas schwierig, da Sie kein Persisch können. Ich kann es aber gerne, wenn Sie wünschen, versuchen. Auch ist das Zitat, das Sie „auf der Achse” anführen und mir Ihrer Meinung nach „die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte” sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen, wie bei der Lektüre des gesamten Artikels ersichtlich ist.

Ich schätze das Anliegen Ihres Buches wert und dürfte in der Beurteilung der aktuellen innenpolitischen Verhältnisse und damit der Tyrannei der Islamischen Republik an vielen Punkten mit Ihnen übereinstimmen. Doch gerade wer die gegenwärtigen Zustände für unhaltbar hält - wie Sie und wie ich -, sollte bei der Beschreibung der Zusammenhänge um so präziser sein.

Mit den besten Grüßen,

Katajun Amirpur

Thema: Allgemein | Comments Off | Autor: Katajun Amirpur

Brief aus Beirut

Samstag, 2. Mai 2009 9:12

Viel ist in letzter Zeit über die “Dahiya” geschrieben worden. Dies ist der Sammelbegriff für die südlichen Vororte Beiruts, die sich in den letzten Jahren so verändert haben. Sie scheinen weniger revolutionär, äußerlich nicht mehr so islamisch-pedantisch und vor allem konsumfreudiger.

Frauen mit Kopftüchern sind dort zwar immer noch häufiger als in anderen Stadtteilen anzutreffen. Aber der Tschador scheint auf dem Tiefpunkt seiner Popularität angelangt zu sein. Als ich im Januar der Ashura-Prozession und der Hizbullah-Demo zugeschaut habe, haben mich die vielen Frauen und Mädchen ohne Kopfbedeckung überrascht. Die Atmosphäre war einem religiösen Volksfest ähnlicher als einer “Muqawama-Show”, die Israel das Fürchten lehren sollte. Und das auf dem Höhepunkt des Gaza-Krieges!

Westliches Fastfood in Form der KFC-Kette und Donut-Läden hat Einzug gehalten, Internetcafés mit allen seinen virtuellen Freiräumen auch. Die Einkaufszentren haben dort - wie in aller Welt - inzwischen auch die Beinamen “Plaza” oder “Laguna”.

Aber die “Dahiya” hat trotzdem noch ihre eigenen Gesetze. Nicht etwa Verkehrspolizisten, die dem Innenministerium unterstehen, versuchen, ins Dauerverkehrschaos in “Haret Hreik” oder in “Chiyah” ein wenig Ordnung zu bringen, sondern Männer in beiger Uniform mit einer Armbinde, auf der “Indibat” (Ordnung) steht. Sie sind von der Hizbullah eingesetzt. Bei Razzien sprechen sich die libanesischen Sicherheitskräfte mit Kollegen von der “Partei Gottes” ab. In Zeitungen erscheinen diese Aktionen am nächsten Tag als eine Form der gelungenen Zusammenarbeit und nicht als ein weiterer Beweis für die mangelnde Souveränität des libanesischen Staates.

Und ich als Journalistin würde mich davor hüten, auf offener Straße mit meinem Mikro Atmo aufzunehmen, eine Umfrage durchzuführen oder Bilder zu machen. In anderen Beiruter Stadtteilen hätte ich damit keine Probleme. Aber hier wären ziemlich schnell Ordnungskräfte der Hizbullah zur Stelle, die mir das strengstens verbieten würden, weil angeblich die Sicherheit der Partei gefährdet werden könnte. Ich muss erst bei Madame Wafa oder Madame Rana vom Pressebüro der Partei um Erlaubnis fragen. Das heißt, viele Papiere hinschicken, einige Tage warten, immer wieder telefonieren und nachhaken, bis dann von oben das OK kommt (bis jetzt).

Nach dem Krieg von 2006 und den verheerenden Bombardements der israelischen Luftwaffe, die in Beirut vor allem “Haret Hreik” zum Ziel hatten, versuchten Stadtplaner von der Amerikanischen Universität, eine breite Diskussion um den Wiederaufbau anzuregen. Staatliche Institutionen, die Hizbullah, die Amal-Partei, Stadtbehörden, Bewohner der betroffenen Gebiete, Architekten und alle interessierten Beiruter sollten Anteil daran nehmen, wie stadtplanerisch eingegriffen werden könne, damit sich die Wohnsituation und Lebensqualität der Menschen dort verbessern würde. Es hätte spannend und eventuell ein Vorbild für andere dichtbevölkerte Stadtteile werden können. Wie etwa ist es möglich, Flächen für Spielplätze und Grünanlagen zu gewinnen? Welche Straßen könnten verkehrsberuhigt werden?

Fast drei Jahre später sind die Ergebnisse ernüchternd. Außer einigen Zeitungsartikeln und wenigen öffentlichen Veranstaltungen, durch die ich im letzten Winter auf das Thema aufmerksam geworden bin, ist nichts gelaufen. Wahrscheinlich ist der Versuch, den Beirutern die “Dahiya” mit Hilfe der Diskussion über den Wiederaufbau Beiruts näher zu bringen, gescheitert. So werden die Vororte, obwohl an manchen Ecken schicker geworden und einige von auswärts dorthin gehen, um billig einzukaufen, weiter fast ausschließlich als Hizbullah-Gebiet wahrgenommen, das nicht so richtig zur übrigen Stadt gehört.

Mona Naggar

Thema: Briefe | Comments Off | Autor: Mona Naggar

Christen in Syrien

Samstag, 21. März 2009 13:38

Der Kollege Yassin Musharbash hat kürzlich einen „Brief aus Damaskus“ geschrieben. Er schildert eine Szene aus dem Vorort Jaramana, wo sich irakische Flüchtlinge anfangen zu prügeln, nachdem der Strom ausgefallen ist. Da fiel mir mein letzter Besuch in Damaskus im Dezember 2006 ein, gerade recht zur Weihnachtszeit. Ich fuhr oft nach Jaramana, weil sich dort vor allen Dingen christliche Flüchtlinge aufhielten. Ich war mit Kai Wiedenhöfer unterwegs, einem sehr guten Fotografen. Wir sollten eine Geschichte über Christen in Syrien recherchieren. Geschickt hatte uns das Magazin Chrismon, das von der evangelischen Kirche finanziert wird. Vor unserer Reise hatten wir vorgeschlagen, lieber etwas über die irakischen Flüchtlinge zu machen, die damals zu Tausenden nach Syrien flohen. Aber es musste ein Artikel über syrische Christen sein, ich weiß nicht mehr genau warum. Das Skurrile war: Die syrischen Christen, die wir trafen, waren nationalistischer als viele andere Syrer, sie schimpften wie die Rohrspatzen auf den Westen und verwiesen auf das Schicksal ihrer irakischen Brüder, die nach dem Demokratiefeldzug der Amerikaner auf der Flucht vor dem Chaos im Irak seien. Die irakischen Christen konnten diesem Kreuzzug im übrigen auch nicht viel abgewinnen, unter Saddam Hussein ging es ihnen besser, wie sie sagten. So ist das leider mit Minderheiten in Diktaturen: Der Herrscher macht sie sich gefügig, indem er ihnen Privilegien zubilligt, die er anderen Gruppen verweigert. Nun ja.

In Kürze werden die ersten christlichen Flüchtlinge aus dem Irak in Deutschland erwartet. Das soll wohl die Humanität der deutschen Regierung zum Ausdruck bringen, nach dem Motto: „Wir stehen auf der Seite unserer christlichen Brüder, aber Muslime sollen lieber im Nahen Osten bleiben, da gehören sie doch hin.“ Na gut, vielleicht etwas böse, aber in etwa stimmt das so. Trotzdem: Ahlan wa sahlan, ya masihiyun al-irak!

