VG Wort - Zum Geleit
Samstag, 17. Januar 2009 20:11
Dieser Artikel beginnt mit einem Pixel. Man kann ihn nicht sehen, denn er ist durchsichtig, aber er ist da. Genau genommen handelt es sich um ein Bild, von der Größe eines Pixels im Quadrat. Dieses Bild steht vor dem ersten Wort - und es ist eine Laune des Schicksals, dass das Hörfenster-Blog ausgerechnet mit einem schnöden, dazu noch unsichtbaren Pixel beginnt. Aber mich trägt keine Schuld, es geht nicht anders. Und warum noch eine ausschweifende Erklärung dieses winzigen Phänomens? Weil das der Grund ist, dass dieser erste Beitrag mindestens 1800 Anschläge haben muss.
Das ist nämlich der Mindestumfang für einen bei der „Verwertungsgesellschaft WORT“ meldefähigen Internet-Text, um bei der Tantiemen-Ausschüttung im nächsten Jahr berücksichtigt zu werden. Aber nicht nur das: Der Artikel muss auch noch 1500-mal angeklickt werden (ob man ihn liest, ist zweitrangig), genauer: von 1500 verschiedenen Seitenbesuchern. So will es die VG Wort. Bei jedem Klick macht das 1-Pixel-Bild oben dann selbständig bei der VG Wort Meldung.
Und wenn das Ende Dezember geschafft ist, dann bekomme ich im Oktober 2010 ein paar Euro von der VG Wort für diesen Text. Letztes Jahr waren es 30, aber ich befürchte, je mehr Leute dieses Verfahren kapieren, desto kleiner ist der Kuchenkrümel, der abfällt…
Uninteressant bis hierhin? Es musste geschrieben werden. Denn was jetzt kommt, hätte es allein nie auf 1800 Anschläge gebracht.
Zur Sache: Hörfenster, das ist der Name meiner Homepage, schon seit einigen Jahren. Ich fand den Namen schön. Und er passt zu dem, was ich mache: Radio. Im Mittelalter gab es „Hörfenster“ in Synagogen, kleine Fenster zwischen Männer- und Frauen-Betraum. In Synagogen betete man zu dieser Zeit - wie in Moscheen heute noch - getrennt. Die alte Synagoge von Speyer hatte so ein Hörfenster.
Heutzutage schaut man den lieben langen Tag durch ein Fenster namens „Monitor“, vielleicht 19’’ groß, klickt auf einen Link und manchmal - auf wundersame Weise - hört man auch die Welt da draußen. So wird das World Wide Web zum „Hörfenster“.
Diese Art von Hörfenster möchte ich öffnen.
Das erste Hörfenster wird sich mit dem letzten deutschen Siedler in Aserbaidschan beschäftigen, er hieß Viktor Klein. Als ich ihn vor einigen Jahren besuchte, war er im Vollrausch. Es wurde das beklemmendste Interview, das ich je geführt habe. Die ersten Worte, die er nach meinen bohrenden Fragen herauspresste, waren: „Zu was brauchen Sie das alles? Alle sind gestorben.“ Und das in einem Alt-Württemberger Dialekt aus dem 19. Jahrhundert.
Tobias Mayer
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Thema: Hörfenster | Comments Off | Autor: Tobias Mayer