Chrismon hat unsere Geschichte über die syrische Christen übrigens nie gedruckt, warum weiß ich bis heute nicht. Das war rausgeschmissenes Geld, wenn ihr mich fragt, und wir haben uns umsonst in Damaskus Weihnachten um die Ohren geschlagen. War aber trotzdem nett. Hier ist die Geschichte, weltexklusiv auf nefais.net:

Eine Oase des Friedens

Christen in Syrien

Syrien ist eine Oase des Friedens, ein Land, in dem sich alle mögen und Präsident Bashar al-Assad nur das Beste für sein Volk will. Das zumindest sagt Nicola Kassab, und er meint es kein bisschen ironisch: „Warum soll man seinen Präsidenten nicht lieben?“ Eine rhetorische Frage. Nicola Kassab sitzt in seinem Juweliergeschäft im Goldbasar von Damaskus, einer Kammer von acht Quadtratmetern, im Schaufenster hängt der Schmuck wie Lametta vom Weihnachtsbaum und neben Nicola ein Bild von Bashar al-Assad. Das machen hier alle so. Nichts Besonderes also. Oder doch? Nicola Kassab, 63 Jahr alt, ist Christ. Er gehört damit einer aussterbenden Minderheit im Nahen Osten an. Im Irak wird es bald keine Christen mehr geben, sie flüchten in Scharen vor dem alltäglichen Terror, selbst in Palästina, der Heimat Jesu, leben nur noch ein paar Tausend. Der Exodus der orientalischen Christen scheint unaufhaltsam. Ausgerechnet Syrien, ein Land mit schlechtem Ruf im Westen, soll eine Ausnahme sein?

Wir haben die Familie Kassab über alte Freunde kontaktiert, wir wollten wissen, was es bedeutet, Araber und Christ zu sein. Passt das überhaupt zusammen? Schließlich ist der Islam die „Religion der Araber“, der Koran in ihrer Sprache herabgesandt worden. Möglichst ehrlich sollten die Antworten sein, deswegen schlugen wir vor, die richtigen Namen zu verschleiern. Das Angebot hätten wir uns sparen können. Die Kassabs reden frisch von der Leber weg, als gäbe es keine Geheimpolizei. Was sie erzählen, entspricht jedoch nicht dem Erwarteten. Nicola und seine Familie schimpfen auf Amerika, sie verteidigen den Islam, manche finden sogar Hassan Nasrallah toll, den Führer der schiitischen Hizbullah.

Viele Christen in Damaskus denken so oder ähnlich, das zeigt sich nach vierzehn Tagen Recherche. Manche gehen noch weiter, wie Bischof Ghattas, der Vertreter des griechisch-orthodoxen Patriarchen. Die westlichen Christen, sagt er, seien eine größere Bedrohung für die Ostkirchen als der Islam. Er schießt damit eine unverhohlene Breitseite gegen George Bush, den wiedergeborenen Christen aus Texas, der behauptet, er wolle den Nahen Osten demokratisieren und vor dem fanatischen Islam retten. Die syrischen Christen winken jedoch dankend ab. Nach einem Weihnachtsmahl mit der Familie Kassab wird klar warum.

Es ist der 25. Dezember 2006. Syrien hat rund 20 Millionen Einwohner, nur zehn Prozent davon sind Christen. Trotzdem ist heute offizieller Feiertag. Die Gassen der Altstadt sind bedrohlich leer, in den Ecken stehen Männer in teuren Anzügen, lässig spielen sie mit ihrer AK-47. Geheimdienst. Präsident Assad kommt zum Weihnachtsgottesdienst ins Patriarchat der Griechisch-Orthodoxen Kirche, es herrscht Alarmstufe eins. Das Patriarchat liegt an der Geraden Straße, hier soll Paulus von Ananias getauft worden sein. Vom Saulus zum Paulus. Fast 2000 Jahre ist das her. Syrien ist urchristliches Land, das heutige Regime betont das, wo es nur kann. Am 26. Dezember erscheint auf der ersten Seite der staatlichen Zeitungen ein riesiges Foto: der schmalbrüstige Präsident umringt von zwei Dutzend Priestern und Imamen mit Bärten bis zum Bauchnabel. „Das ist Syrien“, steht als Überschrift. Seht her, bei uns herrscht Religionsfrieden, lautet die Botschaft.

Nicola Kassab ist griechisch-orthodox, seine Frau Amira, geborene Safar, war ursprünglich syrisch-katholisch, konvertierte aber nach der Heirat zur Konfession ihre Mannes. Am 25. Dezember besucht das Ehepaar Amiras Eltern. Sie wohnen in einem gutbürgerlichen Stadtteil von Damaskus. Auf dem Tisch dampfen die Porzellanplatten, es gibt Rindfleisch mit Kartoffelpüree und Huhn mit Reis, dazu Tabboule, arabischer Salat aus gehackter Petersilie, Bourghol und Tomaten. Nach dem Essen wechselt die Weihnachtsgesellschaft in den Salon und trinkt Tee. Alle paar Minuten klingelt das Telefon, Verwandte aus Übersee rufen an und wünschen ein frohes Fest, außerdem Freunde und Nachbarn. Nicola Kassab klappt fast triumphierend sein Mobiltelefon zusammen, nachdem er einen der vielen Glückwunsche entgegen genommen hat. „Das war einer meiner Kunden“, sagt er. „Ein Muslim!“ 90 Prozent seiner Kunden seien Muslime, das zeige doch schon, wie gut man sich verstünde.

Die Beziehungen zu den Muslimen ist ein zentrales Thema in der Runde. Jeder wehrt sich gegen den Vorwurf, der Islam unterdrücke andere religiöse Minderheiten. „Wir leben seit Jahrhunderten zusammen, der Islam ist tolerant gegenüber den Christen“, sagt Amira Kassab. „Ich meine nicht den Islam im Jemen oder in Saudi-Arabien, das ist alles Müll, sondern hier in Syrien.“

Das Szenario ist leicht skurril. Ein deutscher Reporter sitzt in einer Gruppe syrischer Christen, die ihm mit Vehemenz die religiöse Toleranz des Islams einzubläuen versuchen. Fast so, als wären sie Mitglieder der Muslimbruderschaft. Dennoch hat das nichts mit Gehirnwäsche zu tun. Im Vergleich zu anderen arabischen Ländern bietet Syrien den Christen tatsächlich eine relativ gesicherte Existenz. Sie werden nicht einfach nur geduldet, sondern sind ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Das fängt bei der Bildung an. Laut einer Studie der Universität Rostock sind die syrischen Schulbücher beispielhaft im Nahen Osten, wenn es um die Behandlung religiöser Minderheiten geht. Ihre Geschichte, vor allem die der Christen, nimmt einen breiten Raum ein, anders als in anderen arabischen Ländern. Anders als in Ägypten können die Kirchen in Syrien problemlos Land erwerben, und wenn die Gotteshäuser in Damaskus oder Aleppo zerfallen und einen neuen Anstrich brauchen, werden sie selbstverständlich repariert. Der ägyptische Staat verlangte dafür bis vor kurzem eine Genehmigung, die aus reiner Schikane oft nicht erteilt wurde. Das hat sich mittlerweile auch geändert, aber für den Bau einer neuen Kirche bedarf es immer noch der Zustimmung des ägyptischen Präsidenten.

Die syrischen Christen verhalten sich nicht wie eine unterdrückte Minderheit, die froh sein kann, überhaupt noch da zu sein, sondern sie treten selbstbewusst auf und können bisweilen aufmüpfig werden. Beim letzten Ramadan zum Beispiel. Da beschwerte sich eine christliche Gemeinde in Damaskus über die lauten Gebete, die ständig aus den Mikrofonen der Nachbarschaftsmoschee schallten. Prompt reduzierten die Imame den Sound.

Syrien ist das Herz des arabischen Nationalismus, und die Christen waren immer ein wichtiger Teil dieser Bewegung. Michel Aflaq zum Beispiel, ein syrischer Christ, gehört zu den Mitbegründern der Baath-Partei, die heute berechtigterweise in die Nähe des Faschismus gerückt wird. Die Gräueltaten im Irak, wo die Partei Jahrzehnte lange regierte, lassen keinen anderen Schluss zu. Auch in Syrien hat das Baath-Regime, das seit 1963 an der Macht ist, seine Leichen im Keller. Doch die Baath-Ideologie hatte ursprünglich etwas Fortschrittliches: Sie fasste alle Araber ungeachtet ihrer Religion unter einem Dach zusammen, das verbindende Glied sollte die arabische Sprache und Kultur sein, nicht der Islam. Dieses nationalistische Erbe lebt unter den Christen in Syrien bis heute fort. Für den westlichen Beobachter manchmal in verstörender Weise.

Im Teesalon von Amira Kassabs Eltern erreicht die Diskussion mittlerweile fiebrige Temperaturen. Amiras Bruder Rami Safar hat sein rhetorisches Gewicht in die Runde geworfen, er ist ein selbst selbsterklärter Nationalist. Rami arbeitet in der Juwelierbranche, wie sein Schwager Nicola. Er hat einen buschigen Schnurrbart und lacht herzlich viel; wenn es um Israel geht, versteht er jedoch keinen Spaß. Mehrfach hat ihn der arabische Satellitensender al-Jazira um Interviews für Sendungen über den Goldhandel gebeten, doch er lehnte jedes Mal ab. „Al-Jazira hat Israelis im Programm, sie haben sogar schon Schimon Peres interviewt, den früheren Ministerpräsidenten. Sie schleichen sich in dein Gehirn ein und verändern dein Denken.“ Den einzigen Satellitensender, dem Rami ein Interview geben würde ist al-Manar – und der gehört der libanesischen Hizbullah, der schiitischen Partei Gottes. Seit dem Krieg im Sommer 2006, als die Hizbullah fünf Wochen lang den Angriffen der israelischen Armee standhielt, ist Rami Safar ein Fan von Hassan Nasrallah, dem Führer der Partei. Er kramt sein Mobiltelefon aus der Tasche und zeigt den Hintergrund – es ist ein Bild von Nasrallah, dem Mann mit der Hornbrille und dem schwarzen Turban.

Im Libanon spielen die Christen eine prominente Rolle, es ist das einzige arabische Land, in dem sie nicht die Minderheit sind. Außerdem herrscht hier Meinungsfreiheit und ein weltoffenes Klima. Dennoch stimmt in dieser Runde niemand ein Loblied auf den Nachbarn an. Zu viel politisches Chaos, zu viel Unsicherheit, zudem bekämpfen sich die Christen dort gegenseitig. „Ich interessiere mich nicht für Politik“, sagt Rami Safar, „ich will in Sicherheit leben, meinem Beruf nachgehen und ein angenehmes Leben führen, das ist mir wichtig. Abgesehen davon gibt es heutzutage in Syrien so viel Meinungsfreiheit wie nie zuvor. Vor zehn Jahren hätten wir nicht so offen mit ihnen geredet.“

Das stimmt wohl, doch immer noch werden Oppositionelle nur für ihre Worte ins Gefängnis geworfen. „Wer sich korrekt verhält, kommt auch nicht in den Knast“, erwidert Amira. „Alle Christen denken hier so.“

Alle? Nicht ganz. Ein paar Unbeugsame gibt es, die sich weigern, Lobeshymnen auf Präsident Assad zu singen. Akram al-Bunni zum Beispiel. Er ist Christ und verbachte 17 Jahre in syrischen Gefängnissen, wegen Mitgliedschaft in einer verbotenen kommunistischen Partei. Seit 2002 ist er wieder auf freiem Fuß. Heute lebt Akram al-Bunni in einer bescheidenen Wohnung weitab vom Stadtzentrum, wenn er aufsteht und durchs Fenster schaut, blickt er geradewegs auf die Polizeihochschule, ein lang gezogenes graues Gemäuer. Derzeit sitzt sein Bruder Anwar im Gefängnis, ein bekannter Menschenrechtsaktivist. Er hatte ein Manifest unterschrieben, in dem Präsident Assad aufgefordert wird, mehr Demokratie zuzulassen.

„Ja, viele Christen schätzen die Sicherheit hier“, sagt Akram, „aber es gibt auch viele, die gegen das Regime sind.“ Nicht unbedingt in Damaskus, wo es eine breite christliche Mittelschicht gebe, sondern in kleineren Städten wie Homs und Hamah, wo Akram al-Bunni ursprünglich herkommt. Er stammt aus einer ärmlichen Familie, nicht umsonst ist er schon in jungen Jahren zum Kommunist geworden. Als wir ihm erzählen, dass sich Nicola Kassab kürzlich ein neues Auto der Marke KIA für 22.000 Dollar gekauft hat, rollt er mit den Augen: „Das ist sehr viel für syrische Verhältnisse!“ Zum Vergleich: Ein Teppichhändler im Basar verdient umgerechnet 500 bis 700 Dollar im Monat, und das ist hier ein gutes Einkommen.

Der Klassenunterschied trennt die Bunnis von den Kassabs, er wiegt schwerer als die religiöse Zusammengehörigkeit. Doch eines verbindet die Familien: der Patriotismus. „Ich würde Syrien nie verlassen, das ist mein Land“, sagt Akram al-Bunni. „Ich will hier etwas verändern, was soll ich im Exil? Selbst wenn sie mich bedrohen und wieder ins Gefängnis stecken wollen: Ich bleibe hier!“ Er will ein demokratisches Syrien, in dem Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit herrschen. „Das ist auch besser für die Christen“, sagt Akram.

Demokratie – der Gedanke daran hinterlässt bei vielen syrischen Christen derzeit jedoch einen blutigen Geschmack im Mund. Vor vier Jahren stürzten die USA das Regime von Saddam Hussein und versprachen, aus dem Irak ein Musterbeispiel an Freiheit zu machen. Stattdessen versinkt das Land heute in einem Bürgerkrieg, in dem die Christen das schwächste Glied sind. Sie werden von sunnitischen und schiitischen Extremisten bedroht, ermordet und entführt, und keiner kann oder will sie schützen – auch nicht die Armee des wiedererweckten Christen George Bush. Deswegen fliehen die irakischen Christen in Scharen, das Nachbarland Syrien ist ihr erstes Ziel. In Jaramana, einem Vorort nördlich der Damaszener Altstadt, leben sie in herunter gekommenen Wohnungen und harren der Dinge. Alle träumen von Europa oder Amerika, doch niemand will sie.

Kurz vor unserer Abreise kehren wir in Nicoals Juweliergeschäft zurück, um uns zu verabschieden. Der Fernseher läuft, al-Jazira zeigt eine Sendung über Christen im Nahen Osten, eine Dokumentation der Hoffnungslosigkeit. Gestern hat die konservative Londoner Times einen Artikel veröffentlicht, indem sie behauptet, der Feldzug gegen den Irak habe die Lage der orientalischen Christen nur verschlimmert. Sie würden zu Sündenböcken der amerikanischen Politik gemacht. Auch die syrischen Christen fürchten sich davor, in diese Mühle zu geraten.

Rami Safar kommt herein, schaut auf den Fernseher und schüttelt den Kopf . „Wissen Sie was? Ich habe vor Jahren meinen Bruder in Amerika besucht, in Dallas. Eines abends gingen wir durch die Stadt, es war halb zehn. Plötzlich trafen wir auf eine Polizeisperre. Die Polizisten sagten uns, ab hier könnten sie nicht mehr für unsere Sicherheit garantieren, ab hier herrschen die Kriminellen.“ Rami kann seine Empörung nur schwer unterdrücken. „Die Amerikaner schicken eine Armee in den Irak und erschießen Leute, aber sie sind nicht in der Lage, ihre eigenen Bürger zu schützen. Das soll ein Vorbild sein?“

Im Schaufenster hängt der Goldschmuck wie Lametta vom Weihnachtsbaum. Nicola und seine Familie geht es gut, an Auswandern denkt keiner von ihnen, Rami Safar schon gar nicht. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Albrecht Metzger

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Brief aus Gaza

Donnerstag, 19. Februar 2009 16:04

Raeds Geschichte

Am Ende habe ich es doch bis nach Gaza geschafft. Als ich Mitte Januar nach Israel reiste, um im ARD-Hörfunk-Studio in Tel Aviv auszuhelfen, war nicht klar, ob die israelische Regierung den Gazastreifen für Journalisten wieder öffnen würde. Seit Beginn der Militäroffensive hatten die ausländischen Reporter in Israel darauf gewartet, die Grenze passieren zu dürfen, um mit eigenen Augen das zu sehen, worüber sie drei Wochen lang täglich berichten mussten. Doch schließlich beugte sich die israelische Regierung dem Druck der internationalen Presse und der Entscheidung des Obersten Gerichts des Landes und ließ ausländische Journalisten – eine knappe Woche nach Beendigung der Kämpfe - wieder ohne Einschränkung nach Gaza. Und so konnte ich zum ersten Mal seit einem Jahr wieder in den kleinen elenden Landstrich einreisen, an den ich mein Herz gehängt habe.
Raed holte mich am Grenzübergang Erez ab. Raed, der Taxifahrer, Bodyguard und lokaler Mitarbeiter für ausländische Journalisten, ist über die vielen Jahre, in denen ich mit ihm gearbeitet habe, auch zu einem Freund geworden.
Er versuchte ein kleines Lächeln, das ihm jedoch nicht so richtig gelingen wollte. Wir stiegen in den klapprigen Mitsubishi, den er sich geliehen hatte, denn sein stolzes gelbes Taxi gibt es nicht mehr. Es lag plattgewalzt neben den Trümmern seines Hauses.

Während der Dauer der israelischen Offensive hatte ich keinen Kontakt zu Raed. Über gemeinsame Freunde erfuhr ich, dass er lebt, und dass er sich mit seiner Familie in Sicherheit bringen konnte.
Erst am Tag nach dem Beginn des Waffenstillstands konnten wir wieder telefonisch miteinander sprechen. Als ich ihn erreichte, stand er gerade auf den Trümmern seines Hauses in Jebalya. Er war fassungslos. „Mein Haus ist weg“, sagte er. „Es ist weg, einfach weg. Es ist nichts mehr da.“ Und verzweifelt fügte er hinzu: „Kannst Du uns helfen? Bitte, kannst Du uns ein Zelt schicken?“
Raeds Haus war zerstört, das Haus seiner Eltern und seines Bruders auch. Sein Taxi war von einem israelischen Panzer zermalmt worden. Das alles wusste ich schon aus unseren Telefongesprächen und von den Beschreibungen meiner Kollegen, die vor mir in Jebalya waren und Raed und seine Familie besucht hatten. Trotzdem war ich auf den Anblick, der sich mir bot, als wir in das Viertel Abed Rabbo in Jebalya fuhren, nicht vorbereitet. Es sah wie nach einem Erdbeben aus. Links und rechts der Staubpiste, die einmal eine Straße gewesen war, gab es nur noch Ruinen. Überall liefen Menschen herum, ziellos, wie in Trance. Manche suchten in den Trümmern ihrer Häuser nach noch verwertbaren Gegenständen, andere schichteten die wenigen unbeschädigten Steine auf, die man wieder verwenden können würde. In den Ruinen hatten die Obdachlosen sich notdürftig Hütten gebaut, in denen sie Schutz suchten vor der nächtlichen Kälte. Gott sei Dank ist dieser Winter trocken.
Auch Raed hat zusammen mit seinen Brüdern eine kleine Hütte gebaut.
Dort, auf den Ruinen seines Hauses, erzählte er mir seine Geschichte. „Am Tag, an dem der Krieg ausbrach, arbeitete ich für das australische Fernsehen. Ich war früh aufgebrochen und hatte einen Kameramann abgeholt, um zu drehen. Am Abend kehrte ich nach Hause zurück. Überall um mich herum schlugen die Raketen ein, es war kein Mensch mehr auf den Straßen. Drei Tage verbrachten wir in unserem Haus, meine Frau, unsere sieben Kinder und ich. Wir hatten weder Strom, noch fliessend Wasser. Nach drei Tagen war auch das Wasser in den Flaschen aufgebraucht. Wir wussten nicht mehr, was wir tun sollten. Da kam meine Mutter und rief uns zu sich. Wir liefen schnell hinüber in das Haus meiner Eltern.“
Raed zeigte auf das Trümmerfeld nebenan. Dort stand früher das zweistöckige Haus seines Vaters.
Im Februar 2007, wenige Monate nach einem fatalen israelischen Raketenangriff, bei dem 18 von Raeds Angehörigen getötet worden waren, war die Familie vom benachbarten Beit Hanoun hierher gezogen. Raeds Vater Majdi baute ein neues Haus und auch Raed und seine Brüder investierten ihre Ersparnisse, um eine Heimat zu finden und ein neues Leben zu beginnen. „Es war so schön hier, in unserem Viertel“, erzählte Raed. „Wir hatten Bäume und Blumen und eine schöne Straße. Wirklich, es war schön bei uns.“
Trostlos stapfte er nun durch die Trümmer seines Hauses. Hier war nichts mehr zu retten. Zerbröselnder Beton unter unseren Füßen, dazwischen verbogene Eisenstangen, Kleiderfetzen und Reste von Munition. Raed zog ein zerfetztes rosa Kleidchen zwischen den Betonbrocken hervor. „Schau mal“, sagte er. „Das hatte ich für meine kleine Tochter gekauft. Sie trug es so gern.“ Ein bisschen weiter weg ragte ein zerbeultes weißes Blech aus den Trümmern hervor. „Das war unsere Waschmaschine. Es war ein gutes Gerät, mit Trockner. Wo soll ich nun eine neue Waschmaschine herbekommen?“ Und schließlich fand er sogar das schwarze Plastikmäppchen, in dem seine Autopapiere waren. Es war leer und zerrissen, aber er drückte es an sich wie einen Schatz.
„Elf Tage hielten wir hier die Offensive aus, erst in meinem Haus, dann im Haus meiner Eltern“, fuhr Raed fort. „Wir trauten uns kaum, aufzustehen, denn uns gegenüber hatte sich eine israelische Einheit verschanzt. Sie hatte einen Scharfschützen auf dem Dach platziert, der uns unter Beschuss nahm. Elf Tage lagen wir auf dem Boden, es war die längste Zeit meines Lebens, es war wie elftausend Tage. Nein, es waren elftausend Jahre. Elftausend Jahre Angst.“
Doch irgendwann ging es nicht mehr. Als die Truppen begannen, das Haus mit Granatfeuer zu belegen, beschloss die Familie zu fliehen.
„Wir liefen mit einer weissen Fahne und mit erhobenen Händen hinaus. Wir hatten nicht einmal Zeit, Schuhe anzuziehen oder irgendetwas einzupacken.“ Nur die Männer hatten ihre Ausweise dabei, die sie nun in die Höhe hielten.
Die Familie floh in eine UN-Schule. Dort verbrachte sie die Zeit bis zum Ende des Krieges. Es waren weitere traumatische Tage unter Bomben und Raketenbeschuss, ohne Privatsphäre und ohne echten Schutz. Denn auch die Schulen der UNRWA blieben nicht von israelischen Angriffen verschont.

Als die Kämpfe vorüber waren, kehrte Raed in sein Viertel Abed Rabbo in Jebalya zurück. Doch er erkannte es nicht mehr wieder. Wo sich vorher die Häuser aneinander gereiht hatten, erstreckte sich jetzt ein endloses Trümmerfeld.
Und nun? Nun wohnen die Frauen und Kinder der Großfamilie verstreut bei den Verwandten, die es nicht so schlimm getroffen hat. Die Männer halten Wache auf dem Grundstück und warten. Worauf? Dass sie ihre Häuser wieder aufbauen können. Doch dafür brauchen sie Baumaterial, Zement, Stahl und Sand. Und das kommt nicht. Israel und Ägypten halten die Grenzen geschlossen. Nur humanitäre Nothilfe wird – in beschränktem Umfang - in das Gefängnis Gazastreifen eingelassen.
Ich aber musste dieses Gefängnis wieder verlassen. Als ich den Grenzübergang Erez zurück nach Israel passierte, fragte ich mich, wann ich wohl das nächste Mal nach Gaza kommen würde. Vielleicht sollte dies ja das letzte Mal gewesen sein. Denn anders als in jedem Hochsicherheitsgefängnis dieser Welt gibt es für Gaza keine geregelten Besuchszeiten.

Bettina Marx

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Gaza mit eigenen Augen

Mittwoch, 11. Februar 2009 12:37

Jemand muss doch unsere Geschichte erzählen

Aufzeichnungen aus dem Gazastreifen
Von Esther Saoub

Quelle: SWR.de

Operation “Gegossenes Blei”. Knapp vier Wochen hält die israelische Militäroffensive gegen den Gazastreifen an. In dieser Zeit ist das Kriegsgebiet für Journalisten gesperrt. Sie können die Kampfhandlungen nur von Ferne beobachten. Als Ägypten am 18. Januar den Grenzübergang Rafah für Ärzte und Journalisten öffnet, gehört ARD Korrespondentin Esther Saoub zu den ersten, die in den Gazastreifen einreisen. In ihren Aufzeichnungen erzählt sie von der Begegnung mit Menschen, die vom Krieg erschöpft sind, von ihren Arbeitsbedingungen vor Ort und davon, dass es Momente gibt, in denen auch eine eloquente Journalistin nur noch stumm zuhören kann.

(Sendung vom 10.2.2009)

Direktlinks:
Manuskript auf SWR.de
Audiodatei mp3 (Real Audio)

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Grenzerfahrungen

Freitag, 6. Februar 2009 16:27

Brief aus Kairo

Eben rief ein alter Bekannter an: Ahmed Mansur. Er klang müde und zerknirscht. Er habe aufgegeben, sagte er. Eine Woche Rafah, das sei genug. „Jeden Tag sahen wir Journalisten-Kollegen die Grenze nach Gaza passieren, nur mein Kollege Ghassan Ben Giddo und ich, wir durften nicht durch. Und dass, obwohl wir die gleichen Papiere hatten wie alle anderen“. Es frustrierte ihn besonders, dass er die Behörden nicht einmal dazu brachte, ihm eine offizielle Begründung für das Ausreiseverbot zu geben. Dabei ist Mansur doch für seine geschickten Fragen bekannt. In seiner Sendung „Ohne Grenzen“ grillt der Al-Dschasira-Moderator Woche für Woche die Mächtigen der Region, und so manchen entlockte er Dinge, die diese wohl lieber nicht gesagt hätten. Das Schweigen des Grenzoffiziers war insofern eine zusätzliche Niederlage.
Auch wenn Mansur die Antwort nicht gesagt bekam, so lag sie auf der Hand:
Das offizielle Ägypten ist sauer auf Al-Dschasira. Schließlich wies der Sender in den Tagen des Krieges von Gaza immer und immer wieder darauf hin, dass sich die ägyptische Regierung zu wenig für die Palästinenser einsetze, und dass sie mit der Schließung der Grenze zum Gazastreifen das Leiden der Menschen dort verstärke. Dass die Rolle Ägyptens von den Demonstranten in der ganzen Region so sehr kritisiert wurde, war sicherlich Al-Dschasiras Verdienst. Was andere Journalisten als albern belächelten, nämlich dass der Al-Dschasira-Korrespondent Ahmed Mansur auf dem Dach der EBU in Ägyptisch-Rafah in voller Kriegsmontur, inklusive Stahlhelm und Schutzweste, stand, fanden staatsnahe Kollegen gar nicht witzig. Er suggeriere den Zuschauern, dass auch Ägypten Kriegsgebiet sei, und das sei Meinungsmache, lautete die Kritik einer Journalistin der ägyptischen Tageszeitung Al-Ahram.
Die israelische Regierung reagierte noch allergischer auf Al-Dschasira. Sie hat jetzt einen neuen Boykott gegen den Sender und seine Reporter verhängt. Den Journalisten, die keinen israelischen Pass haben, soll das Visum nicht mehr verlängert werden, Al-Dschasira wird nicht mehr zu offiziellen Pressekonferenzen zugelassen, und nur noch einige ausgewählte Regierungssprecher stehen für Interviews zur Verfügung. Dem Sender wird schon länger vorgeworfen, einseitig für die Hamas Partei zu ergreifen. Ausserdem ist der Boykott eine Reaktion darauf, dass das israelische Handelsbüro in Qatar von dessen Regierung - die ja auch Al-Dschasira finanziert - geschlossen wurde.
Sicherlich war es den ägyptischen Beamten darüber hinaus eine besondere Freude, gerade Ahmed Mansur den Ausreisestempel zu verweigern. Er steht wie kaum ein anderer für die - sagen wir es höflich - engagierte Linie von Al-Dschasira. Er ist dafür bekannt, dass er mutig ist, und dass er eine Meinung hat. „Ich halte objektiven Journalismus für eine Illusion. Ich habe als Journalist die Pflicht, mich auf die Seite der Schwächeren zu stellen. Ich muss die Verbrechen benennen, sonst mache ich mich zum Mittäter“, sagte er vor einiger Zeit, als wir uns in Berlin trafen. Ahmed Mansur ist einer der „Gründe“, wieso Al-Dschasira seit Jahren kein Büro mehr in Bagdad hat.
Er berichtete als einziger ausländischer Journalist von den Kämpfen in Falludscha im Frühjahr 2004, und die Art zu berichteten ging auch vielen seiner größten Fans zu weit. „Auch Freunde sagten mir hinterher, dass sie verstehen könnten, dass ich sehr emotional auf das Schreckliche, was ich dort gesehen habe, reagierte, aber ich sei doch etwas weit gegangen“, räumt er selbst ein. Seine Live-Kommentare wurden von vielen Zuschauern als Aufrufe zum Dschihad verstanden. Kurz danach wurde das Al-Dschasira-Büro in Bagdad geschlossen. In der Folge wurden in Washington Pläne geschmiedet, den Sender in Qatar zu bombardieren. Ahmed Mansur ist zudem eine der „Ursachen“, dass dem Sender Nähe zur Muslimbruderschaft nachgesagt wird. Er steht mit seiner Parteinahme und seiner panarabisch-, populär-, islamisch-, regierungskritischen Linie für das, was derzeit wohl Mainstream des politischen Teils der sogenannten Arabischen Strasse ist. Mansur spiegelt die Stimmung wieder, die er selbst mitprägt.
Ein anderer Journalist hat sich Ahmed Mansurs Rafah-Erfahrung der vergangenen Woche erspart: Magdy Hussein, Chefredakteur der verbotenen ägyptischen Zeitung „Al-Shaab“ und Autor der nicht ganz seriösen Wochenzeitung „Sawt al-Umma“, hatte sich auf eigene Faust nach Gaza aufgemacht. „Er wusste, dass er keine Aus- und Einreisegenehmigung bekommen würde, deswegen hatte er sie gar nicht beantragt“, sagt Sawt al-Umma-Chef Abdel Halim Qandil. Ob Magdy Hussein tatsächlich durch einen der Schmugglertunnel gekrabbelt ist, wie ihm vorgeworfen wird, oder ob er eine Lücke im Grenzzaun fand, wie er selbst sagt, ist unklar. Sicher ist, dass er am Ende seiner Reise vergangene Woche am Grenzübergang Rafah eintraf und bei der Einreise nach Ägypten verhaftet wurde. Seit gestern steht er vor dem Militärgericht.
Es verwundert nicht, dass die ägyptische Regierung mit Ahmed Mansur und Magdy Hussein ein Hühnchen rupfen will. Auch Magdy Hussein steht für scharfe Kritik an der Regierung und populistische Berichte. Was allerdings erstaunt, ist, dass Kairo so ungeschickt ist, es wirklich zu tun. Eigene Erfahrungen und die der Amtskollegen in den Nachbarstaaten haben doch gezeigt, dass diese Art Drangsalierung von Journalisten nur dazu führt, dass sie mehr Gehör finden und an Glaubwürdigkeit gewinnen. Ahmed Mansur zumindest wird seine Sendung nächste Woche aus Kairo statt aus Gaza moderieren, und ein gutes Thema hat er auch schon. „Eigentlich wollte ich über die Situation in Gaza sprechen, aber jetzt werde ich mich wohl auf die Rolle Ägyptens konzentrieren“, sagt er und klingt gar nicht mehr so frustriert.

Julia Gerlach

PS. Ich persönlich bin den ägyptischen Beamten regelrecht dankbar. Nun kann ich mit Ahmed Mansur Tee trinken. Über die Objektivität im Journalismus lässt sich schließlich nach jedem Krieg immer wieder neu diskutieren. Nach dem im Gazastreifen ganz besonders.

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„O Tannenbaum“ im Kaukasus

Mittwoch, 28. Januar 2009 9:16

Zu was brauchen Sie das alles?“, platzte es aus Viktor Klein nach quälenden Minuten der Stille heraus. Alkohol hatte seine Zunge schwer gemacht. Das war im Herbst 2004.

Vor kurzem habe ich vom Tod Viktor Kleins erfahren. Er ist zwar schon Ende März 2007 gestorben, doch Nachrichten vom Süd-Kaukasus ins Ruhrgebiet brauchen etwas Zeit.

Als mich die Nachricht von seinem Ableben erreichte, kam alles wieder hoch: der Gestank nach verdorbenen Lebensmitteln im Haus, die Wodka-Fahne, das Zwielicht und die Beklemmungen beim Anhören des Interviews, als ich zurück in Deutschland war. Ich schäme mich heute noch, wie ich den armen Mann damals mit meinen Fragen belästigt habe: „Wie war das damals im Krieg? Die meisten Deutschen wurden ja deportiert.“ Aber der Reihe nach.

Die Anreise nach Xanlar (sprich: Chanlar, heute Göygöl), einer Kleinstadt in Aserbaidschan, die früher einmal Helenendorf hieß, hatte mich volle zwei Tage gekostet. Gut, ich war nicht nur wegen des „letzten Deutschen von Aserbaidschan“ - Viktor Klein war damals schon eine Berühmtheit - hierher gekommen, aber es klingt dramatischer. Also sieben Stunden Flug nach Baku (mit Zwischenlandung in Prag), am nächsten Tag sechs Stunden Busfahrt nach Gence, der zweitgrößten Stadt des Landes, dann ein Taxi hinauf nach Xanlar.

Ich war gut vorbereitet. In der Deutschen Botschaft in Baku sagte man mir, ich solle am Tag vor dem Besuch bei Herrn Klein den Bürgermeister (Rayon-Chef) von Xanlar anrufen, der würde jemanden zu ihm schicken, um meinen Besuch anzukündigen, denn Herr Klein würde schon mal einen über den Durst trinken; und wenn sich Besuch aus Deutschland ankündige, wäre er nicht gern derangiert.

So war also unsere erste Anlaufstelle in Xanlar nicht das Haus des „letzten Deutschen“, sondern das Büro des Bürgermeisters. Dort bekamen wir, mein Freund Mehdi und ich, nach ausführlichen hochformellen Willkommensbezeugungen eine Privatrede über die wirtschaftliche Entwicklung der Region, sodann eine laienhistorische Einführung in die Geschichte der deutschen Siedler in Aserbaidschan, bis der Bürgermeister endlich - vor dem vierten Tee - einen Mitarbeiter herbeirufen ließ. Dieser Mitarbeiter war der offizielle Viktor-Klein-Beauftragte, eine Art Mentor. Ihn hatte man auch am Tag zuvor zu Herrn Klein geschickt, um mich anzukündigen. Schließlich machten wir uns auf den Weg. Noch war ich guten Mutes.

Was für eine Idylle, dachte ich, ein hübsches Holzhaus mit Veranda unter Weinranken, ein großer Garten, schönes Wetter.

Der Viktor-Klein-Beauftragte klopfte an der Tür. Nichts rührte sich. Nach kurzer Pause ein zweites Mal - wieder Stille. Inzwischen hatte ich eine böse Ahnung. Der Viktor-Klein-Beauftragte gestand nun, dass er zwar am Vortag hier gewesen sei, Viktor aber nicht angetroffen habe. Owei.

Belustigt erzählte er mir nun die Episode vom Besuch des Deutschen Botschafters in Xanlar. Die Situation muss ähnlich gewesen sein wie an diesem Tag, jedenfalls hatte die deutschte Delegation seinerzeit kein Glück, was für alle eine große Enttäuschung gewesen sei. Heute aber sollte alles anders werden: Nach einer halben Stunde Klopfen, Rufen und Warten regte sich etwas im Haus. Schwere Schritte waren zu vernehmen, die Tür öffnete sich, ein zerknautschtes Gesicht blickte uns an.

Ein paar russische Worte gingen hin und her zwischen Viktor Klein und dem Viktor-Klein-Beauftragten. Offenbar wurde Herrn Klein klar gemacht, dass er aus dieser Nummer nicht mehr raus käme. Er ließ uns herein. Mit jedem Schritt in Richtung Stube roch es muffiger, fauliger, alkoholischer, einsamer, aber auch historischer. Wir betraten einen Raum, halb altdeutsches Stillleben, halb Elendsquartier. Noch konnte ich mich nicht festlegen, ob die verschimmelten Auberginen echt oder arrangiert waren (strenge Gerüche stören nach einer gewissen Zeit ja nicht mehr). Wir ließen uns nieder. Die ganze Stimmung war irgendwie verwackelt, was ich aber erst Wochen später begriff.

Der Viktor-Klein-Beauftragte unterrichtete Viktor Klein darüber, wer ich bin, woher ich komme und was ich wolle. Sofort begann ich ihn auszufragen, Recorder an: „Wie war das damals im Krieg? Die meisten Deutschen wurden ja deportiert.“ Stille, leerer Blick. Mir war schon klar, der Mann war nicht ganz nüchtern. Egal, dachte ich: „Wie war das damals?“ Nichts, kurzes Aufschauen, hilflose Augen. Die alte Standuhr tickte von Sekunde zu Sekunde lauter.

Nun kam mir die Erleuchtung: es musste so ein, dass er mich einfach nur nicht versteht! Ich wusste, seine Muttersprache war Schwäbisch, und zwar ein württembergisches Idiom aus dem 19. Jahrhundert. So packte ich also mein ganzes Schwäbisch aus. Mein Vater stammt aus der Bukovina, meine Großeltern sprachen auch so ähnlich wie die Kaukasus-Deutschen. Dazu habe ich zehn Jahre in Tübingen gelebt. Also formulierte ich meine Frage noch einmal in einem schwäbischen Kauderwelsch, von dem ich glaubte, er müsse es verstehen (dies hier im O-Ton zur Verfügung zu stellen ich aber nicht ertrage). Keine Antwort. Mir wurde heiß und kalt: Was wäre ein Hörfunkbeitrag ohne O-Ton wohl wert?

Zu was brauchen Sie das alles? Alle sind gestorben“, lallte Viktor Klein plötzlich. Der „letzte Deutsche von Aserbaidschan“ war bei meinem hochexklusiven Interview nicht nur ein wenig angeschickert, sondern total betrunken. Aber Aufgeben gilt nicht, sprach ich mir Mut zu, und bohrte weiter. Seine zweite Antwort bestand aus nur einem Wort: „Rauschig“, betrunken. Es klang so abweisend wie erklärend.

Schließlich bot ich ihm an, er könne ruhig Russisch oder Azeri sprechen, das sei kein Problem für mich. Deutsch sprach er schon Jahre nicht mehr, denn alle Verwandten hatten schon lange das Land in Richtung Deutschland verlassen. Russisch war seine Schul- und Alltagssprache geworden (Azeri beherrschte er auch, aber das brauchte er nur für den Nachbarschafts-Smalltalk und um Kinder vom Hof zu scheuchen). „Das ist nicht der Grund, ich kann auch Deutsch sprechen!“, verzweifelte er, sichtlich angestrengt.

Ein Schulfreund meines Vaters war Kommandeur im kaukasischen Heer. In der Kaiserzeit waren sie zusammen im Gymnasium. Der Mann half uns dabei, dass wir hier bleiben konnten.“ - Und wie sind die Nachbarn so? „Das sind keine Guten! Schlecht und falsch!“ Warum? „Was weiß ich.“ Den aserbaidschanischen Dörflern gegenüber war er feindlich gesinnt.

Zugegeben, mehr Diaspora geht kaum: als einziger, evangelischer - noch von den Sowjets verfolgter - Deutscher im Kaukasus unter muslimischen Aserbaidschanern. Da sind Bitterkeit und Alkoholismus zumindest erklärbar.

Schließlich setzte er sich einfach an sein verstimmtes Klavier und spielte drauf los: „O Tannenbaum, wie schön sind deine Blätter.“ Ich erfahre von seinem Mentor, dass Viktor am Konservatorium studiert habe, Gesang und Klavier.

Wir machten noch einen Spaziergang zum Friedhof. Das ganze Gelände war verwildert, fast alle Grabsteine umgestoßen. Als 1988 der Konflikt um Berg-Karabach ausbrach, wütete der aserbaidschanische Mob auf den armenischen Friedhöfen im ganzen Land. Da auch die deutschen Grabsteine Kreuze trugen, wurden auch sie nicht verschont. Dafür schämen sich die Aserbaidschaner heute noch - nur für die Schändung der deutschen Gräber, natürlich nicht für die der armenischen. Auf den deutschen Teil ihrer Geschichte sind die meisten Aserbaidschaner sonst recht stolz.

Versonnen betrachtete Viktor Klein einen deutschen Grabstein: „1845 sind die hierher gekommen, von Württemberg.“ Letzter O-Ton. Nun liegt er selbst dort begraben. Sein Haus hat er der Deutschen Botschaft vermacht, zur Nutzung als Museum.

Grab Viktor Klein (Bild: Benjamin Haerdle/n-ost)

Grab Viktor Klein in Xanlar (Bild: Benjamin Haerdle/n-ost)

Aus diesen O-Tönen ist nie ein Hörfunkbeitrag entstanden. Damals habe ich es nicht fertig gebracht, Viktor Klein in den Massenmedien bloßzustellen. Beschönigen wollte ich aber auch nichts. Und so gelangte Viktor Klein nicht in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Hören Sie zum Abschluss Viktor Kleins „Duett mit der Standuhr“.

Tobias Mayer

Thema: Hörfenster | Comments Off | Autor: Tobias Mayer

Gaza und die Medien, Teil 2

Freitag, 23. Januar 2009 18:29

Gestern habe ich ein Beispiel für meiner Meinung nach fragwürdige Berichterstattung über den Gazakrieg gebracht, bei dem ich mehrere Worte umstellen und ergänzen musste. Hier kommt Beispiel Nummer zwei, diesmal geht es im Prinzip nur um ein einziges Wort, wenn auch mit Bindestrich (also zwei, genau genommen).

Zitat: „Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas erklärte, seine Organisation werde so lange weiter Qassam-Raketen auf Israel schießen, bis die Blockade des Gazastreifens aufgehoben ist. Benyamin Netanjahu, Kandidat der Likudpartei für das Amt des Ministerpräsidenten bei den Parlamentswahlen im Februar, erklärte, er werde im Falle seiner Wiederwahl die israelische Armee erneut in den Gazastreifen schicken, sollte der Raketenbeschuss nicht aufhören.“

Very well, alles ganz nüchtern. Oder fällt euch was auf? Das würde mich tatsächlich interessieren, aber ich kann euch ja nicht fragen (Kommentarleiste bleibt auch weiter ausgeschaltet, keine Lust auf durchgeknallte Islamophobiker – bei allem Respekt vor allen, die bei klarem Verstand geblieben sind). Mir fällt ein einziges Wort auf: radikal-islamisch. Die „radikal-islamische“ Hamas.

Ich weiß nicht, was Medienmacher mit diesem Begriff eigentlich meinen, ich glaube, sie wissen es selbst nicht. Irgend jemand hat mal damit begonnen, und jetzt machen es alle, weil es toll klingt. Zum Nachdenken über solche Dinge haben viele Redakteure – bei allem Respekt vor meinen Kollegen – aus Gründen des Termindrucks oft keine Zeit. Hier ist meine Erklärung, was hinter dem Begriff radikal-islamisch steckt.

Er wird immer benutzt, wenn bestimmte islamistische Parteien auftauchen: die radikal-islamische Hamas, die radikal-islamische Hizbullah, die radikal-islamischen Taliban. Bleiben wir kurz bei den Taliban: Sie haben Frauen die Finger abgeschnitten, wenn sie Nagellack trugen, öffentliche Exekutionen im Stadion von Kabul zelebriert und Männer mit Gewalt in die Moscheen getrieben. All das ist mir aus dem Gazastreifen nicht zu Ohren gekommen, seit die Hamas im Januar 2006 durch legitime Wahlen an die Macht gekommen ist.

Was die Hamas nach Ansicht vieler Medienmacher vermutlich radikal-islamisch macht, ist ihre Grundcharta von vor 20 Jahren, die gerne mit erwähnt wird, wenn es der Platz erlaubt, selbst wenn der Artikel gar nichts damit zu tun hat, etwa so: „Die radikal-islamische Hamas begann heute Nachmittag damit, Qassam-Raketen auf Sderot zu schießen. Die radikal-islamische Hamas weigert sich, das Existenzrecht Israels anzuerkennen und strebt laut ihrer Charta die Vernichtung des jüdischen Staates an.“ Der letzte Satz ist eine Ergänzung, die man machen kann, die man aber auch bleiben lassen kann, weil sie mit dem Raketenbeschuss eigentlich nichts zu tun hat. Wenn man über die Frage, ob Hamas bereit ist, Israel zu akzeptieren oder nicht, reflektieren will, braucht es dafür einen eigenen Artikel. Das ist meine Meinung.

Nun gut. Schauen wir uns den zweiten politischen Akteur in dem oben genannten Satz an: Die Likudpartei. Wie mich Bettina Marx, eine Kollegin aus dem Netzwerk, aufklärte, werden in der Hymne der Likudpartei „beide Seiten des Jordan“ besungen, was wohl den Wunschtraum zum Ausdruck bringen soll, in der Zukunft ein Großisrael vom Mittelmeer bis zum Euphrat zu errichten. Damit wird in einem Satz den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat abgestritten und die Legitimität des Königreichs Jordanien in Frage gestellt. Ein kühnes Unterfangen. Anders ausgedrückt: ziemlich radikal-jüdisch. Hier der gleiche Satz, ergänzt um ein Wort und einen Satz:

„Ein Sprecher der radikal-islamischen Hamas erklärte, seine Organisation werde so lange weiter Qassam-Raketen auf Israel schießen, bis die Blockade des Gazastreifens aufgehoben ist. Benyamin Netanjahu, Kandidat der radikal-jüdischen Likudpartei für das Amt des Ministerpräsidenten bei den Parlamentswahlen im Februar, erklärte, er werde im Falle seiner Wiederwahl die israelische Armee erneut in den Gazastreifen schicken, sollte der Raketenbeschuss nicht aufhören. Die radikal-jüdische Likudpartei weigert sich, das Existenzrecht Palästinas anzuerkennen und zweifelt die Legitimität des Königreichs Jordanien an. “

Das ist journalistische Fairness. Abgesehen davon: Wenn die Hizbullah radikal-islamisch ist, dann ist es die irakische Daawa-Partei auch. Kader dieser schiitischen Partei haben in den 1980er Jahren mit geholfen, die Hizbullah im Libanon aufzubauen. Zu jener Zeit entführte die radikal-islamische Hizbullah noch westliche Ausländer in Beirut, darunter auch einige Deutsche. Das hat seit ungefähr 1990 aufgehört.

Also: „Der irakische Premierminister Nuri al-Maliki von der radikal-islamischen Daawa-Partei traf gestern Nachmittag die amerikanische Außenministerin Condoleeza Rice, um über den Wiederaufbau des Landes zu sprechen. Die radikal-islamische Daawa-Partei half in den 1980er Jahren dabei, die radikal-islamische Hizbullah im Libanon aufzubauen.“

Konsequenterweise könnte man dieses Prinzip auf alle Parteien übertragen, die in der Politik aktiv sind: die moderat-jüdische Arbeiterpartei, oder, um ein Beispiel aus der Heimat zu nehmen: Die ehemals radikal-ökologischen, jetzt Kohlekraftwerke bauenden Hamburger Grünen.

Morgen kommt Beispiel drei.

Albrecht Metzger

Thema: Herr Metzger räumt auf | Comments Off | Autor: Albrecht Metzger

Brief aus Gaza

Freitag, 23. Januar 2009 11:30

Muhammads Geschichte

„Ich fahr dich nur, weil du Ausländerin bist, Araber chauffiere ich nicht mehr“, sagt Muhammad und schaut finster unter seiner schwarzen Wollmütze hervor. Der magere Mann mit dem dunklen Schnurrbart arbeitet als Fahrer und Kameramann für Al-Jazeera. Es ist elf Uhr abends, Gaza-Stadt ist stockdunkel. Vielleicht hat er Mitleid mit einer blonden Journalistin, die in ihr Hotel will. Als wir im Auto sitzen, frage ich ihn, warum er so schlecht gelaunt sei. (Dumme Frage, denke ich sofort, er arbeitet seit drei Wochen rund um die Uhr, seine Stadt liegt in Trümmern, vermutlich hat er auch Verwandte verloren). Doch Muhammad fängt anders an: „Die Araber haben uns im Stich gelassen“, sagt er, „Alle. Wenn sie reagiert hätten, wäre das Ganze hier nicht passiert. Aber sie haben zugesehen, drei Wochen lang. Die ganze Welt hat zugesehen. Wir Palästinenser in Gaza stehen völlig allein da.“

Muhammad fährt einen Moment lang schweigend weiter, vorbei an der zerschossenen Feuerwache, vorbei an eingestürzten Regierungsgebäuden. „Ist das eine Stadt?“, fragt er dann, „Das ist eine Geisterstadt. Schau dir das an: Alles stockdunkel, niemand auf der Straße. Ich werde verrückt, glaube ich. Sie haben uns die Seele zerstört, das ist es: Meine Seele ist kaputt“.

Wie es ihm ergangen sei, erkundige ich mich vorsichtig, seiner Familie? „Alle leben, Gott sei Dank. Ich habe sieben Kinder. In einer Nacht, das weiß ich noch, saßen wir zusammen in der Küche. Mein Haus hat dünne Asbestwände, die Küche ist der einzig gemauerte Raum, dort haben wir Schutz gesucht. Einen Keller oder so etwas gibt es nicht.“

Muhammad lacht im Nachhinein über seine Naivität: „Solche Wände!“, sagt er und zeigt mir 10 Zentimeter mit den Fingern, „Als hätten uns die schützen können. Wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen. Meine Kinder haben gezittert. Stell dir vor, gestern hat jemand neben mir eine Coladose aufgemacht, und ich bin zusammengezuckt. Wie soll es da meiner Tochter gehen, sie ist anderthalb! Die Kinder kommen jede Nacht zu uns, alle, sie wollen nicht alleine schlafen, sie haben zuviel Angst. Sie glauben nicht, dass es jetzt vorbei ist.“

„Was war das für ein Krieg!“, fährt Muhammad fort. „So etwas hat es hier noch nie gegeben, noch nicht mal 1948. Und wogegen? Gegen ein paar Hamaskämpfer, die ein Gewehr auf der Schulter tragen? Was soll so ein Gewehr wohl gegen F16 Kampfflugzeuge ausrichten? Und dann die Sache mit den Raketen. Raketen! Das sind Plastikrohre mit etwas Sprengstoff drin. Feuerwerk. So etwas schießt man normalerweise zu Sylvester. Sie haben ja noch nicht mal was ausgerichtet! Aber nein, die Hamas muss sie abfeuern. Ich hätte hingehen und sie anschreien sollen: Hört auf mit dem Quatsch, die zerstören uns! Aber dann hätten sie mich erschossen. Und nun haben wir die Quittung: Alles ist kaputt. Unsere Seelen sind kaputt.“

„Ich kenne einen Jungen, ein Baby, er ist sechs Monate alt und hat als einziger seine ganze Familie überlebt. Wie wollen die Israelis ihm eines Tages gegenübertreten? Was wächst da für eine Generation heran?“

„Drei Wochen lang hatten wir kaum Wasser zu trinken, kein Essen, wie sollte ich meine Kinder ernähren? Wie soll ich sie jetzt erziehen, in die Schule schicken, etwas lernen lassen? Heute Morgen rief mich meine Frau an und sagte: Ich will Brot backen aber es gibt keinen Strom. Warte, hab ich geantwortet, vielleicht kommt er. Nach einer Stunde war er immer noch nicht da. Die Kinder sind hungrig, hat sie gesagt, was soll ich machen? Nimm den alten Gasofen, habe ich geantwortet und mach ein Holzfeuer darin (Kochgas gibt es seit Beginn der Blockade vor 18 Monaten nicht mehr). So hat sie dann Brot gebacken. Stell dir das vor. Was ist das für ein Leben? Ist das ein Leben?“

Muhammad zeigt mir einen Flüchtlingspass der UNRWA. Muhammad Rida, geb. 1973, und seine sieben Kinder sind darin aufgelistet. Muhammads Vorfahren waren vor 60 Jahren aus dem heutigen Israel in den Gazastreifen geflohen. Seitdem gelten sie als Flüchtlinge. „Ich will keine Unterstützung der UN, kein Mehl oder Öl, ich will leben! In Frieden leben. Ist das zuviel verlangt?“, fragt Muhammad.

Esther Saoub

Weiterführende Links:
Esther Saoub über ihren Aufenthalt in Gaza:
» Audiodatei auf tagesschau.de (DLF 23.1.2009)
Esther Saoub berichtet aus Gaza:
» Texte auf tagesschau.de (21.1.2009, 22.1.2009)

Thema: Briefe | Comments Off | Autor: Esther Saoub